Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. Juni 2013 10:48 Uhr

Einzelhandel

Migros schließt Filialen in Freiburg und Lörrach

Einkaufen wie in der Schweiz – das machen die Migros-Filialen in Freiburg und Lörrach möglich. Noch. Denn damit ist es bald vorbei. Migros beendet sein Deutschland-Abenteuer, Rewe übernimmt.

  1. In Freiburg residiert Migros im Untergeschoss des Karstadt-Gebäudes – doch bald zieht hier Rewe ein. Foto: Ingo Schneider

Der Schock bei vielen Kunden und Mitarbeitern sitzt tief: Die Basler Migros Genossenschaft gibt ihr Deutschland-Geschäft weitgehend auf. Die vier Supermärkte in Lörrach, Freiburg, Ludwigsburg und Ludwigshafen sowie die zwei Hausbäckereien in Lörrach und Freiburg werden – vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamtes – zum 1. Oktober an Rewe verkauft, teilt die Basler Genossenschaft mit.

Dadurch könnten rund 75 Prozent der aktuell rund 300 Beschäftigen der Migros Deutschland von Rewe übernommen werden. Für weitere 70 Beschäftigte werde ein Sozialplan erstellt; davon betroffen sind insbesondere Mitarbeitende in der Lörracher Deutschland-Zentrale, in dem Restaurantbereich "Gourmessa" und in der Sparte "Take away" in Freiburg.

Über den Kaufpreis haben beiden Seiten Stillschweigen vereinbart. Der Schritt ist für die Migros Basel auch ein Schlussstrich unter die 1995 mit einigen Erwartungen in Lörrach begonnene Expansion nach Deutschland; die aber entwickelt sich nie so wie erhofft und belastete die Genossenschaft, die rund eine Milliarde Franken umsetzt, in den letzten Jahren regelmäßig mit Verlusten. Erst Ende des vergangenen Jahres war der langjährige Basler Migros-Geschäftsführer Werner Krättli damit beauftragt worden, das Deutschland-Geschäft zu restrukturieren – was sich offenbar als wenig sinnvoll erwiesen hat.

Werbung


Verlust für Freiburg

2002 wurde die Filiale in Freiburg eröffnet – jetzt ist nach elf Jahren Schluss. Bernd Dallmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM), sieht im Rückzug von Migros einen Verlust für Freiburgs Bürger, aber auch für die Touristen: "Wir verlieren damit ein Stück Internationalität." Die Filiale sei wie ein Vorbote der Schweiz gewesen. "Man merkte immer, hier fängt die Schweiz schon ein bisschen an." Er hoffe, dass die deutschen Supermärkte von Migros lernen, in welcher Qualität und mit welchem Service man Lebensmittel anbieten kann.

Von der Nachricht komplett überrascht wurde Stefan Max Huber, der Vorsitzende der Einzelhändlergemeinschaft Z'Friburg in der Stadt. "Das ist ein großer Verlust für die Stadt, Migros war ein Magnet für Freiburg – und ich bin mir nicht sicher, ob der dritte Rewe in der Innenstadt so viele Kunden ziehen wird." Das sei vor allem eine Frage der Qualität, aber auch des Angebots. "Das war durch die Schweizer Produkte einfach wahnsinnig vielfältig."

Huber gehört auch zu jenen Kunden, die den Schweizer Supermarkt vermissen dürften. "Ich habe selbst immer wieder dort eingekauft, vor allem Käse", erklärt er und lacht. Zumindest in seinem Fall dürfte sich wohl Herr Stähle vom gleichnamigen Käseladen über wachsende Kundschaft freuen.

Bei Rewe freut man sich auf den Zuwachs an Filialen: "Die vier Märkte passen hervorragend zu Rewe im Südwesten", sagte Unternehmenssprecher Raimund Esser der Badischen Zeitung. Mehr will er im Moment nicht sagen, aus Respekt vor der noch ausstehenden Entscheidung des Bundeskartellamtes zu dem Märkte-Deal. In der Freiburger Altstadt hat Rewe erst im März 2011 einen großen Markt im neuen Quartier Unterlinden eröffnet. Insider gehen davon aus, dass Rewe beide Läden, die nur rund 300 Meter auseinanderliegen, nebeneinander betreiben wird.

Kunden bedauern Schließung

Die Migros-Kundschaft in Freiburg zeigte sich am Dienstagmittag regelrecht schockiert über die Schließung ihrer Filiale. "Das ist eine Katastrophe. Das ist der letzte gescheite Laden in der Innenstadt", sagte Rolf Mägdefrau aus Zähringen. Er und Monika Vogelmann sind treue Kunden der Schweizer Kette, kaufen beide einmal die Woche vor allem Fleisch und Fisch bei Migros ein. "Den Fisch müssen wir dann jetzt eben in Frankreich holen", bedauert Vogelmann.

Der gebürtige Wiesentäler Klaus Mutter kennt Migros seit seiner Kindheit. Heute lebt er in St. Georgen und kauft regelmäßig Brot, Kaffee, Nudeln oder Wurst ein. "Ich finde es nicht gut, dass Migros schließt", sagte der 71-Jährige der Badischen Zeitung.

Für Marlies Janzig aus Neustadt gehört zu einem Freiburg-Besuch ein Einkauf im Migros wegen der großen Auswahl dazu. Mit der Schließung könne sie sich jedoch abfinden, dann müsse sie eben zu anderen Supermärkten gehen. "Die sind auch nicht so schlecht."

Die Verantwortlichen der Filiale vor Ort sind angehalten, nichts zu dem Aus zu sagen. "Irgendwie habe ich damit gerechnet, aber dass es so schnell gehen wird, das habe ich nicht erwartet", sagte eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte. "Der Migros hat einfach zur KaJo gehört."

Mehr zum Thema:

Autor: Michael Baas, Joachim Röderer, Alexandra Sillgitt, Florian Unterfrauner