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23. Juni 2017

Gute Aussichten für die Region

Wirtschaftsforum von Metrobasel plädiert für offene Grenzen für ausländische Fachkräfte und mehr Digitalisierung in der Bildung.

  1. Peter Dettelmann, Boris Kraft, Marion Dammann, Kuno Sommer, Jörg Lutz, Regula Ruetz und André Marker (von links) diskutierten über die Perspektiven der Wirtschaftsregion Basel. Foto: Thomas Loisl Mink

LÖRRACH. Der Großraum Basel ist wirtschaftlich eine der erfolgreichsten Regionen Europas. Das wird auch so bleiben, trotz alternder Gesellschaft und Digitalisierung, so lange man rechtzeitig und klug auf diese Herausforderungen reagiert – und so lange die Grenzen offen bleiben. Das ist das Fazit des Wirtschaftsforums von Metrobasel im Sparkassenforum in Lörrach.

Metrobasel ist Plattform, Think Tank, Stimme und Akteur für die Entwicklung der Metropolitanregion Basel und setzt sich ein für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte der Wirtschaftsregion im internationalen Wettbewerb. "Am Ende profitieren wir alle von der guten Situation hier an der Grenze", stellte André Marker, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, fest. Rund 73 000 Grenzgänger gibt es in der Region, und von 664 000 Erwerbstätigen in der Nordwestschweiz sind 236 000 Ausländer, berichtete Regula Ruetz, Direktorin von Metrobasel. Insbesondere der Life-Science-Bereich und die gute Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte dank sehr guter Bildungssysteme in Deutschland und der Schweiz tragen zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Nötig sind aber auch wettbewerbsfähige Steuersysteme und Regulierungen, betonte Ruetz. Die Zahl der Senioren wird in den kommenden Jahren stark zunehmen. Um den Fachkräftemangel auszugleichen, ist man deswegen auf Zuwanderung angewiesen. "Abschottungstendenzen müssen wir ganz vehement begegnen", betonte sie. Die großen Basler Unternehmen hätten bereits angekündigt, wenn sie ihre Fachkräfte hier nicht mehr finden, werden Abteilungen in andere Länder verlegt.

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"Die Digitalisierung kann eine Chance sein, wenn wir die Weichen richtig stellen," sagte Regula Ruetz. Dazu muss vor allem in die Bildung investiert werden, denn Stellen für Hochqualifizierte werden stark zunehmen, die für ein mittleres Bildungsniveau werden abnehmen und die Routinearbeiten werden automatisiert. Kaum durch Technik ersetzt werden können Berufe, bei denen soziale Kompetenzen oder Kreativität gefragt sind. Für die Region sieht Ruetz eine positive Entwicklung, wenn ausländische Fachkräfte weiterhin verfügbar sind, die Bildungssysteme sich auf die digitalen Anforderungen einstellen und man für die Lebensqualität der Region Sorge trägt.

In der vom Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz geleiteten Diskussion stellte Boris Kraft, Chef-Visionär bei der Beraterfirma Magnolia, fest, dass sich durch die digitale Transformation Geschäftsmodelle verändern werden. Berufe fallen weg, aber es kommen andere dazu. Die Chemie lebt schon lange mit der Digitalisierung und sieht vor allem ihre Chancen, sagte Kuno Sommer, Verwaltungspräsident des Biochemie-Unternehmens Bachem. Im Landkreis Lörrach werden 70 Millionen Euro in den Ausbau der Breitbandversorgung investiert, stellte Landrätin Marion Dammann fest, und auch in den beruflichen Schulen und Gymnasien spielt Digitalisierung eine Rolle. In Sachen Digitalisierung erklären jüngere Mitarbeiter den älteren, wie es funktioniert, berichtete Peter Dettelmann, Standortleiter des Chemie-Unternehmens Evonik in Rheinfelden. Auch er sieht die Chancen, betont aber, dass sich die Region permanent dem internationalen Wettbewerb stellen muss, vor allem was technische Entwicklung und die Ausbildung von Fachkräften angeht. Kraft vermisst schon lange, dass in Schulen Informatik und digitale Logik gelehrt wird. Junge Leute gehen selbstverständlich mit der Technik um, aber sie hinterfragten sie nicht, seien nur noch Konsumenten.

Mit der Umsetzung der so genannten Masseneinwanderungs-Initiative könne die Wirtschaft zähneknirschend leben, sagte Ruetz. Auf die Frage, ob es denn vor 2001, der Umsetzung der Personenfreizügigkeit, keine Grenzgänger gegeben habe, antwortete sie, es gab damals nur bestimmte Kontingente und es war ein enormer Verwaltungsaufwand für die Unternehmen. Auch Dettelmann betonte, es komme darauf an, die Region für Zuzügler attraktiv zu halten. Viele schreckten davor zurück, hierher zu kommen, weil die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind.

Sommer wünscht, dass die Region in zehn Jahren die gleiche Währung hat. Ruetz wies darauf hin, dass da Grenzgänger wie hier Einkaufstouristen für Unmut sorgen, dass beide Seiten davon aber auch Vorteile hätten. Alle waren der Meinung, die Aussichten für die Region sind positiv. Für Dettelmann verkauft sich die Region unter Wert. Kein Wunder, meinte Kraft, wenn schon Basel-Stadt und -land jeweils eigene Tourismusabteilungen haben. Das Dreiländereck müsse sehr viel stärker zusammenwachsen, dann sei die Region europaweit extrem wettbewerbsfähig. Auch Dammann betonte, man könne sich keine nationalistischen Tendenzen leisten, wenn man den hohen Lebensstandard in der Region erhalten wolle.

Autor: Thomas Loisl Mink