UNTERM STRICH: Spachtelmasse Magerquark

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Sa, 03. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Wie man sich den Spaß am Essen und Trinken verderben lassen kann / Von Katja Bauer.

Wenn es ums Essen geht, dann werden ganz schnell Fragen Shakespear’scher Dimension erörtert: Etwa Sein oder Nichtsein. Mit nichts lassen sich steilere Thesen aufstellen als mit der Frage, welche Nahrungsmittel welche Auswirkungen haben. Broccoli macht schön und Mandeln machen schlau, wer Artischocken verzehrt, der kann schadlos doppelt so viel Rotwein trinken als andere, allerdings nur, wenn die kleine Blüte nicht frittiert wurde. Wobei ein Glas Rotwein so gesund ist, dass man davon zwischen zwei und zehn Jahren jünger wird und keinen zusätzlichen Sport treiben muss.

Was in gewisser Weise logisch ist, weil man ja nach einer Flasche Rotwein am anderen Morgen bisweilen das Gefühl hat, man sei einen Marathon gelaufen.

Wer das bestimmt? Das ist recht unbestimmt. Amerikanische Wissenschaftler mit ihren Studien im Internet sind gewiss die Topinfluencer, aber was so ein echtes Superfood ist, das braucht schon auch noch ein paar Inselbewohner oder autochthone Bevölkerungsgruppen, die sich seit Jahrmillionen davon ernähren. Das Verwirrende: alles ändert sich, ständig.

Die Volatilität der Risikofolgenabschätzung kann Generationen den Spaß am Essen verderben, aus völlig fragwürdigen Gründen. Das Ei etwa galt jahrzehntelang als Cholesterinteufel Nummer eins, halb so gefährlich wie Crack. Was passierte? Lange Gesichter am Frühstückstisch, ein Ei die Woche. Dann lieber Nichtsein. Derzeit gilt das Ei als ein perfektes Lebensmittel – Fipronil blenden wir hier aus.

Auch Lachs, eine Topwahl, die sich von ihrem Schwein-der-Meere-Image befreit hat und nun "gute" statt schlechter Fette enthält. Apropos Fette. Wahrscheinlich ändert sich der Heilsbringerfaktor bei nichts so schnell wie hier: Vielgepriesenes Kokosöl steht heute unter Cholesterinverdacht. Irgendwann werden wir alle nur noch Magerquark und andere Spachtelmassen verzehren. Und Kirschen, über die man nachlesen kann, sie seien gut gegen Muskelkater. Vermutlich am besten gegen den vom Rotwein als Sportersatz.