Medizinwissen

Ist die Infarktgefahr höher in den Wintermonaten?

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Mi, 29. November 2017 um 18:28 Uhr

Medizinmythen

Hinweise gibt es genug. Immer wieder haben Studien Anzeichen dafür gefunden, dass mit den sinkenden winterlichen Temperaturen gleichzeitig die Zahl der Herzinfarkte in den westlichen Ländern ansteigt.

1998 hatten sich Wissenschaftler im US-amerikanischen National Registry of Myocardial Infarction durch die Daten von Hunderttausenden von Patienten gewühlt, um unter anderem dieser Frage auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich: Im Vergleich zu den Sommermonaten lag die Zahl der Herzattacken in der Winterzeit um sage und schreibe 51 Prozent höher. Gilt es also als Risikopatient, gerade kalte Temperaturen zu meiden und die Innenräume nicht mehr zu verlassen?

Auf der Konferenz der Fachgesellschaft American Heart Association stellten in diesem Jahr, wie die Tageszeitung New York Times berichtet, die beiden Wissenschaftler Bryan Schwartz und Robert Kloner Ergebnisse vor, die in eine andere Richtung deuten. Demnach steigt das Infarktrisiko auch in warmen Klimazonen. Egal wo die beiden Forscher sich in den USA umschauten, die Zahl der Infarkttoten war in den Wintermonaten überall um bis zu 36 Prozent hochgeklettert – unabhängig von Klima und Temperaturen.

Der Herzmediziner Schwartz glaubt deshalb, dass bei dem Phänomen noch ganz andere Faktoren eine Rolle spielen. Sich vor allem im Winter ausbreitende Infektionen wie die Grippe, zum Beispiel, oder der Einfluss der dunkleren Jahreszeit auf Stimmung und Seele. Denkbar wäre auch, so der Arzt, dass der Faktor ungesündere Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten im Winter eine Rolle spiele.