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06. April 2013

Franziskus soll die realen Probleme der Welt angehen

BZ-GASTBEITRAG: Eicke R. Weber plädiert dafür, dass sich der neue Papst für die Bewahrung der Schöpfung stark macht.

Der neue Papst Franziskus hat mit seiner Herkunft aus Lateinamerika, wie auch mit seiner Namensgebung nach dem Heiligen der Armen und des Umweltschutzes, viele Hoffnungen geweckt. Wir erinnern uns, dass der Besuch von Benedikt XVI. in Freiburg Enttäuschungen hinterließ: Für seinen Besuch in Freiburg, the Green City hätte es sich angeboten, eine Erklärung zur Frage der Bewahrung der Schöpfung, der Tier- und Pflanzenwelt wie aber auch des Erdklimas abzugeben. Stattdessen wählte er als zentrales Thema seiner Ansprache im Konzerthaus seinen Aufruf zur "Entweltlichung der Kirche".

Von Papst Franziskus erwarten wir eine verstärkte Hinwendung zu den realen Problemen der Welt: Hunger, Armut, Verteilung der Reichtümer der Erde, aber eben auch ganz besonders den Herausforderungen einer ernst genommenen Verpflichtung zur Bewahrung der Schöpfung, mit den Reichtümern der Erde nachhaltig umzugehen. Nur so können wir das Überleben der Menschheit in erstrebenswertem Lebensstil auch für kommende Jahrhunderte sichern. Diese Aufgabe erscheint übrigens nicht mehr ganz so hoffnungslos wie gewöhnlich erwartet: Jorgen Randers, der Autor des Berichts 1972 an den Club of Rome mit dem unvergesslichen Titel "Die Grenzen des Wachstums" hat einen neuen Bericht vorgelegt mit dem Titel: 2052 (siehe http://www.2052.info Er berichtete kürzlich darüber beim zweiten internationalen Treffen der Umweltpreisträger hier in Freiburg. Seit 1972 sind 40 Jahre vergangen. In diesem neuen Bericht an den Club of Rome präsentiert Randers eine Vorschau auf die nächsten 40 Jahre, bis 2052.

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Ein wichtiges Detail dieses wichtigen Buchs ist die Fortschreibung der globalen Demographie, der Entwicklung der Weltbevölkerung. Durch den rasanten Fortschritt in der Dritten Welt, besonders auch in Indien und China, sinken die Geburtenraten rascher als bisher abzusehen war. Der Bericht sagt eine maximale Erdbevölkerung von nur knapp über acht Milliarden Menschen voraus, die wir um 2040 erreichen sollen. Dann erwartet er weltweit, was wir bereits in Deutschland und anderen entwickelten Ländern erleben: eine abnehmende Weltbevölkerung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Als Konsequenz dieser Entwicklung, sollte sie so eintreten, könnten Szenarien zum Anwachsen des CO2-Gehalts der Erdatmosphäre ohne energisches Umschwenken eine Erderwärmung von "nur" drei Grad ergeben. Dies wäre immer noch zu viel, um katastrophale Veränderungen des Erdklimas zu vermeiden. Klimaforscher haben sich auf einen gerade noch tolerablen Schwellenwert von zwei Grad Erwärmung geeinigt. Eine Erwärmung von drei Grad im schlimmsten Fall wäre aber ein Ausgangswert, von dem ausgehend wir hoffen können, mit einer energisch durchgeführten globalen Energiewende hin zur immer effizienteren Verwendung von schließlich 100 Prozent Erneuerbaren Energien, das Zwei-Grad-Ziel bis 2050 doch noch zu stemmen.

Daher sollten wir den Randers-Bericht 2052 als Aufforderung verstehen, unsere Energiewende zur nahe 100 Prozent erneuerbarer Energienutzung beispielhaft für die Welt beherzt durchzuziehen. Dafür müssen wir die erforderlichen Techniken entwickeln: von Energieeffizienz in Gebäuden, Transport und Produktion, der Nutzung erneuerbarer Energien von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse aus Abfall wie auch in der Entwicklung preisgünstiger Energiespeicher und dem für ein nachhaltiges Energiesystem erforderlichen Ausbau von Netzen. Damit werden wir in der Lage sein, auch für andere Länder geeignete Lösungen anzubieten, was letztendlich zu positiven Beschäftigungseffekten auch in Deutschland führen wird.

So schließt sich der Kreis mit dem ethisch und moralisch Richtigen, mit dem globalen kategorischen Imperativ: Handele so, dass das Gesetz deines Handelns Grundlage des Handelns der heute wie auch in Zukunft lebenden Menschen sein kann. Das kann auch als christlicher Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung gesehen werden. Wir erwarten vom neuen Papst deutliche Worte dazu. Auf der anderen Seite bietet sich derartiges Handeln, eine von uns entschlossen aufgenommene Umstellung auf Nachhaltigkeit an, um unsere technologische Führungsposition auf vielen Gebieten der Energiewende zu erhalten.

Es wird in den nächsten Monaten des Bundestagswahlkampfs interessant sein zu beobachten, welche Parteien diese Botschaft verstehen und versprechen, ihre Umsetzung beherzt in Angriff zu nehmen.

– Der Autor ist Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg.

Autor: bz