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12. Februar 2011

Junge Wellenlänge gesucht

Amateurfunker aus Deutschland und der Schweiz schalten Konferenzen auf die Muba.

  1. Otto Hugenschmidt beim Aufbau der Funkanlage Foto: Sebastian Wolfrum

LÖRRACH/BASEL. Es muss nicht immer Internet sein. Deutsche und Schweizer Funkamateure zeigen während der Mustermesse Basel (Muba) die Möglichkeiten der Datenübertragung per Funk. Mit der Technik lassen sich nämlich mehr als nur Gespräche überliefern. Die Präsentation der Funker hat aber noch ein anderes Anliegen, sie wollen nämlich junge Menschen für ihr Hobby begeistern.

Die Spaziergänger auf dem Tüllinger Berg staunen nicht schlecht, wenn Otto Hugenschmidt seine Apparatur aufbaut. Auf einem Fotostativ ragt ein Besenstil in die Höhe, daran klemmt eine Antenne. Daneben ein weiteres Stativ, eine Kamera obenauf. Auf einem Campingtisch stehen ein alter Fernseher und ein Sendegerät, das aussieht wie der Verstärker einer Stereoanlage. Und überall Kabel in allen Farben, die die Teile der Ausrüstung miteinander verbinden und über eine Autobatterie mit Strom versorgen.

Otto Hugenschmidt aus Steinen ist Amateurfunker und er bereitet sich gerade auf ein besonderes Treffen vor. Er ist nämlich zu einer Videokonferenz mit seinen Funkerkollegen in der Schweiz verabredet. "Das wissen die wenigsten, aber auch das geht. Wir können mit unseren Antennen Bild und Ton übertragen", sagt Hugenschmidt. Nach fünfzehn Minuten Aufbau erscheinen dann die Bilder aus der Schweiz auf dem Bildschirm "Ein Grüezi von der Muba auf den Tüllinger Berg", grüßt der Funker Urs Keller aus Basel. Die Qualität der Bilder ist hoch, sehen fast aus wie im Fernsehen.

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Den Freizeitfunkern fehlt der Nachwuchs

Die Freizeitfunker wollen natürlich über ihr Hobby informieren. Dass sie jetzt einen Stand auf der Muba haben, hat aber noch einen anderen Hintergrund. "Uns fehlt der Nachwuchs. Es gibt einfach zu wenig junge Leute, die sich für das Amateurfunken interessieren. Wir wollen zeigen, wie spannend das sein kann", sagt Willi Vollenweider, der inzwischen in Basel das Mikrofon übernommen hat.

Videokonferenz, das geht heutzutage leichter und schneller über das Internet. Und Handys lassen Handfunkgeräte alt aussehen. "Natürlich ist das so. Aber beim Funken geht es doch um die ganze Technik, das Tüfteln, die Geräte, das selber Bauen", sagt Hugenschmidt. Um nach Basel zu senden, werde erst ein Signal auf den Hornberg gesendet. Dort steht ein sogenannter TV-Umsetzer, der die Daten für den Fernsehempfang umwandelt. Die Station vom Hornberg, sendet wiederum zu einer Antenne auf den Schweizer Eggfluh und die schickt die Signale auf die Muba. "Das ist doch unglaublich aufregend", schwärmt Hugenschmidt. "Und was, wenn mal was passiert", fragt er. "Ein Erdbeben etwa. Da sind Amateurfunknetze oft die einzigen Kommunikationswege, da kommerzielle Netze oft ausfallen." In der Tat sind es oft Menschen mit privaten Funkgeräten, die bei Naturkatastrophen den Kontakt zur Außenwelt aufrecht erhalten.

Um die Wellenlänge der jungen Leute zu treffen, gibt es auf der Muba, neben dem Infostand, auch jeden Tag eine sogenannte Fuchsjagd. Dabei muss der Fuchs – ein Objekt, das Signale aussendet – mit Peilgeräten gefunden werden. Unter Funkern ist diese Jagdvariante eine richtige Sportart, in der es sogar Meisterschaften gibt. "Das kommt gut an", sagt Vollenweider. "Es haben sich schon mehr als 200 Jugendliche bei uns informiert. Das Feedback ist wirklich toll, ich hoffe das wir ein Paar von ihnen wiedersehen."

Hoffnungsvolle Neuigkeiten für die alternde Funkergemeinde. Entsprechend zufrieden sendet Hugenschmidt seine letzten Signale für heute in Richtung Basel. "Beste 73 und natürlich 55." Die Zahlen sind Funkerlatein, sie stehen für schöne Grüße und viel Erfolg. Over and out.

Autor: Sebastian Wolfrum