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24. Juni 2010

DRK-Pflegeheim March: Das Heim soll wieder „in die Spur“

Das DRK-Pflegeheim March wirbt nach turbulentem Startjahr um Vertrauen bei Ehrenamtlichen / Neuer Heimleiter im Amt.

  1. Beim ersten Erfahrungsaustausch mit ehrenamtlichen Helfern im DRK-Pflegeheim waren Pflegedienstleiterin Wiebke Fischer und der neue Heimleiter Peter Baake mit von der Partie. Foto: mario schöneberg

MARCH. Die Arbeit mit den Bewohnern des Marcher Pflegeheims bereite ihnen viel Freude, berichteten die ehrenamtlichen Helfer, die von der Heimleitung und dem Roten Kreuz zu einem Erfahrungsaustausch ins Cafe "Vis à Vis" eingeladen worden waren. Doch im Beisein des neuen Heimleiters Peter Baake wurde auch Kritik laut und Lothar Fleck vom DRK-Kreisverband räumte auch Versäumnisse seitens des Heimträgers ein.

Peter Baake ist erst seit 1. Juni Heimleiter in March; der 58-Jährige leitete zuvor zehn Jahre lang ein Heim in Friesenheim. Mit dem neuen Heimleiter, seiner Stellvertreterin und Pflegedienstleiterin Wiebke Fischer sowie der für die soziale Betreuung zuständigen Altentherapeutin Kerstin August sei man nun gut aufgestellt, meinte Fleck. Sowohl unter den Mitarbeitern als auch unter den Angehörigen gebe es seit dem Amtsantritt von Baake eine viel bessere Stimmung, mit ihm komme man wieder "in die richtige Spur". "Es hat beim Kreisverband viele Sitzungen zum Thema Marcher Pflegheim gegeben, doch wir haben wohl zu spät gemerkt, dass der Wurm drin ist", gibt Fleck der Kritik am Kreisverband nach der Entlassung des ehemaligen Heimleiters im Dezember zum Teil Recht. Doch "wir haben die Krise und den Reinfall gut überwunden". Es sei beim DRK nie die Rede davon gewesen, das erst im Frühjahr 2009 eröffnete Heim abzugeben. Auch sei die Pflege nie vernachlässigt worden, betonte Fleck.

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Man habe aber nicht damit gerechnet, dass das Haus mit seinen 67 Betten so schnell voll sei. Hauptsächlich habe es sich jedoch um organisatorische Probleme gehandelt. Doch die seien zumeist schon nach der Einsetzung eines Übergangsleiters überwunden gewesen, gab sich Fleck optimistisch. "Das Haus genießt trotz der anfänglichen Probleme ein hohes Ansehen, es ist voll belegt und es gibt sogar eine Warteliste".

"Das Heim und seine Bewohner sind für mich zu meiner Familie geworden", erzählt eine Helferin am Ende des Erfahrungsaustauschs. Unter Anleitung der Sozialpädagogin Hadwig Storch hatten sich knapp 20 ehrenamtliche Helferinnen und ein Helfer getroffen, um miteinander zu erörtern, was ihnen die Arbeit an Freude bringt, was sie ärgert und wo sie Raum für Verbesserungen sehen.

Dialog soll Reibungen zwischen Helfern und Pflegern abbauen

Die Helfergruppe, ohne die wohl künftig kaum ein Pflegeheim funktionieren könne, sei mit der Inbetriebnahme des Heimes im Frühjahr 2009 entstanden, erläuterte der DRK-Ortsvorsitzende Gottfried Fleck. Doch erst seit Beginn dieses Jahres habe die Arbeit richtig begonnen. Dies sei der erste Erfahrungsaustausch unter den Helfern, er solle aber künftig regelmäßig stattfinden. Schließlich werde das Miteinander von Haupt- und Ehrenamt nicht immer reibungsfrei funktionieren. Daher gelte es, Missverständnisse zu besprechen und auszuräumen. Klar sei aber auch, die hauptamtlichen Pflegekräfte könnten und dürften nicht alles leisten, was wünschenswert wäre. Die aktuelle Gruppe ehrenamtlicher Helfer sei jedoch sehr motiviert, die Arbeit laufe gut, so Fleck, nicht zuletzt dank der Anleitung von Hadwig Storch, deren Stelle als Leiterin des betreuten Wohnens im Seniorenzentrum extra hierfür aufgestockt worden sei. Die Sozialpädagogin wiederum freute sich, dass schon nach einem halben Jahr, in dem für die Helfergruppe mit Nachdruck geworben worden sei, sich so viele gefunden hätten. Aber es gebe immer noch Bedarf, Hadwig Storch warb darum, weitere Helfer zu finden. Egal ob sie regelmäßig oder sporadisch kämen. Gebraucht würde zum Beispiel noch jemand, der ab und an einkaufen geht.

Doch auch Kritik und Ärger äußerten die Helfer. Beim neuen Heimleiter Peter Baake stießen sie dabei auf offene Ohren. Er versprach, sich der vorgebrachten Sorgen und Wünsche anzunehmen. Los ging die Kritik bei baulichen Problemen. So vermisste eine Helferin einen Sonnenschutz auf der Terrasse, es falle ihr schwer, die schweren Schirmständer immer wieder raus zu tragen. Auch die Wäsche bereite stets Probleme war zu hören. So seien Kleider oft eingelaufen, durcheinander oder Knöpfe würden fehlen. Die Wäsche sei ein Dauerthema in Pflegeheimen, bestätigte auch Heimleiter Baake. Wolle man sie im Haus waschen, brauche man aber neben der Technik zwei zusätzliche Mitarbeiter. Dies sei kaum zu leisten. Doch man sei in der Heimleitung schon dabei, sich nach einem neuen Anbieter umzuschauen. Für Näharbeiten wiederum sei man auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen, vielleicht fände sich ja jemand, dem das Spaß mache.

Bewohner wurde nicht zum Deutschlandspiel im TV gebracht

Für Verärgerung unter den Helfern sorgt auch oft die mangelnde Kommunikation innerhalb des Personals. So wüssten viele Schwestern oft nicht, was gerade im Erdgeschoss ablaufe, manche Senioren hätten so schon ihre Singstunde oder ihr Lieblingsprogramm verpasst. Und ganz traurig sei ein Bewohner gewesen, weil er das Deutschlandspiel nicht sehen konnte. Es sei den Mitarbeitern wohl zu umständlich gewesen, ihn dafür auf eine andere Station zu bringen.

Den Dank des DRK-Kreisverbandes überbrachte Lothar Fleck. Man habe 44 Ortsvereine, doch hier in der March gebe es mit Abstand die meisten ehrenamtlichen Helfer. Sein Dank galt auch Hadwig Storch, die den Kontakt zwischen Haupt- und Ehrenamt vermittle. Hier habe es bisher "etwas geharzt".

Autor: Mario Schöneberg