UNTERM STRICH: Chorgesang statt Handyklang

Axel Veiel

Von Axel Veiel

Di, 19. Dezember 2017

Kolumnen (Sonstige)

Frankreich verbannt Mobiltelefone aus den Schulen / Von Axel Veiel.

Ein Land von Grund auf erneuern, heißt ganz unten ansetzen. Es heißt, sich Kindern und Jugendlichen zuwenden. Es heißt, in Grund- und Sekundarschulen das Unterste zuoberst zu kehren – mit der Folge, dass so manches, was Pausenhöfe und Klassenzimmer erobert hat, sang- und klanglos wieder verschwindet. Im Fall Frankreichs, wo Staatschef Emmanuel Macron zur Rundumerneuerung geschritten ist, sind es die Handys. Sie sollen nun auch von Pausenhof und Kantinentisch verbannt werden, im Unterricht sind sie bereits verboten.

Wie Macrons Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer bekanntgab, werden sie für die Zeit des Schulbesuchs hinter Schloss und Riegel kommen. Der Minister empfiehlt den Schulleitern, bis September 2018 Schließfächer einzurichten. Mehr Konzentration im Unterricht erhofft sich der Politiker von der Neuerung sowie gesundheitlichen Nutzen, sei es für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen doch von Vorteil, wenn sie weniger auf den Handybildschirm starrten.

Das Echo ist zwiespältig. Eltern- und Lehrerverbände applaudieren. Sie erhoffen sich von der Verbannung der Handys nicht nur weniger Ablenkung im Schulalltag, sondern auch weniger Konflikte um zerstörte oder verlorengegangene Mobiltelefone sowie weniger Cyber-Mobbing. Schuldirektoren aber fühlen sich überfordert. "Sollen wir künftig jeden Schüler zehn Minuten lang filzen um sicherzugehen, dass sein Handy ins Schließfach wandert?", fragt ein Schulleiter. Hinzu kommen die Kosten. Ein Direktor hat vorgerechnet, dass bei 5300 Schulen mit durchschnittlich 500 Schülern 2,65 Millionen Schließfächer anzuschaffen seien. Blanquer freilich hält Kurs. Ja, der Reformer steuert bereits die nächste Neuerung an. Anstatt Handyklang soll Chorgesang das Ohr erfreuen. Frankreichs Grund- und Sekundarschulen hätten von September 2019 an einen Chor anzubieten, ließ der Minister wissen. Am Geld soll es nicht scheitern. Blanquer will für die Chöre 20 Millionen Euro bereitstellen.