Freiamt

Reinhard Reinbold züchtet Truthähne und andere Geflügel

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mo, 27. November 2017 um 18:44 Uhr

Freiamt

Der Sonntag Zwischen Martini und Weihnachten ist viel los auf dem Truthahnhof Reinbold in Freiamt. Unter den Kunden, die das Geflügel aus regionaler Produktion zu schätzen wissen, sind auch viele Amerikaner.

Wer Geflügel aus der Region essen möchte, das nicht aus Massentierhaltung stammt, kann nicht auf viele Produzenten zurückgreifen. Reinhard Reinbold und sein Vater entschieden sich schon 1990 dafür, in Freiamt Geflügel zu züchten. "Mageres Geflügelfleisch lag im Trend, einen Futtermittelhandel hatten wir schon, der Schritt war nicht mehr besonders groß", erinnert sich der heute 54-Jährige. Schon damals gaben immer mehr Landwirte ihre Höfe auf, Kuhställe standen leer und boten sich als Zuhause für andere tierische Bewohner an.

Die Reinbolds begannen mit 80 Truthähnen, in Norddeutschland Puten genannt. Heute gibt es auf dem Geflügelhof Reinbold neben Truthähnen auch Hähnchen, Suppenhühner, Enten und Gänse, die in Freiamt und Umgebung aufwachsen und verarbeitet werden. Ursprünglich wollten die Reinbolds das Geflügel produzieren und schlachten und an Metzgereien verkaufen, doch das funktionierte nicht: "Die Metzgereien wollten nur die Truthahnbrust, der Rest war nicht verkäuflich. Also mussten wir selbst in die Vermarktung einsteigen", berichtet Reinhard Reinbold. Etwa 100 reine Truthahnprodukte stehen heute auf Reinbolds Verkaufsliste, vom Knusperschnitzel über Sauerbraten, Medaillons und geräucherte Keule bis zu verschiedensten Wurstprodukten sowie Schinken und Salami.

Etwa 1 000 Puten wachsen das Jahr über in drei Gruppen nacheinander in Freiamt auf. Dazu kommen 2 000 Hähnchen, 350 Legehennen und etwa 300 Gänse. Nur die Gänse dürfen raus auf die Wiese, alle anderen Vögel verbringen ihr Leben in Ställen, die Reinbold angemietet hat. Es sind ehemalige Kuhställe auf Bauernhöfen in der Umgebung, die nicht mehr gebraucht werden. Morgens und abends werden die Tiere gefüttert. "Freilandhaltung wäre zwar schöner, aber das ließe sich arbeitstechnisch und wirtschaftlich gar nicht machen. Fürs Raus- und Reintreiben ginge viel zu viel Zeit drauf, der Aufwand würde die Tiere zu teuer machen", erklärt Reinhard Reinbold. Zudem müsste er Flächen um die Ställe herum pachten und pflegen.

Worin liegt also dann der Vorteil seines Geflügels gegenüber denen aus Massenproduktion? Zum einen bekämen die Tiere selbst hergestelltes Futter, das zum Großteil aus der Region stammt und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist, verspricht der Geflügelproduzent. Großbetriebe verwendeten hingegen auch Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie. "So etwas kommt bei mir nicht ins Futter", sagt er und erzählt: "Einmal bekam ich Reste aus der Schokoladenproduktion angeboten – aber was sollen Truthähne damit? Das ist nicht artgerecht." Zum anderen seien die kurzen Transportwege zwischen Stall und Schlachthaus ein großer Vorteil. "In einem Familienunternehmen wie unserem haben wir alle den Bezug zu den Tieren, wir füttern, wir schlachten, wir verarbeiten und verkaufen, das ist was anderes als in einem riesigen Schlachtbetrieb", sagt Reinbold. Vor jeder Schlachtung unternimmt der Tierarzt eine Lebendschau, danach wird das Fleisch kontrolliert.

Sieben Monate dauert es, bis die Küken zu schlachtreifen Tieren herangewachsen sind. In dieser Zeit wechseln sie nach einem festen Plan mehrmals die Ställe. 16 bis 17 Kilogramm kann ein männlicher Truthahn am Ende wiegen. "Wenn Leute ganze Truthähne kaufen, wollen sie am liebsten welche mit drei, vier Kilo, ideal sind aber Puten mit fünf bis sechs Kilo, die haben dann schon eine gut ausgebildete Brust und reichen für bis zu acht Personen", erklärt Reinbold.

Seit 2014 betreibt er einen von zwei EU-zertifizierten Geflügel-Schlacht- und Zerlegebetrieben in der Region. Nur in einer solchen Schlachterei dürfen professionelle Geflügelhalter ihr Geflügel schlachten lassen. Frühmorgens bringen Landwirte aus der Region die Schlachttiere und holen sie am nächsten Tag küchenfertig hergerichtet ab. Zweimal die Woche wird das eigene Geflügel geschlachtet, anschließend wird das Fleisch bei der nur wenige hundert Meter entfernten Metzgerei Schumacher in Freiamt weiterverarbeitet. Verkauft wird es im Hofladen und auf 13 Marktständen zwischen Lahr und Weil am Rhein.
Geflügelhof Reinbold in Freiamt, Am Bus 1, Telefon 0 76 45/15 12. Verkauf auf Wochenmärkten etwa in Freiburg in den Stadtteilen Mooswald, Vauban, Zähringen, Wiehre und auf dem Münsterplatz, außerdem in Teningen, Waldkirch-Kollnau, Herbolzheim und Weil am Rhein. Ab einem Bestellwert von 40 Euro liefert Reinbold auch frei Haus.