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05. März 2015

Gefeierter Musiker statt exzentrischer Millionär

Achim Amme las aus Philip Normans Lennon-Biografie.

  1. Achim Amme liest aus der Biographie von John Lennon Foto: Nina Bärschneider

LÖRRACH. "Herr, bitte gib mir eine Gitarre", betete John Lennon als Jugendlicher. Die und seine Stimme, mehr brauchte er nicht, um eine der berühmtesten Musiker seiner Zeit zu werden – und darüber hinaus. Dieses Jahr hätte er seinen 75. Geburtstag gefeiert. Ob als Beatles-Mitglied, Solokünstler oder Friedensaktivist, Lennon führte ein bewegtes Leben, das schließlich auch genauso bewegend endete.

Aus seiner Biographie las am Dienstagabend der Schauspieler und Schriftsteller Achim Amme in der Lörracher Buchhandlung Metzler. Dabei flocht er immer wieder Lennon-Lieder ein, deren Texte faszinierend genau zu der Biographie passten. Die Mischung aus den mit leisem Witz geschriebenen und gesprochenen Worten und den harmonierenden Songs ließen Lennon plötzlich ganz nah und greifbar erscheinen. "Auf einmal versteht man die Hintergründe seiner Lieder", meinte Cornelia Blum, eine Zuhörerin.

Lennons chaotische, aber oft mit Liebe überschüttete Kindheit, seine dennoch panische Angst vor Liebesverlust seit der Trennung der Eltern, sein Zynismus, der sich aus dieser Unsicherheit ergab – all diese Erfahrungen und Gefühle finden sich irgendwo in seinen Texten wieder. Egal ob frühe Werke oder bekannte Hits, Achim Amme spielte während seiner Lesung ein großes Lennon-Repertoire ab. Schon bei den ersten Takten fingen die Köpfe der Zuhörer an mitzunicken. Musik gab Lennon immer Halt – war es beim Tod seiner Mutter Julia oder der "Einsamkeit, die das Anderssein mit sich bringt". Ansonsten ließ er das Leben auf sich zukommen: "Ich hatte keine Ahnung, was ich werden wollte, außer vielleicht ein exzentrischer Millionär", zitierte ihn Amme. Großes Vorbild in jungen Jahren war Elvis, dem er nacheiferte, und der zu Hause lange Lennons einziges Gesprächsthema bei Tisch war. Die ersten gruppenmusikalischen Anfänge machte er mit der Band "The Quarrymen", aus der sich später nach einigen Umbesetzungen die Beatles entwickelten. Wichtigstes Mitglied dort war für Lennon wohl Paul McCartney, mit dem er viele Stücke komponierte. Als Spiegelbild bezeichnet Philip Norman, Autor der Biographie, den Freund und Bandkollegen Lennons.

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Der Vorleser Amme hörte selbst immer gern die Beatles und bezeichnet sie als die damals "bedeutendste Band". Durch sie hätte er Mut gefasst, eigene Lieder zu schreiben und Schriftsteller zu werden. Seine Lesung zog die Zuhörer merklich in ihren Bann – scheinbar ohne Anstrengung gelang es ihm, dem humorvollen und trotzdem hintergründigen Stil des Autors Norman mit seiner Stimme Ausdruck zu verleihen, was zu vielen Lachern verleitete. "Ich höre Lennons Songs jetzt mit anderen Ohren", sagte Zuhörerin Grit Röscher.

Autor: Nina Bärschneider