Gut begleitet in Frieden sterben

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Sa, 13. Oktober 2018

Lörrach

Landkreis unterzeichnet Charta zur Betreuung Schwerstkranker und Sterbender / Palliativversorgung soll ausgebaut werden.

LÖRRACH. "Jeder Mensch hat ein Recht auf Sterben unter würdigen Bedingungen." Das ist der Grundgedanke der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen. Landrätin Marion Dammann hat in einem Festakt in der Stadtkirche Lörrach diese Charta am Freitag unterzeichnet. Die Versorgung soll durch Palliativmedizin im Kreiskrankenhaus Lörrach und im geplanten Zentralklinikum ausgebaut werden.

Der Unterzeichnung ging ein Beschluss des Kreistags voraus, betonte Marion Dammann, die sich freute, dass die Kirche zu diesem Anlass so gut gefüllt war. Mehrere Hospizgruppen, das Hospiz am Buck und die niedergelassenen Ärzte kümmern sich um sterbende Menschen im Landkreis. Im Kreiskrankenhaus ist die Palliativmedizin, also die Versorgung schwerstkranker Menschen mit begrenzter Lebenserwartung, im Aufbau. Mit Unterzeichnung steht der Landkreis dafür ein, sich in diese Richtung zu engagieren.

Susanne Kränzle, Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbandes Baden-Württemberg, zeigte sich stolz, dass die Hospizgruppen im Landkreis die Unterzeichnung angestoßen haben und betonte, alle Dienste müssen sich vernetzen. 46,7 Prozent der Menschen in Deutschland sterben im Krankenhaus, obwohl drei Viertel zu Hause sterben wollen. Im Kreis Lörrach sind es 37,13 Prozent, die im Krankenhaus sterben, berichtete die ehemalige Sozialpolitikerin Birgit Weihrauch, die die Charta mitinitiiert hat. Hospiz- und Palliativdienste sind daher in den stationären Einrichtungen wie ambulant nötig. Das Hospiz am Buck kann nur ein Viertel derer, die um einen Platz nachsuchen, aufnehmen, berichtete Geschäftsführer Christoph Dürdoth. "Das ist eine fast unerträgliche Situation für uns." Das Kreiskrankenhaus Lörrach richte gerade eine Palliativversorgung mit fünf Betten als Schnittstelle mehrerer Stationen ein, sagte Hans Osterhues, Chefarzt der Inneren Medizin. Im neuen Zentralklinikum sollen es voraussichtlich zehn Betten sein.

Mario Steffens, Hausarzt in Weil am Rhein, ist zurzeit dabei, ein Team zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) aufzubauen. Dazu braucht es eine besondere Ausbildung, denn vor allem nachts ist die Versorgung schlecht. "Aber wir brauchen unterschiedliche Teams, um den ganzen Landkreis abzudecken, und das ist schwierig und kostet Geld", sagte er. Diana Stöcker, CDU-Kreisrätin und Bürgermeisterin in Rheinfelden, sagte, Stadt wie Kreis bemühten sich, bessere Lebensqualität für alte Menschen zu schaffen. Sie lobte die Hospizgruppen im Kreis, was auch SPD-Kreisrätin Gabriele Weber tat. Für beide zeige die Charta, dass man auf diesem Weg weitermachen und auch die Pflegeheime einbeziehen muss.

Eva-Maria Neumann koordiniert die Ambulante Hospizgruppe Grenzach-Wyhlen. Die Gruppe gehe zu den Menschen nach Hause, in die Pflegeheime und ins Krankenhaus und stellt dabei oft Versorgungslücken fest. Man müsse überall maßgeschneiderte Lösungen finden, das Land werde aber den Aufbau der Palliativmedizin im Zentralklinikum unterstützen, sagte der Landtagsabgeordnete Josha Frey (Grüne). 100 Palliativbetten pro einer Million Einwohner würden empfohlen, aber wo die ambulante Versorgung gut ist, brauche es weniger, sagte Birgt Weihrauch. Die Kirche könne der Nährboden sein, um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, erklärte Bärbel Schäfer, Dekanin des Evangelischen Kirchenbezirks Markgräflerland. Wer könnte die Initiative ergreifen, um ein Palliativ-Netzwerk im Landkreis auf den Weg zu bringen, fragte Moderator Tonio Passlick. Steffens ist dabei, Dürdoth nannte den Hospiz-Förderkreis, während Osterhues, Stöcker und Weber den Landkreis in der Pflicht sahen. Schäfer bot die Zusammenarbeit der Kirchen an; letztlich seien aber alle Menschen gefragt.