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16. August 2013

UNTERM STRICH: Das perfekte Verbrechen

Was passiert, wenn beim Landeskriminalamt Thüringen Klopapier geklaut wird / Von Bernhard Honnigfort.

Zwischen November 2010 und Februar 2011 verschwindet im Haus fünf der Außenstelle Waltersleben des Landeskriminalamts Thüringen Klopapier. Ziemlich viel Papier, insgesamt für 130 Euro. Rechnet man 25 Cent pro Rolle, müssen es 520 Rollen gewesen sein. Der Fall stinkt zum Himmel: Diebstahl. Durchfall ausgeschlossen. Der LKA-Präsident befiehlt, den Dieb zu schnappen. Es folgen interne Nachforschungen – ohne Ergebnis. Daraufhin schaltet man die Abteilung drei ein, zuständig für das Abhören und Belauern von Mafia-Typen, Motorrad-Gangs und anderen Schlimmfingern. Deren Experten installieren eine versteckte Kamera mit Blick auf den Klopapier-Vorratssack. Angeblich sollte ein Staatsschutzbeamter, der sich sonst mit Neonazis oder Islamisten hätte herumärgern müssen, die Bilder auswerten. Aber das weiß man nicht so genau, deshalb will ich hier nicht zu viel behaupten. Außerdem wird eine Detektorschleuse gekauft. Das sind die Dinger an den Ein- und Ausgängen von Kaufhäusern, die lospiepen, wenn man mit einem neuen Pullover rausgeht, an dem noch der RFID-Chip hängt. (RFID übrigens heißt radio-frequency identification transponder, aber das nur am Rande.)

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Also: Im Juli 2011 wird eine Schranke installiert und ein ganzer Sack Klopapier mit den Chips geimpft. Eine Kamera beobachtet den Sack. Die Ermittlung nimmt Fahrt auf. Warten, beobachten, warten, beobachten, warten. Bis November 2011. Dann Ende der Ermittlung. Nichts. Der Dieb wird nie gefunden, das geklaute Klopapier auch nicht.

Abgetaucht, alles weg. Ein perfektes Verbrechen. Vielleicht hat ja die Mutter des Diebes vorsorglich alles im Ofen verbrannt wie die Mama aus Rumänien, deren Sohn in einem holländischen Museum millionenteure Bilder klaute. Aber das ist nur eine Theorie. So ein RFID-Chip ist nicht teuer, Centkram. Die Schranke allerdings hat 4617,20 Euro gekostet. Nicht wenig. Als die Sache im Frühjahr in Thüringen bekannt wurde, hatte der Innenminister noch gesagt, das Ding sei nützlich, man könne es prima bei der Ermittlung von Eigentumsdelikten einsetzen. Nun erfuhr der Erfurter Landtag: Seit November 2011 steht die Schranke unnütz herum. Gütiger Himmel; womöglich neben dem Klopapiersack in Haus fünf in Waltersleben! Falls das hier zufällig jemand aus Haus fünf lesen sollte: Vielleicht geht mal einer hin und sieht nach. Nicht, dass auch noch die Schranke weg ist.

Autor: bho