Von Hebel, Sternen und Christi Geburt

Daniel Scholaster

Von Daniel Scholaster

Di, 18. Dezember 2018

Lörrach

Musikalischer Advent in der Kirchengemeinde Hauingen.

LÖRRACH-HAUINGEN. Musikalischer Advent: Unter diesem Motto lud die evangelische Kirchengemeinde Hauingen am Sonntagabend nach St. Nikolaus ein. Zwei Chöre, ein Solist sowie ein Flötenquartett intonierten eine ganze Reihe klassischer Advents- und Weihnachtslieder. In der Kirche, in der Johann Peter Hebels Eltern getraut worden sind, durfte auch an diesem Abend nicht der Bezug zum berühmtesten badischen Dichter fehlen.

Während der Veranstaltung wurden mehrmals Passagen aus Hebels "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" vorgelesen, die sich mit den Himmelskörpern beschäftigen. Der Dichter fragte sich zum Beispiel, ob es auch auf fernen Planeten intelligentes Leben gäbe und ob deren Bewohner wohl unsere Sonne sehen könnten. Doch selbst wenn das der Fall sei, so würden sie die Erde dennoch nicht wahrnehmen können, da sie nicht wie ein Stern leuchte. Deshalb würden sie auch nicht erfahren, dass Österreich gerade Krieg mit den Türken führe.

Hebel hatte festgestellt, dass es dem menschlichen Auge unmöglich sei, alle Sterne des Himmels gleichzeitig zu erblicken. Denn während die einen Sterne bereits wieder verschwänden, tauchten andere gerade erst auf. Derjenige, der die Nacht im Freien verbringen müsse, zum Beispiel ein Nachtwächter oder Fuhrmann, könne dies selbst beobachten.

Pfarrerin Martina Schüssler wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Hebel den Versuch unternommen habe, Wissenschaft und gläubiges Staunen über die Großartigkeit der Schöpfung zu verbinden. Dieses Ansinnen passe hervorragend zur Monatslosung im Dezember aus Matthäus 2, 10: "Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut." Schließlich könnten auch die drei Weisen aus dem Morgenland, von denen in dieser Bibelstelle die Rede sei, als Wissenschaftler betrachtet werden, die aber dennoch gläubig in das Heilige Land gereist seien, um den neugeborenen Jesus zu sehen. Außerdem könne die Betrachtung des Sternenhimmels vor Hochmut bewahren, weil jeder sehen könne, wie winzig er im Vergleich mit der unendlichen Weite des Universums sei.

Schüssler empfahl im Scherz, sich bei klarer Nacht in die Natur zu begeben, ins Weltall zu blicken und laut auszurufen: "Ich bin wirklich mächtig!" Wenn sich dann einer der Sterne schüttle, so sei dies Gott, der darüber herzhaft lache.

Unter der Leitung von Birte Niemann wurden zahlreiche bekannte Stücke aufgeführt. Dazu zählte auch "In Dulci Jubilo". Das Lied wurde im frühen Mittelalter geschrieben und von vielen berühmten Komponisten bearbeitet. Die in St. Nikolaus gesungene Kantate stammt von Dietrich Buxtehude, der zu den bedeutendsten Musikern des 17. Jahrhunderts zählte. Das Flötenquartett spielte unter anderem "Es ist ein Ros’ entsprungen" von Michael Praetorius und "Tochter Zion, freue dich" von Friedrich Heinrich Ranke. Der Männerchor sang mehrere Lieder in verschiedenen Sprachen, darunter "Ave Maria" und "Dona Nobis Pacem".

Schüssler entließ die Besucher mit dem Hinweis, dass für Christen das Ereignis, auf das sie sich an Weihnachten freuten – die Geburt Jesu Christi – bereits geschehen sei und sie das Weihnachtsfest deshalb mit Gelassenheit erwarten könnten.