Mild, sonnig, mäßig feucht

Bernward Janzing

Von Bernward Janzing

Mi, 03. Januar 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Wie war das Wetter im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Jahr 2017? Ein meteorologischer Rückblick /.

Wieder war ein Jahr im deutschen Südwesten wärmer als normal. Die Abweichung war diesmal zwar nicht allzu groß, gleichwohl folgte auch 2017 jenem Trend, der seit Jahren zu beobachten ist – im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wie weltweit. Für die Badische Zeitung hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) drei Messstationen für einen Wetterrückblick im Landkreis ausgewählt, die der topographischen Vielfalt der Region gerecht werden: Freiburg für den Oberrhein, Lenzkirch für die mittleren Schwarzwaldlagen und den Feldberg für die Hochlagen.

In Lenzkirch und am Feldberg lagen die Temperaturen jeweils um rund ein halbes Grad über dem Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010. Das mag wenig klingen, doch diese Differenz entspricht einer Höhenverschiebung um fast 100 Meter: Auf 800 Metern Höhe war es also so warm wie im Mittel auf 700 Metern. Wie viel 100 Höhenmeter ausmachen, ist im Winter anhand der Schneehöhen gut erkennbar.

Auf den ersten Blick überraschen dagegen die Freiburger Temperaturen des Jahres 2017, weil sie knapp unter dem langjährigen Durchschnitt lagen, wie der DWD mitteilt. Doch dieser Ausreißer hat einen banalen Grund: Im Jahr 2006 wurde die Freiburger Wetterstation von der Innenstadt zum Flugplatz verlegt – womit der Referenzwert nicht mehr ganz stimmt. Denn am Flugplatz bildet sich oft nachts ein Kaltluftsee aus, während die frühere Station in der Innenstadt viel stärker vom Stadtklimaeffekt und auch vom Höllentäler beeinflusst war.

Man darf also getrost annehmen: Würden beim Freiburger Vergleich nicht gewissermaßen Äpfel mit Birnen verglichen, wäre das Jahr 2017 auch in der Freiburger Bilanz milder als normal gewesen. Schließlich war es in ganz Baden-Württemberg zu warm – mit einem mittelmäßig temperierten Winter, mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen im Frühling und Sommer und einem leicht zu warmen Herbst.

Der Temperaturtrend vollzieht sich weltweit. Das Umweltbundesamt rechnet vor, dass die ersten sechzehn Jahre des 21. Jahrhunderts global zu den siebzehn wärmsten Jahren gehörten, die seit 1881 gemessen wurden – also seit es verlässliche Aufzeichnungen in ausreichendem Umfang gibt. Auch im ohnehin schon sehr warmen Oberrheingraben habe es in den vergangenen Jahrzehnten eine weitere Erwärmung gegeben, heißt es beim DWD in Freiburg. Aber immerhin war 2017 in dieser Hinsicht dann doch noch ein moderates Jahr – ohne neue Spitzenwerte. Mit 35,0 Grad wurde es am 22. Juni am Freiburger Flugplatz am wärmsten, auch Lenzkirch kam an diesem Tag an die 30-Grad-Marke heran, der Feldberggipfel errichte 22,7 Grad.

Freiburg an Januartagen so kalt wie Feldberg

Die Tiefstwerte des Jahres fielen auf den 6. und 7. Januar – und brachten eine kleine Kuriosität hervor: Mit minus 15,1 Grad war der Tiefstwert in diesen Tagen in Freiburg und auf dem Feldberg exakt identisch. Hanns Ulrich Kümmerle vom DWD in Freiburg kann das erklären: "Kalte Luft ist schwer und sinkt bei windschwachen Wetterlagen in die Täler ab. An der Messstelle Flugplatz bildet sich dann ein ausgeprägter Kaltluftsee aus, der zu den tiefen Temperaturen führt." In den Höhenlagen hatte sich in diesen beiden Tagen bereits etwas mildere Luft durchgesetzt.

Nicht nur warm, auch überdurchschnittlich sonnig war das Jahr 2017 im Landkreis. Mit 1875 Sonnenstunden hatte Freiburg bereits Mitte Dezember, als der DWD seine erste vorläufige Bilanz zog, den langjährigen Durchschnittswert von 1770 Stunden deutlich überschritten. Auch Lenzkirch war mit 1813 Stunden schon über dem Normalwert von 1683 Stunden angelangt, während lediglich der Feldberg noch um den Durchschnittswert von 1661 Stunden dümpelte. Auch für die Solaranlagen der Region resultiert daraus für 2017 eine positive Bilanz: Der für den Landkreis geltende langjährige Mittelwert von rund 1100 Kilowattstunden pro Quadratmeter wird zum Jahresende vielerorts um einige Prozent überschritten sein.

Während die Sonne im Dezember naturgemäß ihren Tiefstpunkt erreichte, blies ordentlich der Wind. Der Windrekord des Jahres wurde am 14. Dezember auf dem Feldberg registriert, als Sturmtief Zubin mit 167,4 Kilometern pro Stunde über den Gipfel fegte. Bis ins Flachland kam es zu Orkanböen, die Bäume umknickten; Gewitter und Schnee waren auch dabei. In Freiburg maß der DWD am selben Tag 86,4 Kilometer pro Stunde.

Unterdessen zeigen sich die Jahresniederschläge im Landkreis uneinheitlich. Während der Feldberg bereits Mitte Dezember sein Soll überschritten hatte – um etwa acht Prozent –, lagen die Stadt Freiburg und Lenzkirch in diesen Tagen noch darunter. Der höchste Tageswert in Freiburg wurde mit 37,4 Litern pro Quadratmeter während eines Sommergewitters am 18. August verzeichnet. In Lenzkirch fiel am 12. November mit 41 Litern die größte Menge, und mitunter fiel auch der Sankt-Martins-Umzug ins Wasser. Am Feldberg zum Beispiel war der 11. November der regenreichste Tag des Jahres mit satten 74,8 Litern pro Quadratmeter. Ein Rekordwert war das im Vergleich zu früheren Jahren nicht; im November 2015 hatte es im Schwarzwald mancherorts Tagesmengen von mehr als 100 Litern gegeben.

Während bei den Temperaturen ein Klimatrend deutlich erkennbar ist, ist das bei den Niederschlägen weniger der Fall. Zwar gebe es hierzulande im Winter eine leichte Tendenz zur Zunahme der Niederschläge und im Sommer eine leichte Abnahme, heißt es beim DWD. Doch die Unsicherheiten der künftigen Entwicklung der Regenfälle sind groß. Als gesichert gilt vor allem, dass es zu mehr Starkregenereignissen kommen wird, weil die wärmer werdende Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Womit vor allem eines klar ist: Auch 2018 wird das Wetter wieder ein präsentes Thema sein.