Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. März 2017

UNTERM STRICH: "Kostet nix" kostet nix

Ein Südbadener und sein Marsch, für den er keine Gema-Gebühren will / Von Alexander Dick.

Kunst geht nach Brot, heißt’s bei Lessing. Weil, wie dessen Dichterkollege Beaumarchais sagt, Ruhm zwar eine große Anziehungskraft besitze, doch leider vergessen werde, "dass man 365 Mal in einem Jahr zu Mittag speisen muss, um sich dieses Ruhmes ein Jahr lang zu erfreuen".

Man kann also davon ausgehen, dass im Hause von Heinz Benz jeden Tag genug auf dem Tisch steht. Denn der Broterwerb hat den Rheinfeldener Dirigenten ganz offenbar nicht angetrieben zu seiner derzeit in Blasmusikerkreisen begeistert aufgenommenen Komposition – dem Marsch "Kostet nix". Der Ruhm ist aber auch eher eine Nebenwirkung. Benz bezweckte mit dem Stück etwas Anderes: der ehrenwerten Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz Gema, ein Schnippchen zu schlagen. Als Leiter von Musikvereinen ärgerte sich der Blasmusiker über deren seit zwei Jahren gültige Praxis, Gebühren für Musikstücke auch dann einzuverlangen, wenn sie bei Generalversammlungen der Vereine aufgeführt würden. Mit Benz’ neuem Marsch muss das nicht sein. "Kostet nix" kostet nix – der Komponist verzichtet auf seine Tantiemen. Da lacht der Musikverein.

Werbung


Man kann sich natürlich fragen, ob es nötig ist, für Live-Musik anlässlich einer Jahresversammlung Gebühren zu erheben. Ist doch schließlich kein Konzert, oder? Wie überhaupt das Klagelied über die Gema auf den virtuellen Charts der südbadischen Blasmusik gleich auf den Dauerbrenner Badnerlied zu folgen scheint. Auch für Feste seien aufgrund geänderter Bewertungsgrundlagen höhere Gebühren zu entrichten. Eingeworfen sei an dieser Stelle nur: Die Gema ist keine Schutzgelderpresserbande. Sie wahrt die Urheberschaft der Autoren. Mozart, Donizetti, Lortzing und andere große Komponisten hätten wohl nicht in bitterer Armut sterben müssen, hätten sie für die (Wieder-)Aufführung ihrer Musik Tantiemen bekommen. Aber die Gema gibt’s erst seit 1933. "Kostet nix" lässt schmunzeln. Bloß: Brot kostet eben doch was.

Autor: adi