Weg vom Wasserglas

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Do, 13. September 2018

Lörrach

Neue, von Claudia Gabler kuratierte Lyrikreihe "ars poetica" der Volkshochschule Lörrach.

LÖRRACH. Ehrfurcht und Distanz, die im Schulunterricht gelehrt werden, abzubauen – das ist eines der Anliegen hinter der neuen Lyrikreihe "ars poetica – Lyrik in Lörrach". Veranstalterin ist die Volkshochschule, kuratiert wird sie von Claudia Gabler.

Die beiden sprechen der Lyrik nicht ab, die Urform der Literatur zu sein, und ihre Königsklasse behält sie auch. Aber behandelt werden soll sie nicht so. Man will wegkommen von der Wasserglaslesung, bei der die Zuhörerschaft nickend auf ihren Stühlen sitzt. Loriot hat diese Situation einmal schön auf die Schippe genommen. Claudia Gabler und VHS-Leiter Axel Rulf ist diese Form viel zu steif. Deshalb suchten sie für die Literatur, die zum Bildungskanon der Volkshochschulen gehört, ein modernes Format. Dabei mussten sie gar nicht weit suchen, schließlich arbeiten sie seit neun Jahren sehr erfolgreich bei der Hörspielreihe "Mit den Ohren sieht man besser" zusammen.

Im schönen Ambiente – der Bar Dreikönig – schwindet sonntagvormittags regelmäßig die Distanz zwischen Künstlern und Publikum. Außerdem kann man beim Lauschen genüsslich am Cappuccino nippen. Deshalb haben Gabler und Rulf den äußeren Rahmen für die neue Reihe eins zu eins übernommen. Keine Anmeldung, kein Eintritt – Barrieren sollen nicht aufgebaut werden. Nur dass nicht drei, sondern zwei Veranstaltungen pro Semester angedacht sind. Genannt wurde "ars poetica" übrigens nach dem Spätwerk des römischen Dichters Horaz, der als innovativ gilt. Das passe gut und weise zudem auf eine Traditionslinie hin, wie Axel Rulf findet.

Claudia Gabler ließ sich von der Idee des VHS-Leiters sofort begeistern. "Ich bin immer interessiert an Gelegenheiten, das Genre zu fördern", erklärt die Autorin, die selbst auch Lyrik schreibt. Sie sei überzeugt davon, dass Lyrik wesentlich mehr zu bieten habe als das, was im Deutschunterricht gelehrt werde. Sie schwärmt von der jungen Szene und meint jung auch im Sinne von modern. Manches Mal verschwimme die Grenze zum spoken word. "Es gibt so viel, das Spaß macht", weiß sie. "Das ist etwas anderes als das große Gedicht, das man zeitgeschichtlich analysieren muss."

Bei "ars poetica" soll das Publikum ruhig auch fragen dürfen: "Was bedeutet das?" Das Gespräch zwischen Autoren und mit der Moderatorin wird auch für das Publikum geöffnet. Die Reihe will im Querschnitt aufzeigen, was in der Szene passiert – angefangen am Sonntag, 11. November, 11 Uhr, mit Markus Manfred Jung und seinem schwäbischen Pendant Walle Sayer. Aus derselben Generation stammend, arbeiten beide Autoren mit dialektalen Bezügen, schreiben sehr still und ins Detail gehend. Sie haben gemeinsam über Briefkontakt bereits ein Programm für diesen Vormittag entwickelt.