Mit Flöten durch die Zeit

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 21. Juli 2015

Ettenheim

L’Art du Bois beschließen den Ettenheimer Musiksommer.

ETTENHEIM. Das Kultur-Sommerloch gibt es nicht mehr, im Gegenteil: Konzerte allenthalben. Der neunte Musiksommer in Ettenheim ging am Sonntagabend mit dem Ensemble "L’Art du Bois" zu Ende, das 2007 die Reihe eröffnet hatte. Beim gut zweistündigen Konzert in der nur schlecht zu belüftenden Kunsthalle Altdorf wurden die Besucher daran erinnert, dass konzentriertes Zuhören und schwüle Hitze sich nicht so gut vertragen.

Die Flötistinnen Margret Görner, Verena Fütterer und Lena Hanisch, Judith Sartor an der Gambe und Enno Kastens am Cembalo hatten das Konzert puristisch zusammengestellt: Ausschließlich Barockmusik aus dem sächsischen und norddeutschen Raum von Komponisten, die "sich gegenseitig kannten und schätzten, voneinander lernten oder gar miteinander befreundet waren", wie es im Programmheft heißt. Was für Experten im Detail interessante Vergleiche ermöglicht, wirkte auf normale Konzertbesucher leicht ermüdend, und das, obwohl L’Art du Bois hervorragend agierte.

Die feinen Abstufungen zwischen Frühbarock, das noch sehr nach Mittelalter klingt, und hochbarocker Prachtentfaltung wurden deutlich. Johann Hermann Scheins "Banchetto Musicale", das dem Konzertabend auch den Titel gab, umfasst Schreittänze zu Flöten und Tamburin-Klängen, eher zurückhaltend und langsam wie in der Gagliarda, oder im kindlich lustigen Hopserlauf wie in der abschließenden Tripla. Diese Musik sorgt auch beim heutigen Publikum für wippende Füße. Samuel Scheidts "Symphonia aus dem A" verweist darauf, dass alle Komponisten des Konzerts auch Choräle geschrieben haben, deren tragende Melodien eine hohe Sanglichkeit mitbringen. Mit Jan Pieterszoon Sweelincks "Mein junges Leben hat ein End", in dem Flöten und Cembalo sich im schönen Wechselspiel gegenseitig zitieren, bekommt das in barocker Kunst verbreitete Vergänglichkeitsmotiv seinen Raum, das auch im anonymen Lübecker Gambensolo aus dem 17. Jahrhundert anklingt.

Der zweite Konzertteil gehörte Johann Friedrich Fasch, Johann Sebastian Bach und seinem Freund (und Paten des zweitältesten Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach) Georg Philipp Telemann. Gespielt wurde nun nicht mehr auf konischen Renaissanceflöten, sondern auf den bis heute üblichen Barockflöten, die pointierter klingen. Lena Harnisch fügte mit der hölzernen Traversflöte eine weitere Klangfarbe hinzu. Telemanns "Quatuor in d-moll" aus der Tafelmusik war der federleichte und präzise Schlusspunkt eines hochkarätigen Konzerts. Großer Applaus.