Nachhaltige Ernährung

Den Spaß am gemeinsamen Einkaufen, Kochen und Essen aus dem Blick verloren

Ulrich Schraml, Emmendingen

Von Ulrich Schraml & Emmendingen

Sa, 13. Januar 2018

Leserbriefe

Zu: "Wer auswärts isst, schon die Umwelt", Interview von Eva Tenzer mit Christa Liedtke (2. Januar, Zusammenleben)

Es sei der Nachhaltigkeitsforscherin gegönnt, dass sie für sich einen Lebensweg gefunden hat, der die Arbeit in der Küche nicht mehr beinhaltet. Es möge eine jede nach ihrer Fasson satt werden.

Aber wenn aus dieser persönlichen Entscheidung die Empfehlung abgeleitet wird, im Interesse der Umwelt auswärts zu essen, und dafür das Prinzip der Nachhaltigkeit herhalten muss, dann lädt das doch zum Widerspruch ein. Es ist sicher überzeugend, dass das Kochen im großen Stil effizient sein kann und sich dabei Ressourcen sparen lassen. Es schneidet die Konsumenten aber auch von vielen Erfahrungen ab, die einen eigenen Wert darstellen. Die Auseinandersetzung mit der regionalen Herkunft von Lebensmitteln, deren kultureller Bedeutung oder die Gemeinsamkeit in Partnerschaft und Familie werden über die bewusste Beschaffung und gemeinsame Zubereitung von Lebensmitteln gefördert. Im besten Fall entstehen sogar noch Kontakte zu den Produzenten und damit ein Einblick in Tierhaltung oder Landnutzung.

Im Umfeld von Freiburg lässt sich dies schon jetzt ganz nebenbei organisieren. Schulen und Landwirte haben dieses Thema im Blick. Nachhaltigkeit beinhaltet nach meinem Dafürhalten nicht nur Fragen der Effizienz im Umgang mit natürlichen Ressourcen. Sie richtet den Blick auch auf soziale Beziehungen, fragt nach dem Erhalt von kulturellen Werten und ist kritisch für die Frage, wer sich was leisten kann.

Die Empfehlung der Expertin, auswärts zu essen und dafür gerne ein bisschen mehr auszugeben, um die Umwelt zu schonen, geht an den tatsächlichen Diskussionen über die Preise von Schulmensen oder Betriebskantinen schlicht vorbei. Sie offenbart die Perspektive einer Nachhaltigkeitsforschung, die sich darin gefällt, den urbanen Lebensstil einiger Akademiker zum Vorbild für andere zu erklären. Deren Lebenswirklichkeit, das Vertrauen in Selbstverantwortung und vor allem den Spaß am gemeinsamen Einkaufen, Kochen und Essen hat sie aus dem Blick verloren.

Ulrich Schraml, Emmendingen