Exoten und Heimisches

Gärtnerei Friderich in Sasbach baut mehr als 500 Kräutersorten an

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mo, 30. April 2018 um 10:09 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Die Gärtnerei Friderich in Sasbach am Kaiserstuhl bietet Kräuter in Fülle. Dabei finden sich heimische Kräuter und wahre Exoten. Ganz neu im Angebot: das australische Zitronenblatt "Green Velvet".

Wie das duftet: 549 Sorten umfasst das Kräuter-Sortiment der Gärtnerei Friderich in Sasbach am Kaiserstuhl. Darunter sind 18 Sorten Basilikum, von African Blue bis Zypern-Basilikum, 33 Sorten Minze, und eine Fülle an Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanzen. Viele davon züchtet Gärtner Klaus Friderich (57) selbst.

Von Gummibärchenblumen und Teufelszeug

"Ich habe eine Sammelleidenschaft entwickelt", bekennt er: "Wenn jemand nach einer Art fragt, die ich nicht kenne, recherchiere ich im Internet, versuche Saatgut zu kaufen oder Stecklinge für die Vermehrung." Neu im Sortiment sind der Andorn, die Heilpflanze des Jahres 2018, die rote Rauke "Teufelszunge", der tropische Meerrettich-Baum und einige mehr. Das Spektrum der Duftpflanzen reicht von der Gummibärchen-Blume bis zum Veilchen "Königin Charlotte". Die Sammelleidenschaft hat der Gärtner von seiner heute 94-jährigen Mutter Adele Friderich übernommen, die vor gut 25 Jahren damit anfing, seltene Kräuter zu kultivieren. Bis dahin war die Gärtnerei Friderich eine typische Dorfgärtnerei, die Gemüsebau und Zierpflanzenbau betrieb und täglich ihre Produkte auf dem Freiburger Münstermarkt verkaufte.

Fünf oder sechs Züchter beherrschen weltweit den Markt

Die ersten Raritäten, die Adele Friderich anbaute, waren der französische Estragon, die marokkanische Minze und Koriander. "Der Freiburger Markt mit seinen Akademikern und Grünen, die offen für Neues sind, war ideal. Die meisten kannten bis dahin nur Rosmarin und Salbei, Petersilie und Schnittlauch", erinnert sich der Gärtner. Schnell entwickelte sich eine Nachfrage nach Friderichs Kräuterspezialitäten. Der erste Katalog für Wiederverkäufer umfasste 60 Sorten. Eigentlich sollte bei 500 Sorten Schluss sein, doch die Leidenschaft für Exoten ließ sich nicht so leicht bremsen. "Wir als Gärtner haben das Privileg, aus den vielen Millionen Pflanzen auf der Welt die passende rauszusuchen und daraus ein Produkt zu machen, für das die Menschen gerne Geld ausgeben", beschreibt er seine Mission. Die Realität im Gartenbau sei leider oft eine andere, sagt Friderich. Auf Züchterseite werde die Konzentration immer größer, fünf bis sechs weltweit tätige Züchter beherrschten den Markt. Interessanterweise hätten die Konzerne meist deutsche Wurzeln.

Tropische Pflanzen unter heimischen Bedingungen

Beim Gang durch die Sasbacher Gärtnerei mit dem großen Warmhaus, in dem noch in Saatkisten ausgesät und pikiert wird, zeigt Klaus Friderich stolz seine Raritäten. Ein besonderes Faible hat er für Tropenpflanzen. Hier wachsen Ingwergewächse wie Kurkuma, Gewürzlilie, Kardamom und Galgant, Zitronengras, Hibiskus, Schwarzer Pfeffer und die Vanille-Orchidee.

Trotz Warmhaus und Zusatzlicht gelingt es nicht immer, die tropischen Pflanzen unter mitteleuropäischen Bedingungen zu kultivieren, erstaunlich oft aber ist Friderich erfolgreich. Sein jüngster Coup: Das australische Zitronenblatt mit den auffallenden samtigen Blättern und dem intensiven Zitronenduft. Es stammt aus dem tropischen Teil von Queensland in Australien und ist sehr robust und pflegeleicht. Klaus Friderich sieht so viel Potenzial in der mehrjährigen Pflanze, die in der vollen Sonne genauso gut wie im Schatten gedeiht, dass er sie als Marke "Green Velvet" schützen ließ.

Die "Green Velvet" lässt sich vielseitig einsetzen

Sternekoch Thomas Merkle aus dem benachbarten Endingen hat eigens für Green Velvet ein Limonadenrezept entwickelt. "Ich habe die Pflanze und die Limonade bereits auf einer Fachmesse vorgestellt und die Resonanz war sehr gut", berichtet Kräuterfan Merkle. Demnächst werde er mit ihr in Produktion gehen. Green Velvet mag es zwischen 15 und 35 Grad warm. Die Pflanze braucht viel Licht und kann von Mai bis September gut im Freien stehen, zwei bis drei Tage Trockenheit schaden ihr nicht. "Am besten kräftig gießen und dann wieder die Erde austrocknen lassen. Einmal wöchentlich düngen, Blätter ernten und einfach ausprobieren, wozu sie passen könnte", empfiehlt Klaus Friderich. Er selbst mag Green Velvet im Smoothie, ausgebacken oder in einer Dessertcreme.