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12. August 2011

Ein Mantra der Graffiti-Bewegung

Mark Gmehling hat an zwei A-98-Pfeilern bei Lörrach ein Eingangsportal für die Bridge-Gallery geschaffen .

  1. Mark Gmehling Foto: Barbara Ruda

  2. Schwindelfrei muss sein, wer ein guter Sprayer werden will. Foto: Ruda

LÖRRACH. In nur einem Jahr haben sich die riesigen Betonpfeiler unter der A 98 bei Lörrach von einem Geheimtipp der Szene  zu einem international bekannten Spot für zeitgenössische Streetart-Künstler entwickelt. Das wurde in den vergangenen Tagen erneut deutlich, als Mark Gmehling aus Dortmund die beiden Säulen links der Brombacher Straße stadtauswärts besprayt hat.

Mit 13 Metern Höhe und insgesamt 126 Quadratmetern bemalter Fläche hat der Künstler und Illustrator ein  Eingangstor  für die  Bridge-Gallery geschaffen. Ursprünglich sollte diese  auf Initiative des Lörracher Jugendparlaments hiesigen Jugendlichen als "Free Walls" dienen. Dass die  Amateure aus der Region nun die Vorbilder der Profis direkt vor der Nase haben, spornt sie an und sorgt für eine fruchtbare Zusammenarbeit unter der Brücke. 

Die Idee, diese  Säulen als Eingangsportal zu gestalten, kam Gmehling  im Mai dieses Jahres, als er sich auf den Lehmhügel auf der anderen Straßenseite setzte, um den grünen Wurm zu  betrachten, den er gerade an eine davon gesprayt hatte. Einen Entwurf schickte er alsbald an Kai Hendrik Schlusche, den ehrenamtlichen Koordinator für die Aktivitäten unter der Brücke.  Nach dem Okay seitens der Stadt hat der Künstler die mehrtägige Arbeit am Rechner vorbereitet.

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Die für Mark Gmehling typischen Götzen- und Totemmotive erscheinen auch auf dem riesigen Werk auf den beiden Säulen des Triumphbogens, dazwischen ist das Mantra der Streetart-Bewegung zu lesen: "in style we trust" und auf der anderen Seite "the norm we fuck", frei übersetzt zu deutsch: auf Stil vertrauen wir, auf die Norm scheißen wir". Er selbst kommt auch aus der Graffiti-Bewegung der 1980er-Jahre. Danach hat er Kunst studiert und sich mehr mit Figuren beschäftigt als mit Schriftzügen. Für ihn ist die Streetart denn auch eine Weiterentwicklung von Graffiti. Sie sei kommunikativer für die breite Öffentlichkeit, denn die Schriftzüge von Sprayern seien von Laien meist nicht lesbar. Auch das, was an Urban Arts mittlerweile in den Galerien hänge, sei von der Ästhetik beeinflusst, welche sich die Künstler in der Graffitikunst angeeignet haben.

10 000 Leute mögen das neue Kunstwerk schon während der Entstehung quasi im Vorbeifahren gesehen haben. Das sei beispiellos für ein Kunstwerk, meint Jiri Novotny, in dessen Galerie Gmehling an zwei Wochenenden ausstellt. Der Stadt  ist das Thema so wichtig, dass sie im Rahmen ihrer Sommeraktivitäten  in zwei Wochen zu einem geführten Rundgang durch die Bridge-Gallery einlädt.

Autor: Barbara Ruda