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13. Oktober 2010
Planer versprechen frühe Information
Bei den Polderplanungen in Meißenheim will das Regierungspräsidium frühzeitig über die Situation des Grundwassers aufklären.
MEISSENHEIM. Jedem sein Polder: Auch vor der Haustür von Meißenheim soll ein Rückhaltebecken gebaut werden, um die Folgen der Rheinkorrektur abzumildern. Harald Klumpp vom Regierungspräsidium Freiburg hat in der Gemeinderatssitzung den Stand der Planungen für den Polder IMO (Ichenheim, Meißenheim, Ottenheim) vorgestellt. Frühestens in fünf Jahren könnte der Plan beschlussreif sein.
Aus der Erfahrung mit den Schwanauern, die gegen den Polder Elzmündung klagen, will Klumpp Konsequenzen ziehen. Er versprach den Meißenheimer Gemeinderäten am Montagabend, die Bürger früher und intensiver in die Planungen einzubeziehen. Das betrifft vor allem den Punkt "Grundwasser", den die Schwanauer als unglaubwürdig einstufen und der nun als nächster Punkt in den Meißenheimer Polderplanungen ansteht. In Meißenheim wollen Projektleiter Harald Klumpp und Ingenieur Panajotis Katinakis die Bürger in die Erstellung des sogenannten "Grundwassermodells" einbeziehen. Darin wird rechnerisch ermittelt, wie sich das Grundwasser verhält, wie hoch es wann steigt, wie es fließt. Das wird dann damit verglichen, wie sich das Grundwasser verhält, wenn der Rückhalteraum gebaut ist. Auf dieser Grundlage werden dann Schutzeinrichtungen wie Pumpenwerke gebaut.Werbung
Dass sich Hausbesitzer am westlichen Rand von Meißenheim vor nassen Kellern fürchten, könne er verstehen, sagte Klumpp. Deshalb sollen sie sich äußern können – in Arbeitskreisen und Diskussionsrunden beispielsweise. Vor-Ort-Termine und Absprachen mit Gemeinderäten seien selbstverständlich, so Klumpp. Er glaubt, dass Vertrauen zum IRP (siehe Info) aufgebaut werde, wenn die Meißenheimer zunächst erfahren, was grundwassertechnisch überhaupt bei ihnen los sei. Zumal der Mühlbach, der den Einwohnern oft zu schaffen mache, einbezogen werde. Klumpp wollte jedoch keine Versäumnisse gegenüber den Schwanauern eingestehen. Man habe dort "alles Mögliche" getan, um zu moderieren und zu informieren. Beim IMO lerne man aus der Erfahrung und gehe in einem früheren Stadium an die Öffentlichkeit. Gemeinderat Otto Meier (Pro M+K) hakte bei der Zuverlässigkeit des Grundwassermodells nach. Auf der Grundlage des Modells werden die Pumpwerke installiert, die bei Hochwasser und Flutungen eventuell eindrückendes Grundwasser wegschaffen sollen. Klumpps Antwort darauf wiederholte sich an diesem Abend an mehreren Stellen: "Die Planungsgrundlage ist, dass wir nichts verschlechtern dürfen." In einigen derzeit feuchten Kellern könne sich, je nach Abstand zum nächsten Pumpwerk, die Lage sogar verbessern.
Das Integrierte Rheinprogramm verspricht, wie beim Polder Elzmündung in Schwanau, einen Fließpolder: "Es findet in allen Zuständen Strömung statt", sagte Harald Klumpp der Badischen Zeitung. Für den Naturschutz ist das Fließen wichtig: So könne die Auenlandschaft ein Stück zurückgeholt werden, so Klumpp. Bei Hochwasser dauere der Vorgang neun Tage – zwei Tage zum Füllen und Entleeren, fünf Tage, um das Wasser zurück zu halten. Ökologische Flutungen werden in Meißenheim etwa 57 Mal im Jahr, je nach Rheinzuflussmenge, erwartet. Etwa 25 Mal davon ist es eine große Flutung. Klumpp beruhigte Freizeitler, die Einschränkungen fürchten: Bei den kleinen ökologischen Flutungen bleibe die Polderfläche begehbar. Bei Hochwasser steht das Wasser rund 2,50 Meter, bei den ökologischen Flutungen bis zu zwei Meter hoch. Statistisch gesehen gibt es alle zehn Jahre ein Hochwasser, bei dem die 13 Rückhalteräume entlang des Rheins eingesetzt werden müssen.
Besonders wertvoll beim IMO – und schützenswert – ist Klumpp zufolge die Schützenkopfwiese. "Dort muss man besonders gut aufpassen", sagte er der BZ. Die Magerwiese dürfe nicht geflutet werden, sonst bekomme sie zu viele Nährstoffe ab. Das Wasser soll in den stillgelegten Schluten außen herum geleitet werden.
Seit der Bürgerversammlung in Meißenheim im Jahr 2004 hat das Regierungspräsidium den IMO-Raum naturschützerisch kartiert und zweidimensional berechnet, wie das Wasser strömen wird. Nun wird das Grundwassermodell erstellt, bei dem die am IMO beteiligten Gemeinden Schwanau und Neuried einbezogen werden. Bezüglich Schwanau habe er keine Berührungsängste, sagte Harald Klumpp der BZ. Bei Neuried erwarte er keine Schwierigkeiten. Ob es bei den fünf Jahren Planungszeit bleibt, ist aber fraglich, ließ Klumpp im Gespräch durchscheinen: "Wir wären gerne weiter, aber besonders die Klage aus Schwanau bindet im Regierungspräsidium unheimlich viel Kapazität."
Autor: Ulrike Derndinger
