Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. März 2017 11:23 Uhr

Ernährung

Regionales Superfood: Diese Lebensmittel machen fit

Ständig erobern neue Powerkörner und Wunderbeeren den Markt. Doch für viele der weit gereisten Superfoods gibt es heimische Alternativen, die genauso gesund und günstiger sind.

  1. Auch herkömmliche heimische Tellerlinsen können mit weit gereisten Superfood mithalten. Foto: Printemps (Fotolia)

"Der Boom der Superfoods hält schon ganz schön lange an", sagt Ann-Kristin Baumann. Die Ernährungswissenschaftlerin und -therapeutin betreibt seit 2013 am Marktplatz in Kirchzarten eine Beratungspraxis mit Lehrküche. Fragen nach Sinn und Wirkung von Superfoods wie Chia und Goji, Matcha und Moringa begegnen ihr immer wieder.

Food-Blogger lieben die weit gereisten Beeren, Körner und Blätter

Food-Blogger lieben das Thema und auch so gut wie jeder Kochbuchverlag hat längst ein Super-Food-Buch herausgebracht. Vorreiter sind dabei Vegetarier und Veganer, die die einschlägigen Beeren, Körner und Blätter auf der Suche nach pflanzlichem Eiweiß, Eisen, Zink und Calcium für sich entdeckt haben.

Was Superfoods sind

Als Superfoods bezeichnet werden Lebensmittel, die mehr gesundheitsfördernde Nährstoffe enthalten als andere. Wie viel mehr – dafür gibt es allerdings keine Standards. "Eine wissenschaftliche Definition für Superfoods fehlt nach wie vor", sagt Baumann. Auch Studien, die ihre Wirkung belegen, seien rar. Hinzu kommt: Superfoods sind oft teuer und müssen weite Wege zurücklegen. Auch gibt es immer wieder Berichte über Belastungen mit Blei, Pestiziden oder Mineralöl. Ann-Kristin Baumann empfiehlt, auf ökologischen Anbau und fairen Handel zu achten – und sich nach heimischen Alternativen umsehen.

Werbung


So könnten etwa mitteleuropäische Leinsamen durchaus mit den derzeit besonders angesagten Chiasamen aus Mittelamerika mithalten. Beide Körnchen punkten mit vielen wertvollen Omega-3-Fettsäuren, viel gesundem Eiweiß, Calcium, Kalium und Magnesium und können dank ihrer Quellfähigkeit auch für Puddings und Marmeladen verwendet werden.

Vitaminreiche Beeren

Erst waren es Cranberry und Aronia, dann Schisandra, Goji, Açai: Ständig kommen neue, vitaminreiche Beeren von weit her. Dabei stehen ihnen Heidelbeeren und Sanddorn, Hagebutten, Schlehen und Schwarze Johannisbeeren in nichts nach. "Diese Beeren sind reich an Eisen, was sie gerade für Vegetarier und Veganer so wertvoll macht", sagt Ann-Kristin Baumann. Hinzu kommen viele sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem stärken und Entzündungen hemmen können. "In Schwarzen Johannisbeeren sind viele Antioxidantien enthalten, die die Zellen vor freien Radikalen schützen", sagt die Ernährungstherapeutin.

Unbedingt die Bezeichnung Superfood verdient hätten längst Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen, meint Baumann: "Sie alle haben einen hohen Ballaststoffanteil, der gut sättigt und den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe schnellen lässt." Hochwertiges Eiweiß und viel Zink machen sie zu wertvollen Energielieferanten gerade für Menschen, die kein Fleisch essen. Gewürze wie Kreuzkümmel und Anis beugen möglichen Flatulenzen vor.

Nur ein Gemüse gilt als Superfood

Als einziges hiesiges Gemüse in den Rang eines international anerkannten Superfoods geschafft hat es – auf dem Umweg über die USA – bislang der Grünkohl. Lange Zeit vor allem im Norddeutschland als Beilage zu Pinkel verbreitet, findet man inzwischen auch in südbadischen Gemüseabteilungen den Grünkohl und viele anderen Kohlsorten, zu denen auch Brokkoli gehört. Sie liefern reichlich Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen, hinzu kommen viel Vitamin K, Vitamin C und Folsäure. "Die im Kohl enthaltenen Senföle haben antibakterielle Wirkung", erklärt Baumann.

Zum Renner unter den Superfoods entwickelt hat sich Quinoa. Das wegen seines Eiweißgehalts und der hohen Qualität seiner Aminosäuren geschätzte glutenfreie Pseudogetreide war lange Hauptnahrungsmittel in Bolivien, heute wird ein großer Teil des dortigen Anbaus exportiert. "Solange man keine Zöliakie hat, gibt es keinen Grund, das ständig zu essen", sagt Baumann.

Als Alternativen nennt sie Hirse, sowie die Urgetreide Emmer und Einkorn, an denen derzeit viel geforscht wird. Diese Körner waren hierzulande weit verbreitet, ehe sie vom Weizen verdrängt wurden; jetzt kehren sie langsam zurück. Baumann: "Hirse ist so reich an Eiweiß, Zink und Silizium, dass man es durchaus als Superfood bezeichnen kann."

Walnüsse sind reich an Omega-3-Fettsäuren

Und was kommt gegen Moringa an, die "tropische Wunderpflanze", die vor allem wegen ihres Mangan-Gehalts gefeiert wird? Ann-Kristin Baumann setzt auf heimische Walüsse, die zudem reich an Omega-3-Fettsäuren sind und zu recht als Nervennahrung gelten. Sie enthielten zwar weniger Mangan als Moringa, doch: "Mangan ist kein typisches Mangel-Spurengelement, man braucht nicht mehr als 1 bis 3 Milligramm am Tag."

.

Mehr zum Thema: Quelle: Dieser Beitrag ist zuerst am 12. März 2017 in unserer Wochenzeitung "Der Sonntag" erschienen

Autor: Sigrun Rehm (Der Sonntag)