Die Jugend spielt wieder Skat

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Sa, 01. September 2018

Meißenheim

Der Meißenheimer Skatclub Riedskat 90 bemüht sich mit Erfolg um Nachwuchs, reine Hobby-Clubs haben kaum Chancen .

MEISSENHEIM. Ob auf sportlichem, kulturellem oder musikalischem Sektor, die meisten Vereine in der Region klagen über Probleme im Nachwuchsbereich. Gleiches trifft auch auf die Skatspieler zu. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Skatclub Riedskat 90 Meißenheim, der aktuell den deutschen Vizemeister in der Jugend-Mannschaftswertung stellt.

Wenngleich der einstige Höhepunkt mit über 20 Jugendspielern vorwiegend aus Kürzell, Meißenheim und Ottenheim unterschritten ist, so zählt die vor 16 Jahren aus der Taufe gehobene Nachwuchsabteilung aktuell doch noch zehn Mitglieder unter 18 Jahren. Mit Blick auf die große Resonanz beim Programmbeitrag des Clubs im Ferienprogramm der Gemeinde Schwanau hegen die Verantwortlichen des Clubs wieder Hoffnungen auf weitere Jugend-Mitgliedschaften.

Aushängeschild ist derzeit das Erfolgstrio Jakob Schneckenburger, Janick Kunz und Julius Kopf, die mit ihrem Skatfreund Paul Schirmer vom Club "Schnippel die Zehn Haslach" bei den Deutschen Titelkämpfen unter neun Mannschaften die Vize-Meisterschaft erspielen konnten. Es war der Schnuppertag "Skat lernen" beim Ferienprogramm der Gemeinde, der einst bei Jakob Schneckenburger das Interesse am Skat und an einer Mitgliedschaft geweckt hatte. Seine Euphorie wiederum übertrug sich auf seine Kumpels Janick Kurz und Julius Kopf. Zusammen hat sich das Trio durch ständiges Üben in kurzer Zeit zum Aushängeschild des Vereins gemausert.

Die erfolgreiche Jugendarbeit beim Skatclub Riedskat 90 hat mehrere Väter: Da ist der Vorsitzende Rudolf Müller, der vor einigen Jahren an der Grundschule eine Skat-AG ins Leben gerufen hat und im Rahmen der Ganztagsschule auch selbst betreut. Die beiden anderen Säulen in der Nachwuchsarbeit sind der rührige Jugendleiter Markus Oberle sowie Spielleiter Hartmut Oberle, der sich stark in der Jugendarbeit engagiert. Was die Clubverantwortlichen am meisten überrascht und gleichzeitig erfreut, ist der Ehrgeiz, den das Vizemeister-Trio immer wieder an den Tag legt.

Manchmal staunen die drei alten Hasen kopfschüttelnd, wenn das erfolgreichste Riedskat-90-Jugendtrio spontan zum Smartphone greift, um im Stehen mal schnell eine Runde Skat zu "dreschen". Jakob Schneckenburger, Janick Kunz und Julius Kopf sehen im Skatspiel in erster Linie einen Ausgleich zum Schul- und Alltagsstress, erzählen sie. Weiter gefällt ihnen das Kennenlernen von Gleichgesinnten und das Knüpfen neuer Freundschaften. "Es bereitet einen Riesenspaß, die Gegner zu reizen, oder im Rahmen der Regeln auch mal zu mauern", um am Ende mehr Punkte auf dem eigenen Konto zu haben.

Die Jugendspieler haben mittwochs von 18.30 bis 20 Uhr im Jugendraum in der "Alten Fabrik" im Ortsteil Kürzell ihren Übungsabend und würden sich freuen, wenn weitere Jugendliche einfach unverbindlich reinschnuppern würden. Im Gegensatz zum Riedskat 90, dessen erste Mannschaft in der Landesliga derzeit einen Mittelplatz belegt, ist der Skat-Club Müllen ein reiner Hobbyclub. Dessen Vorstand bemüht sich seit vielen Jahren vergeblich, Jugendliche für das Skatspiel zu begeistern und für eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Als Ursache dafür sieht der Vorsitzende Axel Rothweiler einmal das gestiegene Angebot an Freizeitbeschäftigungen. Zum Anderen fehle den Mitgliedern eines reinen Hobbyclubs wohl der Anreiz und auch die Möglichkeit, an Meisterschaften und Titelwettbewerben auf Landes- oder Bundesebene teilzunehmen, bedauert Axel Rothweiler.