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30. März 2010 18:48 Uhr
Nach der Hundeattacke
Zu Tode gehetzte Herde: Schäfer fürchtet um seine Existenz
Schäfer Erhard Gehri hat den Schock noch nicht verwunden. Zwei Hunde hetzten Dutzende seiner Schafe vor einen Zug oder bissen sie tot. Nun plagen Existenzängste den 65-Jährigen.
MARCH. Tief traurig und noch immer geschockt blickt Schäfer Erhard Gehri auf die Überreste seiner einst stolzen Herde. 175 Tiere waren es, vor zwei Wochen exakt gezählt. Doch am frühen Montagmorgen wurden die Tiere, von Hunden gehetzt auf die Gleise der Breisgau-S-Bahn getrieben und von einem Güterzug erfasst. Andere starben durch Hundebisse, vor allem Lämmer.
Wie viele Tiere noch übrig sind, kann Gehri, der schon seit 30 Jahren mit seinen Tieren sein Winterquartier in March und Umgebung aufschlägt, nicht sagen. Er hat sich noch nicht getraut, genau nachzuzählen.Von über 60 getöteten, verendeten oder nach Verletzungen eingeschläferten Tieren berichtet die Polizei. Doch noch immer irren versprengte Tiere im Wald zwischen dem Steinbuckweiher und der Brückenbaustelle der B 31 über die S-Bahn herum und ab und an finde er noch weitere Kadaver, erzählt der 65-Jährige, der im Winter bei einer befreundeten Familie in Neuershausen wohnt. "Meine Schafe sind noch nie ausgebrochen, sie hatten immer genug Platz und Futter", sagt Gehri mit Tränen in den Augen. Seit Montag hat er kaum mehr geschlafen.
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Wie es nun weitergehen soll, weiß der Schäfer nicht. Er brauche mehr Tiere, um die Landschaft offen zu halten. Dafür werde er bezahlt, die Landschaftspflege ist seine Haupteinnahmequelle. Ein kleines Zubrot ist auch der Verkauf von Osterlämmern. Viele waren vorbestellt, richtig schöne Tiere. Nun seien sie tot.
Ob es Geld von der Versicherung der Hundehalterin gebe, ob sie überhaupt eine habe, auch das weiß Gehri noch nicht. Aber schon, dass es wohl lang dauern wird, bis alles geklärt ist. Und die Zeit habe er nicht. "Ich bekomme nur eine kleine Rente, ich brauche meine Tiere zum Leben". Vielleicht könne er ja ein paar Schafe dazukaufen und sie in Raten abzahlen, überlegt er. Die kleine Herde reiche sicher nicht, um wie vorgesehen die Wiesen offen zu halten. Und das gebe Ärger mit den Kunden. Besonders dann im Sommer, in seiner schwäbischen Heimat, der Region um Hechingen. Dorthin will er gegen Mitte/Ende April wieder wandern, vorher bleibt er noch ein paar Tage in Südbaden, auf Wiesen in Neuershausen und Waltershofen.
Seine Arbeit gewissenhaft zu machen, sei ihm immer wichtig gewesen, erzählt Gehri, der seit einem Unfall nicht mehr richtig hört. Ebenso wichtig sei ein guter Umgang mit Jägern und Landwirten. Ein befreundeter Landwirt ist es auch, der Brötchen und Hundefutter vorbeibringt. Worte werden nicht viele gewechselt, man versteht sich auch so.
Ungeduldig warten die Hütehunde Marco und Zita im Anhänger. Auch sie merken, dass etwas mit ihrem Chef nicht stimmt. Seine Tochter und Freunde hätten gesagt, er solle doch aufhören und in Rente gehen. "Doch das kann ich nicht. Mein Herz hängt an den Tierle, ich brauche die Natur, die Bewegung und meine Arbeit", erklärt Gehri. Es täte ihm weh, wenn er seine Schafe weggeben müsste, "was mache ich dann den ganzen Tag"?
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Autor: Mario Schöneberg
