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18. Oktober 2009 19:19 Uhr
Tagesspiegel: Notfallimpfung ohne Notfall
Was macht man mit einer teuren Pandemieschutz-Impfung, wenn die Pandemie nicht kommen will? Packt man sie zurück in den Kühlschrank, in der Gewissheit, das nächste Killervirus kommt bestimmt?
Oder versucht man sie, weil man sie nun einmal hat, schnell unter die Leute bringen? Die deutschen Politiker und Regierungsexperten haben sich für den zweiten Weg entschieden. Ganz umsonst werden die Spritzen schließlich wahrscheinlich nicht sein.
Aller Voraussicht nach wird uns H1N1 zumindest als unangenehmer Grippeerreger irgendwann wieder seine Aufwartung machen. Das Problem ist nur: Wenn das Virus nur noch eine geringe Gefahr darstellt, werden plötzlich auch die geringen Gefahren des Impfstoffs interessant, der vor diesem Virus eigentlich schützen soll. Dies scheint auch dem deutschen Innenminister nicht anders zu gehen, der seinen Mitarbeitern den schnell für den Notfall produzierten und zugelassenen Schweinegrippen-Impfstoff nicht zumuten will.
Regierungsmitglieder und Beamte sollen mit einer Vakzin-Version geimpft werden, die keine umstrittenen Beimischungen enthält und deshalb weniger Rötungen, Schwellungen und Kopfschmerzen machen soll. Eine schlechtere Werbung kann man für den eigenen Impfstoff nicht machen. Wer bisher noch nicht über die Nebenwirkungen der Spritzen nachdachte, wird nun mit dem Grübeln anfangen. Und daran zweifeln, ob er eine Pandemieimpfung ohne Pandemie wirklich haben will.
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Autor: Michael Brendler
