Winzergenossenschaft Friesenheim

Richard Kopf: "Im Handel wird das meiste Geld verdient"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 27. April 2018 um 00:00 Uhr

Friesenheim

BZ-Serie (28): Richard Kopf, erster Vorstand der Winzergenossenschaft Friesenheim, plädiert für eine markantere Werbung

BREISGAU. Das Weinanbaugebiet Breisgau reicht von Oberschopfheim im Norden bis Freiburg im Süden. Abseits des Mainstreams haben sich viele Weingüter und Anbaubetriebe einen eigenen Auftritt erarbeitet. Die BZ stellt in einer Serie die Teilnehmer der Weinkult Breisgau vor, einer Veranstaltung im Ettenheimer Weingut Weber, bei der am 18. Mai mehr als 40 Breisgauer Winzer ihre Weine präsentieren. Die Fragen stellte Gerhard Walser.

BZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Bundespräsidenten zum Essen eingeladen. Welche Flasche Wein aus Ihrem Keller bringen Sie ihm mit und warum gerade diesen?

Richard Kopf: Eine Flasche unseres Badisch Rotgold. Die ist etwas besonderes aus unserer Region und kommt bestimmt auch bei der Ehefrau gut an.

BZ: Die Breisgauer haben sich viele Jahre hinter Kaiserstuhl, Markgräflerland oder Ortenau versteckt. Was muss sich ändern, damit das Anbaugebiet bekannter wird?

Kopf: Die Werbung könnte markanter und selbstbewusster sein.
BZ: Was gefällt Ihnen am Beruf des Winzers?

Kopf: Arbeiten in der Natur unter freiem Himmel, Sonne, frische Luft, jedes Jahr neue Herausforderungen.
BZ: Was schätzen Sie persönlich am Breisgau?

Kopf: Vielfalt der Sorten, naturnaher Anbau mit noch vielen Böschungen, in die sich unsere Reben einfügen. Auch die durchmischte, aufgelockerte Landschaftsgestaltung spricht für den Breisgau, also dass die Tallagen für den Ackerbau verwendet werden, und nur die besten Lagen für den Weinbau genutzt werden.

BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Breisgau profilieren?

Kopf: Besonders die diversen Burgundersorten, bei uns besonders der Friesenheimer Weißburgunder. Es sind aber auch neue Sorten wie der Sauvignon Blanc im Anbau.
BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?

Kopf: Einer, der mich begeistert, bei dem ich mich zurückhalten muss, nicht die ganze Flasche auf einmal zu trinken.
BZ: Was trinken Sie, wenn kein Breisgauer mehr im Keller liegt?

Kopf: Kommt nicht vor – im Zweifel gehen wir zum Nachbarn oder machen aus der Not eine Tugend und gehen über zum "Heilfasten".
BZ: Beschreiben Sie in drei Schlagworten Ihre Betriebsphilosophie.

Kopf: In der Natur – mit der Natur – umweltbewusst wirtschaften, Qualität produzieren, jedes Jahr die Stärke des Jahrgangs hervorzuheben.
BZ: Die Beschaffenheit der Böden wird immer wichtiger für die Weinproduktion. Was kennzeichnet Ihre Rebhänge?

Kopf: Leichte Lehm-/Löß-Böden, die sich schnell erwärmen und einen guten Wasserhaushalt aufweisen. Das ist die Grundlage für unsere hervorragenden Weine.
BZ: Der Klimawandel schreitet rasant voran. Muss der Breisgau Alternativen zu den Burgundersorten finden?

Kopf: Nicht sofort – aber langfristig muss der Trend wohl zu lockerbeerigeren Sorten gehen.
BZ: Wo steht der Breisgau in 20 Jahren?

Kopf: Vorne natürlich! Ist aber schwer einzuschätzen, da von vielen Faktoren abhängig und der Frage, wohin der Markt sich bewegt.

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?

Kopf: Unter finanziellen Aspekten eigentlich am besten in den Bereich Handel/Zwischenhandel – da wird das meiste Geld verdient.

Richard Kopf (56) ist Landwirtschaftsmeister, Winzer und erster Vorstand der Winzergenossenschaft Friesenheim. Wein angebaut wird auf einer Rebfläche von 131 Hektar. Der Schwerpunkt liegt auf Weißburgunder, der auch zu Sekt verarbeitet wird. Den Ausbau übernimmt für die WG die Ortenauer Weinkellerei.

Weinkult Breisgau: Weinverkostung und Wein-Party "Weinkult Breisgau", Freitag, 18. Mai, 18 bis 2 Uhr, Weingut Weber in Ettenheim, Vorverkauf 30 Euro, Abendkasse 35 Euro (inklusive Weine, Sekt und Wasser), BZ-Card-Inhaber erhalten 2 Euro Ermäßigung; Karten beim BZ-Karten-Service (bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/4968888) sowie bei allen BZ-Geschäftsstellen.

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