Trotz Höckes Rede

Lörrach: Wolfgang Fuhl bleibt AfD-Mitglied

Sabine Ehrentreich, Sebastian Wolfrum, Dorothee Soboll

Von Sabine Ehrentreich, Sebastian Wolfrum & Dorothee Soboll

Di, 24. Januar 2017 um 12:12 Uhr

Lörrach

Wolfgang Fuhl bleibt Mitglied der AfD - auch nach der Rede von Björn Höcke zum Holocaust-Mahnmal und dem Meuthen-Antrag im Landtag, die Fördergelder für die Gedenkstätte in Gurs zu streichen.

Wolfgang Fuhl bleibt Mitglied der AfD – auch nach der Rede von Björn Höcke zum Holocaust-Mahnmal und dem Meuthen-Antrag im Landtag, die Fördergelder für die Gedenkstätte in Gurs zu streichen. Es sei für ihn "zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema, die Partei zu verlassen", sagt der Lörracher, der im vergangenen Jahr Landtagskandidat der Alternative für Deutschland im Wahlkreis Lörrach war.

Distanziert sich von Höckes Rede

Wolfgang Fuhl ist Jude und war Vorsitzender des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Er zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass Antisemitismus in der AfD keinen Platz habe – zumindest in Baden-Württemberg. Als einen Beleg führt er an, dass es in der Partei eine breite Unterstützung für den neuen US-Präsidenten Donald Trump gebe, der sich klar an die Seite Israels stelle.
Von Björn Höckes Rede in Dresden, in der der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende das Holocaust-Mahnmal in Berlin ein "Denkmal der Schande" genannt hatte, distanziert sich Fuhl und verweist auf seinen privaten Facebook-Account, in dem er schreibt: "Herr Höcke, als AfD-Mitglied schäme ich mich für Ihre Rede, und das hat noch nicht einmal damit zu tun, dass ich Jude bin".



Mit "Duktus und Tonalität" Höckes sei er keinesfalls einverstanden, sagt Wolfgang Fuhl gegenüber der Badischen Zeitung. Doch der Thüringer sei intelligent genug, seine Aussagen bewusst zweideutig zu halten.

Reaktionen von anderer Seite

Auf BZ-Nachfrage äußert sich auch Rami Suliman, der aktuelle Vorsitzende des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, in schriftlicher Form. Er weist darauf hin, dass Fuhl keinerlei Funktion weder im Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden noch in der Jüdischen Gemeinde Lörrach inne habe. Er schreibt weiter: "Die Mitgliedschaft von Herrn Fuhl zur AfD ist seine Privatangelegenheit, die ich als Vorsitzender des Oberrates der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden nur mit völligem Unverständnis zur Kenntnis nehmen kann."

Auf die Frage, ob die AfD eine Partei mit antisemitischen Tendenzen sei, antwortet er, dass die AfD dies mit ihren Äußerungen und Aktivitäten selbst unter Beweis stelle. "Wenn der AfD-Abgeordnete Gedeon (Mitglied des Landtages von BW) in einem seiner Bücher im Zusammenhang mit dem Holocaust von ,gewissen Schandtaten’ schreibt, ist dies wohl Aussage genug."

Beklagt Mangel der Debattenkultur

Fuhl betont zugleich, man müsse 70 Jahre nach dem Holocaust über angemessene Formen der Erinnerung reden, und beklagt einen Mangel an Debattenkultur. Er verweist in seinem Facebook-Kommentar auf einen Artikel Rudolf Augsteins von 1998 im Spiegel, in dem er das Berliner Denkmal ein "Schandmal" genannt hatte, und nennt die Reaktionen auf die Höcke-Rede "reflexartig". Ein Parteiausschluss sei jedenfalls mit der Rede schwer zu begründen: "Wegen dem, was er gesagt hat, kriegen sie ihn nicht raus". Er, Fuhl, frage ich allerdings, was Höcke mit der geforderten 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungskultur meine.
Vom Antrag der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, die Fördergelder für die Gedenkstätte in Gurs zu streichen, hält Wolfgang Fuhl nichts. Er freue sich, dass die Landtags-Mehrheit dies abgelehnt habe. Freilich gehe der Antrag auch weit über das hinaus, was im AfD-Landesprogramm stehe. Ob generell Schülerfahrten zu Gedenkstätten gefördert werden müssten, stellt er in Frage. Einsparungen hätte er aber lieber an anderer Stelle. So sei er dafür, alle Gender-Mainstreaming-Lehrstühle zu streichen.

Nach BZ-Informationen kandidiert Wolfgang Fuhl für die diesjährige Bundestagswahl für den Wahlkreis Lörrach. Er selbst wollte das auf Anfrage nicht bestätigen. Ebenfalls nach BZ-Informationen hatte er für Platz zehn der Landesliste für die Bundestagswahl kandidiert, konnte sich aber nicht durchsetzen.

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