Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

11. März 2017 00:00 Uhr

Baden.

Trockene Weine mit Profil: Zalwander aus Malterdingen

Er macht sein Ding – Charakterkopf Odin Bauer und seine so eigenständigen Zalwander-Weine. Seine Rebstöcke sind bis zu 50 Jahre alt. Das schmeckt man. Ein Besuch in Malterdingen.

  1. Schwabe mit einem Faible für Lemberger: Odin Bauer Foto: Michael Wissing

  2. Klassisch ausgebaut, natürlich gereift: ein Lemberger mit Ecken und Kanten Foto: Michael Wissing

Zu zweit heißt im Alemannischen "Zalwander". Seit 2014 führt der Charakterkopf Odin Bauer das Weingut alleine, das er zusammen mit Elmar Lehmann 2002 gegründet hat. "Das sind meine eigenen Produkte, die ich so begleite und bereite, wie ich es für richtig halte. Und das sind Weine, die mir Spaß machen!", erzählt Bauer und entkorkt einen seiner Lieblinge mit dem markanten Label. "Natürlich gibt es Tage, da wird es einem fast zu viel. Da komme ich an die Grenze meiner Belastbarkeit. In den Steillagen kann ich ja keinen Schlepper fahren. Wenn ich dann aber meinen Wein verkoste, weiß ich, warum es die Mühen wert sind."

Die Weinberge liegen zwischen Mundingen und Köndringen, die Steillage Erdenhard beispielsweise mit ihrem Muschelkalkboden beheimatet Rebstöcke, die bis zu 50 Jahre alt sind. Alle Reben des Weinguts stehen auf Lösslehm- oder Muschelkalkböden. Im Jahr 2003 wurden Grauburgunder auf Muschelkalk und – für Baden eher untypisch – Lemberger-Rebstöcke auf Lösslehm angepflanzt. Insgesamt bewirtschaftet Bauer 0,5 Hektar im Alleingang und im Nebenjob. Hauptberuflich ist er Kellermeister im Weingut von Gleichenstein in Oberrotweil. Seine Zalwander-Weine haben sich unter Kennern längst einen Namen gemacht. Die stringente Stilistik, der Einsatz von neuem und altem Holz und der weitgehende Verzicht auf technische Unterstützung bei der Weinbereitung lassen durchweg trockene Weine mit Ecken und Kanten und viel Profil entstehen. "Heute sind mir Eleganz, Frucht und Feinheit wichtig, meine Weine müssen aber immer auch Biss haben", erklärt Bauer seine Philosophie. "Sie sollen stets Essensbegleiter sein und dürfen nie marmeladig oder breit schmecken."

Werbung


Im Rebstock

"Ich habe durch meine Einsaaten und Begrünung eine hohe Biodiversität im Boden. Noch nie habe ich mineralisch oder mit Humus gedüngt. Meine Böden sind sehr nährstoffreich. Ich helfe höchstens mal an einigen Stellen mit organischem Dünger nach. Dennoch bin ich nicht bio-zertifiziert, denn es wird ein integrierter Pflanzenschutz durchgeführt", erläutert Bauer.

Weinsortiment

Zu Beginn der Verkostung entkorkt der Winzer einen 2013 Rosé de Noirs aus reinen Spätburgundertrauben, der ein Jahr im Holzfass reifen konnte. Ein wunderbarer spontan vergorener Rosé mit eingebundenen Fruchtnoten, sanften Holztönen und schöner Säure. Ein Schnäppchen für zehn Euro mit hohem Alterungspotential. Aus der Steillage Erdenhard entstand die Bezeichnung "Harte Erde".

So ist der 2014 Grauburgunder, Harte Erde, ein extrem feiner und mineralischer Vertreter seiner Art, der auch Kritiker dieser Traubensorte überraschen kann. Ebenfalls spontan vergoren lag er ein Jahr im Barrique. Den 2009 Grauburgunder, Harte Erde, verkauft Bauer nicht mehr, probiert aber gerne seine letzten Flaschen. Er ist deutlich breiter und wuchtiger als der jüngere Bruder. Dann wird der 2012 Spätburgunder vom Löss aus Köndringen serviert. Nach zwei Jahren im Holzfass, davon ein Drittel der Zeit im neuen und zwei Drittel im alten Holzfass, ist dieser sehr überzeugende Einstiegswein herrlich fruchtig, mit feingliedriger Struktur, etwas Gerbstoffaromen und noch immer ein wenig Grün in der Nase.

Für zehn Euro ein weiterer fast unglaublicher Preis. Runder, ein wenig weiblicher und sehr ausdrucksstark präsentiert sich der 2009 Spätburgunder. Hier kann man sehr schön verfolgen, wie sich ein geöffneter Wein über Tage entwickelt. Früher wollte man das unter allen Umständen unterbinden, heute ist es ein zusätzliches Qualitätsmerkmal, wenn der gleiche Wein jeden Tag andere Geschmacksnuancen aufzeigt. Dieser Wein ist sicher 20 Jahre lagerungsfähig. "Mich reizen langlebige Weine", erklärt Odin Bauer. "Früher dachte ich, das geht nur mit vielen Gerbstoffen. Heute weiß ich, das braucht es gar nicht". Schon sehr besonders ist der 2011 Spätburgunder, Muschelkalk, mit ausgeprägten dunklen Fruchtaromen und einer wunderbaren Säure. Der 2011 Spätburgunder, Harte Erde, stammt von über 50 Jahre alten Reben.

Mit ausgeprägter Aromatik, vollen dunklen Fruchtnoten und großartiger Säure ist dies das Flaggschiff des Hauses. Das ganze Potential dieses herrlichen Pinots wird sich erst in den nächsten Jahren zu erkennen geben. Leider schon ausverkauft ist der 2010 Spätburgunder, Harte Erde. Ein großartiges Weinjahr, wunderbare Kirschnoten, mit feingliedriger Struktur und dennoch extrem kraftvoll präsentiert sich dieser ausgezeichnete Spätburgunder.

Odin Bauer ist bekennender Schwabe und demnach mit Lemberger aufgewachsen. Er findet diese Rebsorte spannend. Sein 2009 Lemberger in der Bordeauxflasche ist ein kräftiger und finessenreicher Wein mit Piment- und Pfefferaromen, der für 15 Euro auch sehr preisgünstig zu erwerben ist. Eine deutliche Steigerung ist der großartige 2010 Lemberger, der dem Genießer ein fast ätherisches Geschmackserlebnis bereitet und mit fruchtiger Würze und Zartbitter-Schokoladen-Tönen überzeugt. Die üblichen badischen Vorurteile gegenüber dieser so typisch schwäbischen Rebsorte kann Bauer mit seinen Weinen in wundervoller Weise widerlegen. Das Weingut produziert nur rund 2500 Flaschen im Jahr. Wer Zalwander-Weine verkosten möchte, sollte also nicht allzu lange warten. Zum Wohl!
"Zalwander", Odin Bauer, Hauptstraße 39,
79364 Malterdingen, Tel. 07644/923837,
http://www.zalwander.de



Autor: Christian Hodeige