Crowdfunding

Projekt "Zusammen Café" sammelt Geld für eine mobile Küche

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 24. April 2018 um 09:31 Uhr

Gastronomie

Die bisher 20 Köchinnen und Köche des Projekts "Zusammen Café" vom Verein "Zusammen leben" brauchen eine mobile Multifunktionsküche. Bis Ende April läuft ein Crowdfunding.

Mittags um kurz vor zwölf kommt das Essen angefahren: Ahmad Khatta und Nada Tebeky steigen mit Riesenbehältern vor dem Strandcafé am Grethergelände aus einem Car-Sharing-Auto. Einen Abend und einen Vormittag hat Nada Tebeky gekocht – daheim. Die bisher 20 Köchinnen und Köche des Projekts "Zusammen Café" vom Verein "Zusammen leben" brauchen eine mobile Multifunktionsküche. Bis Ende April läuft ein Wettbewerb der Hertie-Stiftung bei der Crowdfundingplattform "Startnext".

Die Tische und Stühle draußen sind schnell belegt: Überwiegend jüngere Menschen lassen sich ihre Teller von Nada Tebeky und einigen Helferinnen an der Theke im Strandcafé füllen. Viele sind Studierende, manche Geflüchtete, etliche auch älter. Es gibt Zucchiniauflauf mit Reis, wahlweise mit oder ohne Fleisch, grünen Salat und Tabouleh – arabischen Salat aus Petersilie und Bulgur.

Das gesamte Rezept ist arabisch, die Köchin Nada Tebeky, 48 Jahre alt, ist Palästinenserin. Früher hat sie in Libyen gelebt und 25 Jahre in Restaurants gearbeitet, seit drei Jahren ist sie in Freiburg und arbeitet auch hier wieder in einem Restaurant. Im April kocht sie für den internationalen Mittagstisch "Zusammen Café" – immer einmal in der Woche. Dienstags, mittwochs und donnerstags gibt’s hier internationale Gerichte, jeden Monat ist eine Köchin oder ein Koch für einen Wochentag verantwortlich, danach wird gewechselt. Seit dem Start im November gab’s unter anderem syrische, vietnamesische, gambische, thailändische, türkische, italienische, amerikanische, venezuelanische und deutsche Gerichte, listet die Organisatorin Leonora Lorena auf – besonders beliebt seien arabische Falafel und asiatische Spezialitäten. Die Köche bereiten 50 bis 60 Portionen vor, es komme vor, dass nach einer Stunde alles ausverkauft ist.

Für die mobile Küche muss der Wettbewerb gewonnen werden

Nichts kann nachgekocht oder improvisiert werden, weil das Strandcafé keine Küche hat. Doch nicht nur deshalb ist das Projekt auf eine transportable Multifunktionsküche angewiesen. Denn bisher sei alles ungeheuer kompliziert, erläutert Sabine Evers, die mit Ahmad Khatta, der aus Syrien stammt, bald die Nachfolge für die schwangere Leonora Lorena antritt: Jedes Mal müssen die Töpfe und Lebensmittel zu den Köchen nach Hause gebracht werden, wenn alles fertig ist, werden die Gerichte und Köche zum Strandcafé gefahren. Die Kosten für die Lebensmittel trägt der Verein, künftig soll verstärkt Gemüse aus dessen kürzlich als "Garten der Integration" ausgezeichnetem Gemeinschaftsprojekt im Stadtteil Vauban genutzt werden.

Auch dort soll die mobile Küche eingesetzt werden können. Bleibt das Finanzierungsproblem. Schon jetzt läuft es nur mit viel Idealismus: Von den Köchen erhalten manche eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro, andere arbeiten kostenlos, für die Organisation gibt’s eine 450-Euro-Stelle und eine Mini-Honorarstelle – für drei ganze Tage in der Woche, an denen der Verein das Strandcafé zwischen 11 und 21 Uhr betreibt.

Der Essensverkauf decke die Kosten nicht, sagt Leonora Lorena, das meiste stamme aus Bio-Anbau, dafür seien die Essenspreise zwischen 4,50 und 9,50 Euro (nach Selbsteinschätzung) zu niedrig. Wegen des sozialen Anspruchs des Strandcafés können auch Menschen ohne Geld mitessen, andere übernehmen die Kosten, manches wird von den Resten eines kleinen Crowdfundingprojekts vom Start getragen.

Für die mobile Multifunktionsküche (abgekürzt Mufukü) hoffen alle auf den Wettbewerb : Von 34 Projekten bundesweit erhalten die 25 mit den meisten Unterstützern Ende April zusätzlich Geld von der Hertie-Stiftung. Derzeit liegt das Mufukü-Projekt auf den ersten Plätzen, das kann sich aber ändern. Ausgezahlt wird erst, wenn das jeweilige Crowdfundingsziel erreicht ist – das "Zusammen-Café"-Team braucht 10 000 Euro.

Weitere Informationen: http://www.startnext.com/mufukue