UNTERM STRICH: Süßer die Beutel nie klingen

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Von BZ-Redaktion

Di, 20. März 2018

Kolumnen (Sonstige)

Pfarrgemeinden sammeln Kollekte digital / Von Dominik Heißler.

"Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!", warb der Ablasshändler Johann Tetzel vor fast fünfhundert Jahren dafür, sich von aller Sünde freizukaufen – für Geld, das auch den Bau des Petersdoms in Rom finanzieren sollte. Martin Luther stieß diese Praxis so sauer auf, dass er mit lauten, wuchtigen Schlägen seine 95 Thesen an die Kirchentür geschlagen haben soll. Als ob er das Klingen des Geldes damit übertönen wollte.

Heutzutage wird – gut, dass der Reformator das nicht auch noch erleben musste! – die Beichte sogar von privater Seite online angeboten: Absolution erteilt dabei nicht mehr theologisch korrekt der Priester, sondern die Gemeinschaft der Lesenden, deren digitale Drahtlosigkeit zum Himmel – die IP-Adresse – gesegnet worden sein soll.

Die Kirche, bisher eher als digitaler Dinosaurier verschrien, gibt sich in anderen Belangen erheblich moderner: So sammeln einige deutsche Gemeinden die Kollekte inzwischen auch digital ein – um damit den hohen Gebühren beim Einzahlen des Geldes zu entgehen, nach eigener Aussage aber auch, "um dem allmählichen Verschwinden des Bargelds zuvorzukommen". In Schweden, dem Vorreiterland der Bargeldlosigkeit, gibt es derweil fast kein Gotteshaus mehr ohne elektronischen Opferstock, den "Kollektomaten". Höchst elegant verbindet nun eine Pariser Gemeinde Tradition und Moderne: mit dem digitalen Klingelbeutel.

Dem fehlt nicht nur das Glöckchen, das dem Beutel den Namen gab, sondern gar die Öffnung fürs Kleingeld. Gespendet wird nämlich per Bankkarte. Eine Sekunde Bearbeitungszeit! Vorbei die ewige Kramerei im Portemonnaie! Genommen der soziale Druck, unter den wachsamen Ohren der anderen Kirchgänger den Beutel klingen zu lassen! Und wie durch ein Wunder steigt so auch die Höhe der Spenden – ein klarer Gewinn für alle Beteiligten. Bargeldlos klingen die Beutel also offenbar süßer. Zum Trost für Traditionsbewusste: Neben dem digitalen Beutel geht in Paris weiterhin auch der analoge um.