Medizinwissen

Wie groß ist das Herzinfarktrisiko beim Sex?

Dennis Wolf

Von Dennis Wolf

Sa, 02. Dezember 2017 um 15:00 Uhr

Medizinmythen

Das geteilte Bett als Hochrisikogebiet fürs Herz? Manch einem sind Erzählungen von Herzinfarkten beim Geschlechtsverkehr schon auf die Libido geschlagen. Zu Unrecht:

Denn nach den Berechnungen amerikanischer Kardiologen ist Sex weder für Herzkranke ein ernsthaftes Risiko noch für den Körper anstrengender als leichte Gartenarbeit.

Während des Geschlechtsverkehrs steigen Puls und Blutdruck zwar an. Das Herz schlägt dann beim Gesunden etwa 120-mal in der Minute und verursacht einen systolischen Blutdruck von etwa 160 Millimetern Quecksilbersäule. Dies sind zwar keine Ruhewerte, aber die werden auch nach einer Fahrradtour in ebenem Gelände oder einem Fußmarsch in den dritten Stock erreicht.
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Konkret ist deshalb das Risiko, beim Sex einen Infarkt zu erleiden, im Vergleich zu einer weniger aktiven Bettnutzung zwar doppelt so hoch, aber es ist immer noch sehr gering. Für einen 50-jährigen Herzgesunden beträgt es ungefähr zwei zu einer Million. Ein bereits Herzkranker muss, selbst wenn er schon einen Infarkt hinter sich hat, rein statistisch gesehen, 49 999 Nächte sexuell aktiv sein, um davon ausgehen zu können, die nächste Liebesnacht nicht zu überleben.

Folglich könne jeder entsprechende Leidenschaften fast gefahrlos ausüben, empfahl die amerikanische Herzgesellschaft bereits im Jahr 2000. Übrigens wurden in einer japanischen Untersuchung nachträglich mehr als 5000 Herztode genauer unter die Lupe genommen. Dabei fiel auf, dass unter den 34 berichteten Todesfällen während des Geschlechtsverkehrs sieben Männer in den Armen ihrer Frau verstarben, 27 hingegen beim Fremdgehen. Wenn dies keine Warnung ist.