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03. März 2010

Rückhalt für Studie über Nazi-Zeit in Lörrach

SPD und Grüne erwarten von wissenschaftlicher Aufarbeitung neue Erkenntnisse über die Regionalgeschichte zwischen 1933 und 1945.

LÖRRACH (BZ). SPD und Grüne unterstützen den Plan, die Geschichte Lörrachs im Dritten Reich aufarbeiten zu lassen. Nachdem 2007 ein Grundsatzbeschluss gefallen war, hatte sich die Suche nach einem Wissenschaftler – ursprünglich wurde an ein Promotionsstipendium gedacht – schwierig gestaltet. Am Donnerstag wird der Gemeinderat darüber abstimmen, ob der Auftrag an einen Freiburger Historiker gegeben wird.

Über siebzig Jahre nach den Ereignissen sei es für eine Arbeit höchste Zeit, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Schlecht . Nur wer seine schmerzliche Vergangenheit kenne, so Schlecht, lerne aus Fehlern für die Zukunft. Die wissenschaftliche Arbeit soll nach Angaben der SPD von Dr. Robert Neisen aus Freiburg erarbeitet werden. Er wurde von einer städtischen Auswahlkommission ausgewählt, weil seine konzeptionellen Überlegungen überzeugten. Die Kosten werden auf die Haushaltsjahre 2011 bis 2013 verteilt. Die umfangreichen Arbeiten sind eben nicht zum Nulltarif zu haben, hieß es in der SPD-Fraktion.

Der Schwerpunkt der Bearbeitung liegt laut SPD dabei vor allem auf der Beschreibung der politischen Situation in den Jahren 1933 bis 1945 in Baden. Darüber hinaus geht es jedoch auch um Politik und Verwaltung in Lörrach unter dem Nationalsozialismus, um Ausgrenzung, Verfolgung, Vernichtung in der Stadt sowie um den Lörracher Alltag im Zweiten Weltkrieg. "Wir müssen uns dieser Aufgabe stellen", erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christiane Cyperrek.

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Auch die Fraktion der Grünen freut sich, dass es gelungen ist, einen Wissenschaftler zu gewinnen, der die Geschichte der Stadt Lörrach während des Nationalsozialismus aufarbeitet. Während der zurückliegenden Veranstaltungsreihe Projekt "Erinnern und Vergessen" anlässlich der Eröffnung der neuen Synagoge in Lörrach wurde nach Ansicht von Grünen-Stadtrat Gerd Wernthaler deutlich, dass es in Lörrach an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeit des Faschismus fehlt und man sich nur auf wenige Quellen aus dieser Zeit berufen kann. Eine qualifizierte wissenschaftliche Arbeit sei daher nicht nur wünschenswert, sondern sehr wichtig. Bei dieser wissenschaftlichen Aufarbeitung erscheint den Grünen eine genaue Themenstellung wichtig. Das Ergebnis sollte in der Reihe Lörracher Hefte veröffentlicht werden und dann umfassend, auch an Schulen, diskutiert werden. Die Schwierigkeit dürfte hierbei sein, dass die Arbeit sowohl für den Wissenschaftsbetrieb interessant ist und gleichzeitig die breite Lörracher Öffentlichkeit erreicht.

Wernthaler will Schicksal eines Homosexuellen klären lassen

Gerd Wernthaler regt an, im Rahmen dieser Aufarbeitung, sich auch dem Schicksal des aus Lörrach stammenden Homosexuellen Heinz L. anzunehmen, der nach Verbüßen einer Haftstrafe sechs Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern saß, ehe er 1943 im KZ Mauthausen vermutlich ermordet wurde. Im Gedenkbuch der Stadt Lörrach, das den Opfern der Nazidiktatur gewidmet ist, suche man seinen Namen vergebens. Diese Aufarbeitung erscheint Wernthaler deshalb wichtig, "weil hier der Schatten der Vergangenheit bis heute wirkt".

Autor: bz