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24. Januar 2011

Seit 1949 Zunftabende

Narrenzunft blickt auf ihre Geschichte zurück / Vom Bruch bis zur Zusammenarbeit.

  1. Oberzunftmeister Karl-Heinz Sterzel bei der Vernissage der Ausstellung zur Geschichte der Zunft im Café Pape mit Zunftmeisterkollegen. Foto: Thomas Loils Mink

LÖRRACH. Seit 75 Jahren gibt es in Lörrach einen organisierte Fasnacht. Die Narrengilde besinnt sich mit einer Ausstellung im Burghof-Museum ihrer Geschichte, und die Narrenzunft, die aus gleichen Anfängen entstand, präsentiert ihre Rückschau im Café Pape. Mit viel Publikum wurde am Freitagabend die Jubiläumsausstellung der Narrenzunft eröffnet.

Historische Kostüme und Requisiten sind im Café Pape zu sehen, an den Wänden jede Menge Fotos von Zunftbällen und Akteuren der Lörracher Fasnacht. "1936 wurde die Narrengilde gegründet, aber der Spaß hat nicht lange gedauert", sagte Oberzunftmeister Karl-Heinz Sterzel in seiner Eröffnungsrede. Bereits 1939 fand die zunächst letzte Fasnacht statt, danach war Krieg. Nach dem Krieg und unter französischer Besatzung war es zunächst schwierig, die Fasnacht wieder aufleben zu lassen. Umzüge, auch noch im Gleichschritt und mit denselben Leuten wie zuvor, das wollten die Franzosen nicht dulden. Außerdem verlangten sie, dass man den Namen ändere und die Fasnacht in den Saal verlege. So entstand 1949 die Narrenzunft und die Tradition der Zunftabende, aber es waren überwiegend dieselben Leute, die hier aktiv waren.

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1965 sei es allerdings zu atmosphärischen Störungen und zum ersten Bruch gekommen, berichtete Sterzel. Doch bis 1986 waren Straßenfasnacht und Saalfasnacht ein gemeinsames Werk von Narrenzunft und Narrengilde. Dann allerdings kam es zum endgültigen Bruch, begleitet von Rechtsstreitigkeiten und üblen gegenseitigen Beschimpfungen. Nur die Zundel und die Pagen sind danach bei der Narrenzunft geblieben, die langsam dahinwelkte, wie Sterzel erzählte.

Koexistenz mit dem Dächlevertrag

Die Narrengilde habe indessen weiterhin eine tolle Straßenfasnacht veranstaltet, stellte der Oberzunftmeister anerkennend fest. Schließlich sei im Dächlevertrag festgelegt worden, dass Motto, Plakette und Protektor gemeinsam beschlossen wurden, ein Wunsch, der verständlich gewesen sei. Nach anfänglichen Schwierigkeiten pflege man jetzt eine freundliche Koexistenz, sagte Sterzel.

Er erinnerte auch auch an die "glücklichen Zeiten in der Stadthalle" mit acht Zunftabenden mit je 600 Besuchern und an die nicht so glücklich verlaufene Verlegung in den Burghof. "Es gab zwei Anlässe, wo ich dachte, das ist das Ende der Narrenzunft", sagte Sterzel. Doch nachdem man 2008 eine neue Mannschaft gefunden und die Zunftabende in die Alte Halle nach Haagen verlegt hat, ging es kräftig bergauf.

Auch Obergildenmeister Jörg Rosskopf betonte die gemeinsamen Wurzeln von Zunft und Gilde. "Zusammen kann man sich wunderbar ergänzen, die Narrenzunft macht eine exzellente Saalfasnacht, die Narrengilde eine exzellente Straßenfasnacht", sagte er. "Wir treffen uns nicht nur zu Sitzungen, sondern auch unterm Jahr und haben Spaß, wenn wir uns sehen. Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen", meinte er.

Fasnachts-Protektorin OB Gudrun Heute-Bluhm erinnerte sich, wie ihr in ihrer Anfangszeit nichts einen so guten Eindruck von der Stadt vermittelt habe wie die Zunftabende. Dass mit den Zunftabenden in der Alten Halle der Stadtteil Haagen ein Stück mehr nach Lörrach integriert werde, lobte sie ebenso wie den Austausch über die Grenzen hinweg, denn Vertreter der Basler Fasnacht waren bei der Ausstellungseröffnung dabei.

Autor: Thomas Loisl Mink