Lesermeinung

Susanna Wolf-Swoboda, Freiburg

Von Susanna Wolf-Swoboda & Freiburg

So, 31. Dezember 2017

Leserbriefe

MOOSWALD

ZUM ARTIKEL "KEINE BEBAUUNG DES MOOSWALDS" IN DER AUSGABE VOM 19. NOVEMBER:

Dem Denkzettel zuvor gekommen

Wozu die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl gut ist, zeigt der Verzicht von Oberbürgermeister Dieter Salomon auf die Bebauung des Mooswalds und der Dreisamwiesen. Als Politologe hat er scheinbar zurecht erkannt, dass gerade diese beiden Bauwutexzesse die Bevölkerung dazu hätte verleiten können, ihm bei der Wahl einen nachhaltigen Denkzettel zu verpassen.
Susanna Wolf-Swoboda, Freiburg

PFLEGEBERUFE

ZUM ARTIKEL "EIN SYSTEM VOR DEM KOLLAPS" IN DER AUSGABE VOM 17. DEZEMBER:

Wir brauchen mehr Revoluzzer

Ich war über über 30 Jahre lang als Lehrer für Pflegeberufe an der Akademie für medizinische Berufe am Universitätsklinikum in Freiburg tätig. Oft habe ich die Rückmeldung von Auszubildenden erhalten, dass sie häufig überfordert sind: "Mein Traumberuf ist zum Albtraum geworden."

Dabei unterrichtete ich hoch motivierte Menschen, deren Engagement die Gesellschaft dringend braucht: Zu einer Zeit, in der deutschlandweit bis zu 130 000 Pflegekräfte fehlen. Aber anstatt die Auszubildenden wertzuschätzen, werden sie oft gnadenlos verheizt. Das Resultat: Manche brechen die Ausbildung ab, andere schmeißen den Job nach wenigen Jahren hin.

Viele Angehörige von Kranken trauen sich nicht, auf Missstände hinzuweisen. Dann ist da die Gesellschaft, denen die Kranken offenbar zu wenig wert sind. Letztendlich sind alle zusammen Schuld an der Misere. Aber die fängt schon bei der Ausbildung an. Es ist nicht unüblich, dass eine ausgelernte Fachkraft und eine Schülerin eine ganze Station mit 30 Patienten zu versorgen hat. Die schaffen das irgendwie, aber ein Auszubildender ist damit überfordert. Trotzdem müssen die Schüler häufig Fachkräfte ersetzen, Tabletten austeilen (was sie eigentlich gar nicht dürfen), und werden teils sogar als Schichtleitung eingesetzt. Das ist dem Azubi gegenüber unfair und den ihnen anvertrauten Patienten gegenüber noch viel mehr.

Dabei ist gesetzlich vorgeschrieben, dass den Auszubildenden eine Fachkraft zur "Praxisanleitung" zur Seite stehen muss. Ein Profi, der dem Nachwuchs zeigt, wie man einen Demenzpatienten beruhigt; wie man jemandem Essen verabreicht, ohne dass sich derjenige verschluckt; wie man einen alten Menschen vom Bett in den Rollstuhl hebt.

Ich fordere daher mehr ausgebildete Praxisanleiter, die für diese Aufgaben freigestellt werden. Was noch helfen könnte, die Situation in den Krankenhäusern zu entlasten: Wir brauchen überall einen entsprechenden Personalschlüssel. Dass sich an der Gesamtsituation nichts ändert, ist auch Schuld des Pflegepersonals, die sich oftmals ausbeuten lassen, ohne aufzumucken. Lernt, Nein zu sagen! Wenn eine Verbesserung stattfinden soll, muss das Ansehen der Pflegeberufe in unserer Gesellschaft deutlich verbessert werden. Denn Pflege geht uns alle an!
Die verantwortlichen Politiker können nur jeweils große Sprüche klopfen, von einer Legislaturperiode zur nächsten. Wenn sich keine Fachkräfte im eigenen Land mehr finden, die unter diesen katastrophalen Arbeitsbedingungen ihre eigene Gesundheit opfern, lässt die Regierung Fachkräfte aus China einfliegen. Schau`ma mal, wie lange der Laden noch so läuft!
Kurt Armbruster, Teningen

Hohe Belastung, wenig Wertschätzung

Ich finde es unsäglich, wie schlecht Pflege- und Sozialberufe in unserem Land bezahlt werden und wie schlecht pflegerische und soziale Einrichtungen personell ausgestattet sind. Es ist vermutlich hinlänglich bekannt, dass im Bereich der Kranken- und Altenpflege die Situation extrem prekär ist. Sowohl die finanzielle Situation als auch die Arbeitsbelastung ist sehr angespannt, was negative Auswirkungen auf die Pfleger und die Qualität der Pflege hat.

Der Beruf der Krankenpflege hat einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Längst steht nicht mehr die Grundpflege, also die "klassischen" pflegerischen Tätigkeiten wie Waschen, Lagern oder Essen verabreichen im Mittelpunkt, sondern eine differenzierte Hochleistungspflege mit hohen Betreuungsaufwand. Ins Zentrum rücken vermehrt die Durchführung der Therapiemaßnahmen, Planungs- und Steuerungsaufgaben von der Aufnahme bis über die Entlassung hinaus sowie die Beratung und Schulung von Patienten und ihren Angehörigen.

Die Pflegekräfte stehen unter enormen Zeitdruck, es bleibt wenig Zeit für die speziellen Bedürfnisse des Einzelnen, da der "Zeiträuber Pflegedokumentation" und die Effizienzsteigerung (Kostenreduzierung) im Vordergrund stehen.

Meiner Meinung nach gehört das gesamte Gesundheitssystem – das vom Lobbyismus geprägt ist – umfassend neu aufgebaut. Wir werden ein System benötigen, das zum einen Gesundheit und Gesunderhaltung (Prävention) attraktiv macht, zum Anderen aber die Kosten für Krankheit und Pflege so umverteilt, dass die Arbeit in diesem System entsprechend gewürdigt und entlohnt wird. Dies erscheint sinnvoller, als bei vollen Sozialkassen, die Beitragssenkung immer wieder zu diskutieren oder zu versprechen. Margarete Schumacher, Freiburg
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