Einsatz für die Lörracher Tram

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Sa, 12. März 2016

Lörrach

Der Bahnkundenverband vergibt seinen Europapreis an die IG Verkehr / Werben für eine Linie westlich der Innenstadt.

LÖRRACH. Für ihren Einsatz für die Verlängerung der Basler Tramlinie 6 nach Lörrach erhielt die IG Verkehr gestern den Schienenverkehrspreis 2015 des Deutschen Bahnkundenverbandes in der Kategorie Europa. Die IG Verkehr nutzte die Preisübergabe im Dreiländermuseum für intensive Werbung für die Tram in Lörrach.

Vor 100 Jahren, mitten im Ersten Weltkrieg, wurden in Lörrach Tramgleise verlegt, berichtete Karlfrieder Vortisch. Am 16. November 1919 fuhr die erste Tram durch Lörrach. Mit Unterbrechung zwischen 1939 und 1947 fuhr sie bis zum 31. August 1967. Wegen eines nötigen Investitionsaufwands von zwei Millionen Mark beschloss der Gemeinderat, den Betrieb einzustellen. Schon wenige Wochen später wurden die Gleise herausgerissen, Lörrach wurde zur autogerechten Stadt umgebaut, sagte Vortisch. Mit Film, Fotos und einer Schilderung von Friedbert Dorer wurde die damalige Tram wieder lebendig.

Hannes Fischer stellte vor, wie die IG Verkehr sich die Zukunft vorstellt, nämlich mit durchgehender Tramlinie von Basel und Riehen durch Lörrach bis zum Bahnhof Haagen. Nach der Haltestelle Riehen-Grenze würde die Tram an der Haltestelle "Stetten Stadion" nach links abbiegen, unter der Wohnbebauung hindurch fahren und Ob der Gass halten. Von dort ginge es in die Marie-Curie-Straße mit Halt am Meeraner Markt und unterhalb des Burghofs, danach wäre unterhalb des Kreiskrankenhauses die nächste Station. Hier liegt die Trasse der einstigen Gewerbebahn, die genutzt werden könnte, meinte Fischer. Nach Halten am Schwimmbad, am Schulzentrum Wintersbuck, am Grüttpark bei St. Peter und beim Rosengarten würde die Tram entlang der S-Bahn-Linie zum Bahnhof Haagen fahren. Dort könnte eine Mobilitätsdrehscheibe mit einem mehrstöckigen Parkhaus auf dem Gelände des Recyclinghofes errichtet werden, sagte Hannes Fischer.

Mit dem Preis würdige man den Einsatz für die Wiederinbetriebnahme der Straßenbahn in Lörrach, sagte Wolfgang Klapdor, Vizepräsident des Bahnkunden-Verbandes. Seit acht Jahren versuche die IG Verkehr, den Menschen das Gespür für die Notwendigkeit zu vermitteln. Dass man sich damit nicht nur Freunde mache, sei klar, doch wie richtig die Forderung sei, zeige der Erfolg der Tram in Weil am Rhein, sagte er. Die Tram würde den westlichen Teil Lörrachs beleben, den Verkehr reduzieren und Raum für den Ausbau von Fahrradwegen schaffen, sagte Natali Fessmann, Sprecherin der IG Verkehr. Es würde die Stadt insgesamt stärken, meinte sie.

Oberbürgermeister Jörg Lutz würdigte das Herzblut der IG Verkehr in dieser Sache. Er wies auf die Bürgerbeteiligung beim Leitbildprozess hin, bei dem auch Tramverlängerung und Tieferlegung der S-Bahn ein Thema sind, die aber sehr kontrovers diskutiert würden. Zunächst müsse man prüfen, welchen wirtschaftlichen Nutzen die Tramverlängerung habe, sagte Lutz, der auch den Leiter des Basler Amtes für Mobilität, Alain Groff, begrüßte. Wenn man da positive Erkenntnisse habe, wäre das zweite Thema die Frage der Finanzierung. Dafür stehen 200 Millionen Euro im Raum, "eine sportliche Aufgabe" für die Stadt, meinte Lutz. "Die Tram hat durchaus Sympathien, und das Thema Verkehr muss breit gedacht werden, aber irgendwann muss gegebenenfalls auch mal ein Knopf an die eine oder andere Diskussion gemacht werden", sagte Lutz.