Künstler-Kneipe

In Neuenburg eröffnet die Event-Kneipe "Brutalgut!"

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Do, 31. Mai 2018 um 11:54 Uhr

Gastronomie

Am 1. Juni eröffnet in Neuenburg-Zienken das "Brutalgut!" – die Kneipe soll Künstlern die Möglichkeit bieten, sich vor Publikum zu präsentieren.

Der Name ist durchaus ungewöhnlich. Und bringt viele zum Schmunzeln. "Brutalgut!" heißt die neue Kneipe, die am 1. Juni im Neuenburger Ortsteil Zienken eröffnet wird. "Eventkneipe" nennen Inhaber Josef "Joe" Steiner und die künftige Betreiberin Carmen Litterst sie. Denn dort möchten sie Musikern, Kabarettisten oder Malern die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren – und allen anderen, eine gute Zeit zu haben.

Eigentlich ist der Hund an allem Schuld

Lucky kommt aus dem Tierheim. Und vermutlich hat der kleine Papillon-Jack-Russel-Mischling mit den großen Ohren bei seinen Vorbesitzern Schlimmes erlebt, denn er zwickt ab und zu, und er bellt. Dass er laut Carmen Litterst taub ist, kommt erschwerend hinzu. Aber trotz allem: Lucky, Joe Steiner und dessen Lebensgefährtin Carmen Litterst sind ein Herz und eine Seele. Und als in dem großen Gebäude, das ganz früher mal der Brunnerhof war, eine Straußi, wie Carmen Litterst erzählt, noch das Bistro "Kiwi" drin war, war Joe Steiner dort Stammgast. Liegt ja auch genau gegenüber seines Wohnhauses. Noch dazu gehört ihm das Gebäude seit acht Jahren, seit er nach Zienken gezogen ist.

Jedenfalls: Hund Lucky war immer mit im Kiwi. Allerdings, wie eingangs erwähnt, er zwickt. Und obwohl seine Besitzer andere immer davor warnten, kam es doch irgendwann zum Eklat – Lucky bekam Hausverbot. Für sie und Joe war sofort klar, so die 38-Jährige heute, "dass wir dann auch Hausverbot haben." Denn wo Lucky nicht hin darf, gehen sie auch nicht hin. Das war im September. Drei Tage später kündigte das Wirteehepaar, das bis dahin das Kiwi betrieben hatte.

Steiner versuchte, das Gebäude neu zu verpachten, doch das gestaltete sich schwierig, die meisten wollten eher kaufen. Irgendwann sagte sich der 56-Jährige: Warum nicht selbst dort eine Kneipe führen? Er fragte seine Lebensgefährtin – doch ihr, damals noch stellvertretende Filialleiterin in einem Bekleidungsgeschäft in Müllheim, war die Sache anfangs nicht geheuer.

Sie hat Erfahrung in der Gastronomie, sagt sie, wusste daher um die große Verantwortung. Irgendwann aber gab sie nach, kündigte ihren Job und konzentriert sich seither voller Elan auf das Brutalgut!, das sie künftig mit Joe Steiner, dem Inhaber, betreiben wird. Sie hauptberuflich, er nebenberuflich, er ist Bauleiter bei einer Firma in der Region.

Eine Kneipe für Künstler

Das Konzept, eine Plattform zu bieten, für Musiker, Schauspieler, Comedians, einen Ort für Musikabende, größere Gesellschaften oder einfach nur ein Feierabendbier, stammt von Joe Steiner. "Die Idee hat er schon seit 30 Jahren im Kopf. Er ist ein Gutmensch", sagt Carmen Litterst schmunzelnd. Einig waren sich die beiden aber ohnehin darin, dass sie "etwas Außergewöhnliches machen" wollten. Auch den Namen hatte Steiner schon lange vor der Eventkneipe für Projekte verwendet, er organisierte früher schon Events. Im April begannen die beiden, zu renovieren. Am Ende werden sie etwa 100 000 Euro investiert haben. Denn die Kneipe ist groß, mehr als Hundert Menschen finden darin Platz.

Es gibt einen Nebenraum, in dem ein großer Tisch für Gesellschaften stehen wird, außerdem zwei Turnier-Darts und ein großer Fernseher. Wenn Liveacts im Hauptraum auftreten, sollen sie auf diesen Fernseher übertragen werden. Übertragen werden dort außerdem die Spiele der deutschen Mannschaft bei der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft. Die Einrichtung des großen Hauptraums ist eine Mischung aus alt und neu, ihn dominiert eine Bühne, die eigens eingebaut wurde, es gibt einen Tresenbereich, eine lange Theke, an der man an beiden Seiten sitzen kann, und natürlich Tische und Stühle. Die Lichter an der Kneipen-Decke erstrahlen mal in Gelb, mal in Blau.

Viel Farbe und Flammkuchen

Generell haben sie bei ihrer Kneipe viel mit Farbe gespielt, sagt Carmen Litterst, die Farbe Orange etwa ist sowohl außen als auch innen mehrfach anzutreffen. Bewirtet wird drinnen und draußen in der Gartenwirtschaft. Zu essen gibt es anfangs selbstgemachte Flammenkuchen in verschiedenen Variationen, bis das Ganze mal angelaufen ist. Außerdem Kaffee und selbstgebackene Kuchen. Auch das weitere Programm steht hinten an, erst mal soll die Kneipe gut angenommen werden. Die Rückmeldungen seien bisher extrem positiv, sagt Carmen Litterst. Auch alle Nachbarn seien begeistert.

Am 1. Juni um 18 Uhr wird eröffnet, dann wird ein Flammenkuchen-Meister aus dem Elsass für Verpflegung sorgen, am 2. Juni ist ab 20 Uhr die erste Liveband Hartholz zu Gast. Der Eintritt ist frei, der Hut geht rum. Geöffnet ist ansonsten mittwochs und donnerstags, 16 bis 24 Uhr, freitags und samstags 16 bis 3 Uhr, sonntags 14 bis 22 Uhr. Montags und dienstags sind Ruhetage. An Tagen, an denen die deutsche Fußballnationalmannschaft während der WM spielt, ist aber generell geöffnet.

Weitere Infos gibt’s im Internet unter http://www.brutalgut.de