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05. März 2011

Rekrutenregiment und närrische Dorfanekdoten

In den Narrennestern "Zwulchheim" und "Gottene" waren die Hemdglunkerumzüge mit närrischen Ritualen gespickt.

MERDINGEN/GOTTENHEIM (fri/schö) Mit den Hemdglunkerumzügen und seit vielen Jahren gepflegten närrischen Ritualen erreichte die Fasnacht in den beiden Tunibergdörfern Gottenheim und Merdingen am Donnerstagabend einen ersten Höhepunkt. In Merdingen hatten den ganzen Tag über der Musikverein und die Rekruten des aktuellen Jahrgangs 1991 schon fasnächtliche Stimmung verbreitet, mit Besuchen im Kindergarten und der Schule, in Geschäften und Betrieben und natürlich in den örtlichen Wirtschaften. Am frühen Abend dann enterten die Rekruten das Rathaus, wo Bürgermeister Eckart Escher dieses Mal selbst ausgeharrt hatte. Gerne übergebe er den Narren die Verantwortung, meinte Escher, denn Geld sei eh keines da. Nach Herausgabe des Schlüssels und einer fälligen Weinspende an die je zehn Kerli und Maidli der 91er Rekruten setzte sich der rund 200 Köpfe zählende Hemdlunkerumzug in Bewegung. Angeführt von der Musik und mit der von vier Rekruten geschulterten Puppe des Zwulchers ging es durch die Zwulchheimer Gassen zu den vier Gaststätten, die dann allesamt umgetauft wurden. Die Tour "zur Jubiläumslaube", zum "Il Tradizionale" und zum "Event-Stadl" endete bei schon völliger Dunkelheit an der "Sonne", die nun bis Aschermittwoch "Zum Luftschnapper" heißt. Zuvor war der Zwulcher vor dem Rathaus in die Höhe gehievt worden. Hier kann er aus luftiger Höhe dem närrischen Treiben bis zum Dienstagabend zuschauen, bevor dann sein letztes Stündlein bei der Fasnetverbrennung in der Nacht zum Aschermittwoch schlägt.

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Auch in Gottenheim kapitulierte nach Stürmen auf Schule, Kindergarten und Rathaus und einem lauten Hemdglunkerumzug durchs Dorf Bürgermeister Volker Kieber letztlich beim Krutschniedervortrag auf dem Balkon am Krone-Platz und übergab den Ratsschlüssel an Krutschnieder Klaus König und Zunftmeister Lothar Schlatter. Später feierten hunderte Narren noch im großen Zirkuszelt.

Mit einem historischen Lanz-Bulldog holten die Ehrenmitglieder der Narrenzunft den Bürgermeister vom Rathaus ab. Auf dem Anhänger war extra ein symbolischer Thron aufgebaut. Dann ging es ab zum berüchtigten Cafe "Dugdi", von wo aus der Hemdglunkerumzug durchs Dorf startete. Hunderte in Weiß gewandte Einheimische zogen, begleitet vom Musikverein und der Guggemusik "Krach un Blech", durch Dorf. Am Narrenbrunnen bat der Krutschnieder das "Joggili" alias Isabella Lutz-Herzog, bat, doch zur Fasnet hervorzukommen. Gemeinsam ging der Zug zum Krone-Platz, wo der Krutschnieder einige launige Geschichten aus dem Dorfleben zu berichten wusste, zumeist vom Publikum mit dem Fasnetsruf "Wurzle, Krut un Stiel" kommentiert. So weiß der Krutschnieder von einem Jäger, der von einem Mähdrescher aus versuchte, mit nur sechs Schuss der Wildsauplage Herr zu werden. Weiter erzählte er von einem armen Mitbürger, der sich in Hamburg ein neu gekauftes Auto abholte, um dann kurz vor Gottenheim einen Unfall zu bauen. Ein Winzer hatte für den Eigengebrauch einige Reihen seiner Reben länger stehen gelassen, die Rechnung aber ohne die Vögel gemacht. Andere Dorfbewohner wiederum zögerten das Vorglühen vor einem Sportclubspiel so lange hinaus, bis das Match selbst rum war. Und ein "wichtiger Rathausmitarbeiter" von "Gottene" schaffte es doch, sich binnen vier Wochen mit einer Motorsäge erst in die eine Hand, dann in die andere und zum Schluss sogar ins Gesicht zu sägen.

Autor: fri, schö