Kolumne

Ralf Stegner und der Pop: Sympathie für den Teufel

Peter Disch

Von Peter Disch

Mi, 07. Februar 2018 um 18:23 Uhr

Rock & Pop

Auf Twitter kommentiert der SPD-Politiker Ralf Stegner die Lage der Nation gern mit einem Musiktipp. Im Zuge der Koalitionsverhandlungen hat sich die Frequenz seiner Posts deutlich erhöht.

Im Fernsehen wirkt Ralf Stegner oft bärbeißig, verkniffen, zähnebleckend. Dabei kann der SPD-Politiker auch anders. Auf Twitter kommentiert er die Lage der Nation gern mit einem "Musiktipp für euch da draußen im digitalen Orbit", versehen mit einem ;-)-Augenzwinkern.

Im Zuge der Verhandlungen über ein Regierungsbündnis hat sich die Frequenz der geposteten Popsongs deutlich erhöht. Zu Beginn waren die Botschaften klar. Steppenwolfs "Born To Be Wild" zum Auftakt, Fleetwood Macs "Go Your Own Way" in der zweiten Woche – Aufforderung an die SPD-Unterhändler zu verhandeln, bis es quietscht. Macy Grays "I Try" – Ich versuch’s – am 30. Januar – ein Signal der Kompromissbereitschaft. Am Tag danach wird mit Garishs "Bring mich auf Ideen" erste Genervtheit deutlich – Zitat aus dem Refrain: "Muss ich dass verstehen?"

"Bring mich auf Ideen" von Garish


Auf der Zielgeraden wird Stegner immer kryptischer. Die Verlängerung beginnt er mit "I’m Waiting For The Man", der Geschichte eines Junkies und seines Dealers. Sind die Runden mit der Union nur noch sediert zu ertragen? Weiß er nicht, was Drogen mit Politikern machen? Bei Sondierungen mit den Grünen hätte ihm Volker Beck ein Lied davon singen können.



In der finalen Nacht konvertiert Stegner sogar zum Satanismus und äußert Sympathie für den Teufel – ist die CSU wirklich so schlimm? Erst als die Groko besiegelt ist, kehrt mit "Die weißen Tauben sind müde" die alte analytische Klarheit zurück. Darin heißt es: "Genießen wir den Augenblick / Ab morgen gibt’s statt Wein nur Wasser". Dass Stegner die Zeilen aus dem Hit von Hans Hartz zum Schlusswort des Koalitionsvertrags machte wollte, ist allerdings nur ein Gerücht.