Das gemeinsame Lebenslied hat inzwischen viele Strophen

Ralph Lacher

Von Ralph Lacher

Mi, 29. August 2018

Maulburg

PORTRÄT: In Maulburg feiern Wally und Friedrich Dreher das seltene Fest der Eisernen Hochzeit / Das Paar lernte sich vor 70 Jahren beim Singen im Chor kennen.

MAULBURG (vfsw). "Gemeinsam Dinge unternehmen und anpacken, etwas für andere tun und von diesen viel zurückbekommen. Das hat unser gemeinsames Leben bestimmt und uns glücklich gemacht." Das sagen Wally und Friedrich Dreher, die heute vor 65 Jahren geheiratet haben.

"Wir sind damals in Steinen getraut worden, weil die Maulburger evangelische Kirche Ende August 1953 saniert wurde", erinnern sich die Eheleute zurück. Friedrich Dreher wurde am 29. Februar 1924 in Auggen geboren, wuchs in einer "Bähnlerfamilie" in Maulburg auf, besuchte die Handelsschule in Schopfheim und machte dort eine kaufmännische Lehre. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Rückkehr aus englischer Gefangenschaft fand Friedrich Dreher Arbeit bei Eisen-Dattler in Lörrach, wo er 40 Jahre lang tätig war.

Der überzeugte Sozialdemokrat saß von 1965 bis 1994 – 29 Jahre lang – im Maulburger Gemeinderat, war SPD-Ortsvereins-Vorsitzender und Fraktionssprecher, Kreisrat und Bürgermeisterstellvertreter. 1994 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz, das Verdienstkreuz am Bande, eine hohe Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Schon zuvor hatte er die Landesehrennadel für seine Verdienste ums Gemeinwohl erhalten.

In 18 Maulburger Vereinen ist Friedrich Dreher Mitglied. Sportlich hatte sich Dreher in jungen Jahren dem Fußball verschrieben, spielte beim TuS in der ersten Mannschaft, gründete und trainierte eine Schülermannschaft. Ein weiteres Steckenpferd des Jubilars ist die Ahnenforschung in Gestalt der Herausgabe von Ortssippenbüchern.

Ehefrau Wally Dreher, geboren am 13. Mai 1932 als Tochter der Maulburger Arbeiterfamilie Haas, wuchs in Maulburg auf, machte dort eine Lehre als Weberin, bildete sich später weiter zur Schwesternhelferin beim DRK und arbeitete in diesem Beruf lange Jahre im Schopfheimer Krankenhaus.

Ihren Ehemann kennen und lieben lernte sie durch das gemeinsame Singen im Maulburger Kirchenchor. "Nach den Singstunden sind wir immer gemeinsam durchs dunkle Bahnwegli nach Hause gelaufen. Da hat es irgendwann gefunkt", erzählen die Drehers. Und der Ehemann fügt an, dass er intervenierte, als Bürgermeister Ernst Schwald im Gemeinderat die Beleuchtung des Weges anregte. "Da geht die ganze Romantik verloren", war sein Argument, dem allerdings nicht zu lange gefolgt wurde, wie er mit einem Schmunzeln feststellt. 1965 hatten die Drehers ihr Eigenheim an der Albert-Schweitzer-Straße bezogen. Trotz Berufstätigkeit und der Arbeit im Haushalt fand Wally Dreher ebenso wie ihr Ehemann Zeit und Muße, sich ehrenamtlich und vor allem im sozialen Bereich zu engagieren. In der AWO und der SPD hatte sie Vorstandsfunktionen inne und außerdem unterstützte sie ihren Ehemann in allen seinen ehrenamtlichen Funktionen in SPD, AWO, als Gemeinderat und "Stammbaum-Forscher" sowie bei dessen Tätigkeit als Fußballer und Trainer im TuS.

Nach ihren schönsten Augenblicken in ihrem langen Eheleben gefragt, müssen die beiden nicht lange überlegen. Zum einen die Geburt der beiden Töchter, zum anderen die vielen gemeinsamen Reisen. "Ganz toll war unsere erste gemeinsame Reise mit der Vespa über die Alpen zum Zelten in der Nähe von Venedig", so Wally und Frieder Dreher. Ganz besonders die gemeinsame Zeit im Kirchenchor, in dem beide 70 Jahre lang sangen, ist in bester Erinnerung. So richtig schwere Momente habe man glücklicherweise nicht erleben müssen, sagen die Drehers. Und: "Wir haben ein sehr arbeitsreiches, ausgefülltes Leben geführt und sind froh, dass wir nun mit den Schwierigkeiten des Alters noch so gut zurechtkommen, dass wir dank der Unterstützung der Familie und einer Pflegekraft weiter zusammen im eigenen Haus leben können", sagt Frieder Dreher.

Heute wird die eiserne Hochzeit im Kreise der Familie gefeiert und am Wochenende im größeren Stil.