Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. November 2012

"Lasst uns länger Kinder sein!"

Zum Tag der Kinderrechte stellte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster den Fragen der Unicef-Juniorbotschafter.

  1. Armin Schuster inmitten der jungen Gesprächsteilnehmer Foto: Mink

  2. Im Grundgesetz – hier eine Version zum Aufblasen – sind Kinderrechte nicht verankert. Foto: Millauer/DDP

LÖRRACH. Heute ist der Tag der Kinderrechte. Aus diesem Anlass stellte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster den Fragen der Lörracher Unicef-Juniorbotschafter. Eine Liste mit 25 Fragen hatten Christella Langen, Clara Koppenburg, Niklas Zollinger und weitere Juniorbotschafter (Jubos) erstellt, von denen naturgemäß im Gespräch nicht alle erörtert werden konnten.

Gleich die Erste war eine der Schwierigsten: Warum sind Kinderrechte nicht in Grundgesetz verankert? Das Thema habe man bis in die 90er Jahre hinein unterschätzt, sagte Armin Schuster. Es sei aber noch immer umstritten, ob man Kinder als eigene Gruppe ins Grundgesetz aufnehmen solle, da das Grundgesetz von Menschen und Bürgern spricht, das schließe die Kinder ein. Andere vertreten die Ansicht, man solle es trotzdem tun, damit deutlich werde, dass man auf Kinderrechte besonderen Wert lege. Dafür sprachen sich auch die Jubos aus, weil sie meinten, Deutschland wäre damit ein Vorbild für andere Länder, in denen die Rechte von Kindern nicht geachtet werden, Kinderarbeit oder Beschneidung an der Tagesordnung sind. Auch Gewalt gegen Kinder nannten die Jubos als ein schwerwiegendes Problem. Das bestätigte Schuster, meinte aber, das sei schwierig in den Griff zu bekommen, weil das in der Regel in den Familien stattfinde und man davon nichts mitbekomme.

Werbung


Dass Jugendliche mehr an die Politik herangeführt werden sollten, da viele bald wählen dürfen, aber zu wenig Ahnung von Politik haben, regten die Jubos an. Schuster sagte, Jugendliche ab 14 Jahren hätten die Möglichkeit, eine Woche lang den Bundestag von innen kennenzulernen.

Schulklassen seien häufig zu groß, um effizientes Lernen zu ermöglich, kritisierten die Jugendlichen. Sie waren sich zudem einig, dass das achtjährige Gymnasium zu viel Druck bedeute und sie lieber neun Jahre Zeit bis zum Abitur hätten. "Wir haben in der siebten Klasse Stoff durchgenommen, der früher für die Elfte vorgesehen war", berichtet eine Juniorbotschafterin. Der Lehrplan sei nicht um das eine Jahr gekürzt worden, und mit G8 habe man als Schüler kaum noch Zeit für Freunde, Hobbies oder soziales Engagement. Dabei müsste gerade soziales Engagement besonders gefördert werden, meinten die Jubos. Das werde mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr gemacht, und manche Firmen würde Mitarbeiter bevorzugen, die sich sozial engagieren, sagte Schuster. Schulischer Leistungsdruck mache aber Vieles zunichte, meinten die Jugendlichen, und das fange in Deutschland bereits in der Grundschule an. "Lasst uns länger Kind sein", forderten sie deswegen, ein Anliegen, das Armin Schuster unterstützte.

Auch die Hortkinder der Kaltenbach-Stiftung, wo das Gespräch stattfand, beteiligten sich. Warum man nicht Schulbücher abschaffe und stattdessen jedem Kind einen Laptop gebe, wollte ein Junge wissen. Ein Mädchen wollte wissen, warum in der Schule nur christliche, aber keine muslimische Religion unterrichtet werde. Das soll es demnächst geben, Lehrer werden dafür zur Zeit ausgebildet. Die Jubos finden eine stärkere Unterstützung für benachteiligte Kinder wichtig und den Schutz der Umwelt, der für die Zukunft der jungen Leute von Bedeutung ist. Diese und viele andere Fragen nahm Schuster mit, und auch wenn er nicht versprechen konnte, alles gleich zu beantworten oder gar umzusetzen, versprach er doch, dass die Anliegen junger Menschen in seine politische Arbeit einfließen werden.

Autor: Thomas Loisl Mink