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22. Mai 2012 13:46 Uhr
Reaktion auf Neisen-Studie
Gedenken an Nazi-Opfer: Grüne wollen Stolpersteine
Der Historiker Robert Neisen arbeitet die Nazizeit in Lörrach und die Rolle des damaligen Bürgermeisters auf. Als Reaktion beleben die Grünen die Debatte um mahnende Stolpersteine neu, die es in Lörrach bisher nicht gibt.
Im Auftrag der Stadt Lörrach beschäftigt sich der Freiburger Historiker Robert Neisen mit der Nazizeit in Lörrach. Kern der Arbeit ist die der Rolle des damaligen Bürgermeister Reinhard Boos. Ergebnis: Boos war offenbar keineswegs der gute Mensch im braunen Rock, als der er sich gerne darstellte und heute zum Teil noch gesehen wird. Neisens Studie soll im Frühjahr 2013, begleitet von einer Ausstellung im Museum am Burghof, vorgestellt werden. Die kürzlich veröffentlichten ersten Ergebnisse haben in Lörrach nun zu einer Diskussion über geeignete Formen des Erinnerns geführt. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen schlägt vor, in Lörrach Stolpersteine zu setzen und nimmt damit eine bereits in der Vergangenheit geführte Diskussion wieder auf. Weil die Israelitische Kultusgemeinde Vorbehalte gegen diese Form des Erinnerns hat, plädieren die Grünen dafür, mit Stolpersteinen der nicht-jüdischen Opfer der Naziherrschaft in Lörrach zu gedenken.
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Stolpersteine sind unscheinbare pflastersteingroße Messingplatten, die in den Straßenbelag eingelassen werden und Namen von Opfern und ein paar kurze Angaben tragen. Initiiert wurde die Aktion vom Kölner Künstler Gunter Demnig. Die Stolpersteine wurden bisher in mehr als 500 Orten in Deutschland verlegt. Jeder Stein könnte einen Paten oder einen Stifter haben, der die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines finanziert.
Die Lörracher Stadtverwaltung und die hiesige Israelitische Kultusgemeinde sprachen sich bisher gegen die Verlegung von Stolpersteinen für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus. Die Fraktion der Grünen respektiert die diesbezügliche Ansicht der Israelitischen Lörracher Gemeinde, wie in der Mitteilung betont wird. Grünen-Stadtrat Gerd Wernthaler hob hervor, dass auch jener nicht-jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden müsse, die sich gegen die Nazidiktatur zur Wehr setzten und dies, wie die Lörracher Kommunisten Eugen Reinert, Joseph Hottinger und Rene Kron, mit dem Leben bezahlen mussten. Erinnert werden müsse auch an den Tod eines Lörracher Homosexuellen im KZ Mauthausen und an das Schicksal der Familie Denz, der ihr Glaube zum Verhängnis wurde. Nicht vergessen werden dürfe der damalige Radweltmeister Albert Richter aus Köln, der das Verhör in der Lörracher Gestapo-Zentrale nicht überlebte. Sie alle stünden stellvertretend für die anderen Lörracher Opfer des menschenverachtenden Systems, heißt es bei den Grünen. Es sei wichtig, dass in Lörrach der Verfolgung und des Widerstandes während des Faschismus unterschiedlich gedacht und dies auch künftigen Generationen vermittelt werde. "Stolpersteine gelten als Provokation", meint Stadtrat Gerd Wernthaler, "gerade junge Menschen können durch diese Stolpersteine für die Verbrechen des Nationalsozialismus sensibilisiert werden."
Gleichzeitig sollte nach Ansicht der Grünen-Fraktion in der Stadt überdacht werden, ob der Opfer des Nationalsozialismus im öffentlichen Raum nicht in würdigerer Form gedacht werden sollte, als durch den unscheinbaren und vergessenen Betonquader an der unteren Villa Aichele, dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier. "Es stünde unserer Stadt gut zu Gesicht, wenn wir der Opfer des Nationalsozialismus im nächsten Jahr anlässlich der Veröffentlichung der Studie auf vielfältige Weise erinnern würden und bis dahin das Projekt der "Stolpersteine" auf den Weg gebracht hätten", heißt es in einer Mitteilung der Grünen.
- Kommentar: Eine gute Ergänzung
- Erste Ergebnisse: Studie bringt Licht in die dunkle Seite der Stadtgeschichte
Autor: bz



