Sie füllen ihr Ehrenamt vorbildlich aus

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Mi, 10. Januar 2018

Lörrach

Stadt vergibt Lisa Rees-Medaille beim ersten Mal gleich an drei Preisträger für ihr ehrenamtliches Engagement.

LÖRRACH. Die Stadt hat die erste Lisa Rees-Medaille für herausragendes ehrenamtliches Engagement oder Beispiel gebende Projekte an drei Preisträger übergeben. Oberbürgermeister Jörg Lutz zeichnete beim Neujahrsempfang im Burghof, wie bereits berichtet, Robert Horvath vom Verein Kreuzweg, Günter Rosskopf und den Kontaktclub Zusammenhalt aus. Womit sie das verdient haben, beschrieben ihre Laudatoren Oliver Bohn, Monika Haller und Helmut Ressel.

Robert Horvath
Robert Horvath hat als Privatmann zwei Häuser gekauft, in denen 19 Bewohner zwischen 24 und 60 Jahren ein zu Hause haben. Er sagt: "Wer bei mir einziehen will, muss aus der Drogenszene, Obdachlosigkeit oder dem Strafvollzug kommen." Oliver Bohn fragte, da es selbst Akademiker-Ehepaaren schwerfalle, in Lörrach eine Wohnung zu finden: "Um wie viel schwieriger gestaltet sich die Suche nach einer Bleibe für Menschen, die oft auch durch das Schicksal an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt wurden?"

Horvath ist gelernter Typograph, arbeitete danach im Marketing und seit 13 Jahren als Streetworker in Basel, wo er die "Gassenarbeit" leitet – mit einer 60-Prozent-Stelle. "So bleibt mir genug Lohn, um den Kapitaldienst für die Häuser zu bedienen, und auch noch Zeit, um mich um die Bewohner zu kümmern", zitierte Bohn ihn. Horvath half einst der Familie Müller, die vor mehr als 30 Jahren ihr Haus trotz dreier kleiner Kinder für Drogenabhängige und Obdachlose öffnete. Seit 2009 reanimierte Horvath den Verein, der laut Bohn zwischenzeitlich in den Hintergrund geraten war. Der bekennende Christ Horvath will seinen Bewohnern, die in Resignation und Frustration leben, die Hoffnung und Akzeptanz geben, die sie brauchen.

Günter Rosskopf
Der aus dem "Kranz" stadtbekannte Koch Günter Rosskopf hätte sich 2001 "in den verdienten Ruhestand verabschieden können", stellte Monikas Haller fest. Von 1966 an hatte er mit seiner Frau Antoinette Rosskopf sein Restaurant zu einer Institution in der Stadt gemacht. Hobbys hat er genug, damit ihm nicht langweilig würde. Doch Rosskopf engagierte sich weiter ehrenamtlich bei Slow Food, Kiwanis, dem Kunst- und Förderverein und der Bürgerstiftung – und erweiterte seinen Einsatz fürs Gemeinwohl: mit der Suppenküche der Matthäuspfarrei an jedem zweiten Mittwoch eines Monats im Gemeindehaus in der Alten Feuerwache. 2016 kochten sie auch in der Gemeinschaftsunterkunft in Brombach.

Für Rosskopf stand bei der Gründung der Suppenküche im Mittelpunkt, einen Treffpunkt für Menschen zu schaffen, die nicht "auf der Sonnenseite des Lebens stehen", wie Monika Haller es ausdrückte: "Ich weiß, dass Du immer gerne im Hintergrund sein möchtest und die Ehrung lieber mit Deinen fleißigen Helfern teilen würdest. Aber ich freu’ mich, dass gerade Du diese Ehrung erhältst. Du bist für Viele Vorbild und vielleicht auch der Anlass, es Dir gleich zutun."

Kontaktclub Zusammenhalt
Vor mehr als 35 Jahren gründeten Ehrenamtliche den Kontaktclub Zusammenhalt. Rosemarie Schuller-Becker setzt sich darin seit 1983 ein, Wolfgang Seelig seit 1999, Josef Matalone seit 2000 und Brigitte Dittmar seit 2002. Sie bieten Menschen mit psychischer Erkrankung kostenlos einen wichtigen und verlässlichen Fixpunkt in ihrer Lebensgestaltung, lobte Helmut Ressel von der Lebenshilfe. Mit der Ehrung "wird ein besonderes Engagement für eine Personengruppe gewürdigt, die oftmals noch im Schatten unserer Gesellschaft steht." Der Aufbau sozialer Kontakte und eines stabilen Lebensumfelds seien wichtige Bausteine, um einen Weg aus dieser Krankheit zu finden, hob Ressel hervor.

Das Angebot steht allen offen und war bei seiner Gründung eines der wenigen dieser Art für psychisch behinderte Menschen. Die Teilnehmer machen beispielsweise Ausflüge, es gibt Gesprächs- und Kegelabende. Der Kontaktclub ist eng verbunden mit dem Diakonischen Werk an der Haagener Straße 27, das ihm den Raum und einen hauptamtlichen Begleiter zur Verfügung stellt. Michael Schmitt-Mittermeier begleitet den Kontaktclub kontinuierlich – und zwar "liebevoll", wie Rosemarie Schuller-Becker bei der Ehrung dankbar hervorhob.