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14. Juli 2017 09:09 Uhr

Stimmen-Festival

Die Urgesteine von Stiller Has waren zu Gast in der Reithalle in Riehen

Auch, wenn das Alter seinen Tribut zollt: Die Schweizer Mundartband Stiller Has ist immer noch voller Leidenschaft. Zum Stimmen-Konzert in die Reithalle im Wenkenpark zog es vor allem Schweizer Zuhörer.

  1. Endo Anaconda (rechts) von Stiller Has glaubt immer noch an Märchen. Foto: Christoph Hoigné.

Als Urgesteine der Schweizer Mundart wurden sie angekündigt, und das trifft ohne Zweifel zu, jedenfalls auf Endo Anaconda, den Frontmann der Gruppe Stiller Has, den einzigen, der von der Urbesetzung noch dabei ist. Aber er ist es auch, der die Gruppe prägt, mit seinem rauen, gewaltigen Gesang, mit seinen oft melancholisch grundierten, manchmal zynischen und immer wieder unbequemen Texten.

Das Konzert in der Reithalle im Wenkenpark in Riehen war schon vorab ausverkauft, am Eingang warteten einige Fans, ob sie vielleicht doch noch eine Karte ergattern können. Zum dritten Mal fand ein Stimmen-Konzert in der schönen alten Reithalle statt, nachdem man früher bei Konzerten im Park oft Pech mit dem Wetter gehabt hatte.

Stiller Has lockt vor allem die Schweizer

Riehen unterstützt das Lörracher Festival schon lange, das damit auch ins Ausland geht, wenngleich man sich hier in einer Region ohne Grenzen fühle, meinte Festivalleiter Markus Muffler. Ganz bewusst habe man an den Spielort in der Schweiz auch schweizerische Künstler geholt, stellte er fest.

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In der Tat hatte nicht allzu viele deutsche Besucher den Weg in die Reithalle gefunden, die große Mehrheit der Gäste waren Schweizer. Kein Wunder, sind doch die berndeutschen Texte, auch wenn man mit Baseldeutsch keine Probleme hat, nicht ganz leicht zu verstehen. "Macht nit", meinte Endo Anaconda, "i verstande die Texte sälber nit." Dabei hat er sie geschrieben.

Gemeinsam älter geworden

Aber auch musikalisch hat Stiller Has einiges zu bieten, melodienreichen Mainstream-Rock mit unterschiedlichen Einflüssen, von der Band mit viel Können umgesetzt.

Die Halle war zur Hälfte bestuhlt, im hinteren Teil gab es Stehplätze, doch die Stühle waren sehr begehrt. Das Publikum ist zu einem großen Teil gemeinsam mit Endo Anaconda älter geworden. "I bin e Stimm us der Vergangenheit, im Alter vo de Stones", texte er selbstironisch im Song "Julia". Wie dieses Stück stammten die meisten Lieder im Konzert vom Anfang diesen Jahres veröffentlichten Album "Endosaurusrex".

Ein alt gewordenes Kind

Aber auch ein paar ältere Stücke waren dabei, und in vielen Fällen werfen sie einen weniger erfreulichen Blick auf die Welt. "De Hans im Glück hätt Depressione und spritzt se Ruuschgift", sang er im Stück "Märli", um fortzufahren: "Aber i glaube immer no an Märli, tralali, tralala." Endo hat etwas von einem alt gewordenen Kind, ein kräftiger Mann mit harter Schale und weichem Inneren, der Texte schreibt voll Gefühl und Verletzlichkeit, die von einer packenden, leidenschaftlichen Musik getragen werden.

So gab es rasenden Applaus für das Quintett um den charismatischen Endo Anaconda. Doch das Alter zeitigt seine Folgen: Nach 75 Minuten verabschiedete sich die Band zum ersten Mal, nach zwei Zugaben und insgesamt knapp eineinhalb Stunden war Schluss. Trotzdem ein Konzert, das in Erinnerung bleibt.


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Autor: tm