Shelter Winery (Kenzingen)

Hans-Bert Espe: "Ein großer Wein ist immer gut, bis ins hohe Alter"

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Di, 24. April 2018 um 16:57 Uhr

Kenzingen

BZ-Serie "Weinkult Breisgau" (9): Hans-Bert Espe und Silke Wolf von der Shelter Winery in Kenzingen trinken zur Not auch mal Bure-Korn

BZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Bundespräsidenten zum Essen eingeladen. Welche Flasche Wein aus Ihrem Keller bringen Sie ihm mit und warum gerade diesen?
Hans-Bert Espe: Für Frank Walter Steinmeier würden wir natürlich unseren 2015 Pinot Noir mitnehmen. Dieser Wein wurde jüngst von Stuart Pigott zum "Rotwein des Jahres" in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gekürt und für unseren Bundespräsidenten gibt es nur das Beste.

BZ: Die Breisgauer haben sich viele Jahre hinter Kaiserstuhl, Markgräflerland oder Ortenau versteckt. Was muss sich ändern, damit das Anbaugebiet bekannter wird?
Espe: Als zugezogene Nicht-Breisgauer war uns dieses Problem gar nicht bewusst. Die Breisgauer sollten mit mehr Selbstbewusstsein für ihre köstlichen Weine einstehen.

BZ: Was gefällt Ihnen am Beruf des Winzers?
Silke Wolf: Alles, wir haben uns diesen Beruf selbst ausgesucht. Ohne familiäre Vorbelastung haben wir alle Freiheiten unsere Ideen umzusetzen und unserer Liebe zum Wein zu frönen.

BZ: Was schätzen Sie persönlich am Breisgau?
Espe: Die Landschaft.

BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Breisgau profilieren?
Espe: Mit großen Weinen.

BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?
Espe: Ein großer Wein ist etwas Harmonisches, Ausgewogenes und jederzeit Schönes. Wenn jemand sagt, dass ein Wein morgen gut sein wird, muss man vorsichtig sein. Ein großer Wein ist immer gut, von seiner Jugend bis ins hohe Alter.

BZ: Was trinken Sie, wenn kein Breisgauer mehr im Keller liegt?
Espe: Da greifen wir gerne zu einem Einbecker Brauherren Pils und einem ostwestfälischen Bure-Korn.

BZ: Beschreiben Sie in drei Schlagworten Ihre Betriebsphilosophie.
Espe: Freiheit, Abenteuer und Gelassenheit.

BZ: Die Beschaffenheit der Böden wird immer wichtiger für die Weinproduktion. Was kennzeichnet Ihre Rebhänge?
Espe: Der Boden war schon immer wichtig, ist nur etwas in Vergessenheit geraten. Wir setzen auf alte Reben und einheimische Spätburgunder-Klone.

BZ: Der Klimawandel schreitet rasant voran. Muss der Breisgau Alternativen zu den Burgundersorten finden?
Wolf: Das, glauben wir, ist nicht nötig, aber das muss jeder für sich entscheiden.

BZ: Wo steht der Breisgau in 20 Jahren?
Espe: Das können wir auch nicht vorhersehen. Das hängt von unseren Kollegen ab. Wir als Kleinstbetrieb haben da wenig Einfluss.

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Espe: Wir würden es natürlich in die Shelter Winery investieren, da dies unser Projekt ist, das wir vor 15 Jahren gestartet haben und noch nicht vollendet ist.
Hans-Bert Espe (45) und Silke Wolf (46)

sind Diplom-Ingenieure für Weinbau und Önologie. Sie sind Eigentümer, Winzer und Kellermeister der Shelter Winery in Kenzingen. Das Paar bewirtschaftet eine Rebfläche von 5 Hektar, mit 95 Prozent Spätburgunder und 5 Prozent Chardonnay. Abgefüllt werden maximal 25.000 Flaschen pro Jahr.

Weinkult Breisgau

Weinverkostung und Wein-Party "Weinkult Breisgau", Freitag, 18. Mai, 18 bis 2 Uhr, Weingut Weber in Ettenheim, Vorverkauf 30 Euro, Abendkasse 35 Euro (inklusive Weine, Sekt und Wasser), BZ-Card-Inhaber erhalten 2 Euro Ermäßigung; Karten beim BZ-Karten-Service (bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/4968888) sowie bei allen BZ-Geschäftsstellen.

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