Völkerverständigung

Freiburger Pilotprojekt "Zusammen Kaffee" lädt zum internationalen Mittagstisch

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

Mo, 05. März 2018 um 07:56 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Türkisch, karibisch, afrikanisch: Im Strandcafé auf dem Freiburger Grethergelände gibt es einen internationalen Mittagstisch – weil essen über Grenzen hinweg verbindet.

Wie grüne Zigarren liegen sie in einem großen Topf unter einer Schicht pikant gefüllter Auberginen: "Ich hole die Weinblätter für meine Dolmas im Juli vom kleinen Weinberg meines Nachbarn", erzählt Zeynep Demir. Gleich nach der Ernte werden sie gesalzen, in Gläser geschichtet und mit Wasser aufgegossen. Mindestens ein Jahr haltbar seien sie und wertvoller Bestandteil ihrer Speisekammer, sagt die Freiburgerin mit türkischen Wurzeln.

Verein wurde 2017 mit dem Freiburger Integrationspreis ausgezeichnet

60 Mahlzeiten zu kochen, ist ein spannendes Experiment für sie: "Bis Mitternacht habe ich gestern mit einer Freundin Dolmas gedreht. So große Mengen bereite ich sonst nie zu", sagt Zeynep Demir, stolz auf das Ergebnis. Reis, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Tomatenmark kommen in die Füllung – wie es in ihrem Geburtsort nahe der Stadt Adana verbreitet ist.

Dolmas, Couscous, Mercimek (Linsensuppe) und Salat gibt es heute im Strandcafé, wo an drei Tagen in der Woche ein internationaler Mittagstisch angeboten wird. Zeynep Demir ist eine von mehr als fünf Gast-Köchinnen und -Köchen des seit November 2017 laufenden Pilotprojekts mit den Namen "Zusammen Kaffee".

Mitinitiatorin Leonora Lorena ist für Planung und Einkauf zuständig und unterstützt die jeweiligen Köche bei der Essensausgabe. Die junge Frau mit portugiesischen Wurzeln hat Umweltpolitik studiert und bis 2014 in Umweltprojekten in Italien für die UNO gearbeitet. Wieder zurück in Freiburg gründete sie mit einer kleinen Gruppe den gemeinnützigen Verein "Zusammen leben". Menschen mit Fluchterfahrung, Migranten und Freiburger unkompliziert miteinander in Kontakt zu bringen, ist das Ziel des Vereins, der 2017 mit dem Freiburger Integrationspreis ausgezeichnet wurde.

Regional, biologische, fair gehandelt

Was kann Menschen schneller ins Gespräch bringen als eine gemeinsame Mahlzeit? 27 Ehrenamtliche zwischen 25 und 70 Jahren beteiligen sich mit Begeisterung am internationalen Mittagstisch. Manche sind für einen Nachmittag dabei, andere stundenweise. "Es kommen täglich Anfragen von Leuten, die gern mitmachen möchten, und manchmal kommen Mittagsgäste schon um 11 Uhr, obwohl sie erst eine Stunde später essen können", berichtet Josh Thomas. Studenten sind unter den Mittagessern, Berufstätige und auch Menschen mit knapper Kasse.

Man mache zwar Umsatz, aber keinen Gewinn, Fixpreise gebe es nicht, erklärt Thomas. "Wir kochen mit regionalen und biologischen, fair gehandelten Zutaten. Mit 6,50 Euro sind unsere Unkosten gedeckt. Wer aber nicht so viel geben kann, zahlt einfach das, was möglich ist", sagt er. Außerdem gilt das Prinzip des "Caffè sospeso": "Wenn jemand mehr geben möchte und einem anderen Gast ein Essen bezahlen mag, ist das sehr willkommen." Gäste, die sich kein Essen leisten können, gibt es fast jeden Mittag. Ihnen eine Freude zu machen, sei eine große Motivation, sagt Leonora Lorena.

Es gibt noch einige Pläne

Am nächsten Tag soll es ein Curry aus Kichererbsen, Aubergine, Kartoffeln und Kokosnuss mit Reis und Salat geben. Koch ist dann Don Klos, der aus der Karibik stammt. "Wenn unser Projekt gut ankommt, würden wir gern Kochkurse anbieten, noch mehr mit Migrantenvereinen kooperieren und unser kulturelles Angebot erweitern", sagt Lorena. Im April soll eine erste Bilanz bezogen werden.
Info

Internationaler Mittagstisch im Strandcafé auf dem Grethergelände, Adlerstraße 12, Freiburg, derzeit jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 14 Uhr. Info unter dem Kurzlink: mehr.bz/rii Tipp: "Wilde Gedichte" am Donnerstag, 8. März, 19 bis 21 Uhr: Die Übersetzerin Héba Lotfi-Moehr stellt Gedichte des syrischen Dichters Nazar Quabbani vor, dazu gibt es musikalische Begleitung von Amjed Saeed mit der Oud und köstliches Gebäck des Zuckerbäckers Yousef Daboul. Der Eintritt ist frei.