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18. August 2017 19:09 Uhr

Weinhoheit

Miriam Kaltenbach aus Wildtal ist neue Weinprinzessin

Alle Jahre wieder sucht der Breisgauer Wein eine neue Weinhoheit. In diesem Jahr heißt sie Miriam Kaltenbach, ist 19 Jahre alt und kommt aus Wildtal. Den Winzerberuf erlernt sie in Heitersheim.

  1. Miriam Kaltenbach Foto: Sylvia-Karina Jahn

  2. Weinhoheiten unter sich: Miriam Kaltenbach, Bianka Herbstritt und Franziska Aart. Foto: Sylvia-Karina Jahn

Miriam Kaltenbach aus Wildtal heißt die neue Breisgauer Weinprinzessin. Eigentlich stand es ja von vornherein fest, dass die 19-Jährige so ein Amt übernehmen würde. Nicht nur, weil sie die einzige Bewerberin war. Nein, als sie eingeschult wurde, habe eine Reporterin nach ihrem Berufswunsch gefragt. Miriam Kaltenbach, die aus einem Weinbaubetrieb stammt, antwortete brav: "Der Papa hat gesagt, ich soll Weinprinzessin werden."

Doch schon bald rebellierte die jetzt 19-jährige Winzertochter gegen dieses Programm, erzählt sie. Denn das reine Vergnügen ist die Arbeit in den Reben keineswegs, das "Stämmle putzen" etwa, eine Aufgabe für die Kinder, weil die sich dabei nicht bücken mussten, fand sie gar nicht so toll. Sie machte am Gundelfinger Albert-Schweizer-Gymnasium ihr Abitur und leistete dann einen zehnmonatigen Freiwilligendienst in Tansania mit der Organisation Weltwärts. Sie arbeitete in einem Kinder- und Waisenhaus, unterrichtete Kinder in Malen und Mathematik; ihr Berufswunsch ging in Richtung Naturwissenschaften.

Doch aus der Ferne erschien ihr plötzlich der Winzerberuf gar nicht mehr so verkehrt. Der Abstand machte es: Nach ihrer Rückkehr begann sie eine Ausbildung beim Weingut Zähringer in Heitersheim. Ein Jahr ist das nun her, "ich bin sehr glücklich damit."

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Wann sie zum ersten Mal Wein getrunken hat, kann sie nicht so genau sagen. Sicher bei der Konfirmation – und vielleicht mal früher probiert, zu Hause. Dort gab es zunächst die Burgundersorten, später kamen Müller-Thurgau, Gutedel und Regent hinzu. Miriam Kaltenbachs Lieblingswein ist ein Grauburgunder, gefolgt von Chardonnay; und sie mag Weißweine aus dem Barrique.

Zu den Prüfungsaufgaben gehörte die Vorstellung eines ihr unbekannten Weines, einem Weißburgunder vom Weingut Moosmann. Sie bescheinigte ihm einen kraftvollen Geschmack, nach reifen Birnen und Äpfeln, eine erfrischende und dennoch dezente Säure und einen lang anhaltenden Abgang. Die elfköpfige Jury aus Politik, Weinbau, Winzern und Breisgauer Weinvertretern war’s zufrieden.

Die Fragen hatten es in sich, verrät Vorgängerin Bianka Herbstritt (Glottertal), die am Freitagabend das Krönchen weitergeben musste; die Antworten der Nachfolgerin aber auch: "Eine Konkurrentin hätte es nicht leicht gehabt." 20 Minuten dauerte die Befragung, sagt Bereichsvorsitzender Dietrich Jörger; die findet nämlich immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Dabei fragt die Jury etwa nach typischen Rebsorten des Breisgaus und auch nach den Beweggründen für die Bewerbung, erklärt Franziska Aatz, die amtierende Badische Weinkönigin. Miriam Kaltenbach hat die Antworten auch im Pressegespräch noch parat: Sie möchte ihre Begeisterung für den Wein vermitteln. "Wein", sagt sie, "ist was ganz Besonderes, jedes Weingut macht etwas anders, das Wetter ist jedes Jahr anders – und jeder Wein erzählt eine Geschichte." Sie will den Konsumenten näher bringen, "was wir Winzer zu bieten haben." Zugleich freut sie sich darauf, mit Menschen auf Weinfesten und -proben in Kontakt zu kommen und sie möchte auch junge Menschen erreichen.

Ihre Vorgängerin Bianka Herbstritt schwärmt derweil von dem Jahr mit 50 bis 60 offiziellen Terminen und weiteren, die sie aufgrund ihres Amtes erhielt. Sie hat wahrgenommen, was nur ging, sagt sie – rund 100 Termine kamen zusammen. Was auch erklärt, dass es nicht so einfach ist, Kandidatinnen zu finden. "Der Betrieb muss dahinter stehen, alles kann man nicht über den Urlaub regeln – das wäre ja wie Gefängnis," sagt Jörger. Beworben werde das Amt nicht nur über den Weinbauverband, Ortsobleute und Betriebe, sondern auch über Facebook, ergänzt Andrea Jörger von der Breisgauer Wein GmbH.

Miriam ist über persönliche Kontakte dazu gekommen: Ihre Ausbilderin ist ehemalige Badische Weinkönigin, erzählt sie; und als sie gerade ihre Bewerbung geschrieben habe, rief auch noch ihre Vorgängerin an, deren Bruder in ihrer Klasse ist. Da war der Fall klar...

Autor: Sylvia-Karina Jahn