Mit "Haus Lukas" geht’s richtig los

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Fr, 28. September 2018

Freiburg Südwest

Am Sonntag erfolgt die Grundsteinlegung für den Neubau, der ambulante Wohngruppe, Pflegestützpunkt und Pfarrerwohnung enthält.

FREIBURG-ST. GEORGEN. Im gewohnten Umfeld alt werden: Das wünschen sich viele Menschen. Im Stadtteil St. Georgen hat sich deshalb 2011 eine Initiative mit dem Ziel gegründet, ein solches Angebot im Quartier zu schaffen. Aus ihr ging später der Verein "Haus Lukas" hervor. Die Realisierung des Wohnprojekts verzögerte sich jedoch. Nun soll es aber endlich losgehen: Am Sonntag, 11 Uhr, ist Grundsteinlegung für den Neubau neben der evangelischen Lukaskirche. Bauherr ist der Bauverein Breisgau, außerdem ist die Evangelische Sozialstation mit an Bord.

"Jetzt stehen alle Zeichen auf Grün", freut sich Detlef G. Theobald, der Vorsitzende des Vereins "Haus Lukas". Dieser hatte den Anstoß für das Projekt gegeben (siehe Info-Box). Bis zur Realisierung verstrich jedoch einige Zeit: Der Bauverein Breisgau steht bereits seit 2015 als Bauherr in den Startlöchern. Die Genossenschaft hat der Kirche das Grundstück neben der Lukaskirche abgekauft und investiert 5,5 Millionen Euro in den viergeschossigen Neubau, der sich auf zwei Gebäudeteile verteilt. In den oberen Etagen entstehen 14 seniorengerechte Wohnungen für die Mitglieder des Bauvereins.
Herzstück des Projekts ist eine ambulante Wohngruppe im Erdgeschoss, in der zwölf pflegebedürftige Menschen betreut werden sollen. Dies übernimmt die Evangelische Sozialstation. Die Bewohner würden rund um die Uhr von "Alltagsbegleiterinnen" versorgt, erklärt Johannes Sackmann, Vorstand der Evangelischen Sozialstation, das Konzept. "Sie kümmern sich um alles, was benötigt wird, damit der Alltag gelingt", sagt Sackmann – also etwa gemeinsam kochen, spielen oder den Garten pflegen: Je nachdem, wozu die Bewohnerinnen und Bewohner noch in der Lage sind. Für die Pflege der alten Menschen kommen ambulante Kräfte der Sozialstation ins "Haus Lukas". Die Sozialstation richtet im Gebäude auch einen neuen Pflegestützpunkt ein – den siebten im Stadtgebiet.

In die Pflegewohngruppe sollen vorzugsweise Menschen aus St. Georgen einziehen und damit den Bezug zu ihrem Wohnort behalten. Dabei spielen auch inhaltliche Aspekte eine Rolle. Die Sozialstation plane zum Beispiel, im Garten des Neubaus Rebstöcke anzupflanzen, wie sie in den Weinbaubetrieben rund um St. Georgen wachsen, erklärt Sackmann. Um deren Pflege sollen sich die Bewohner kümmern. Das Projekt will sich aber auch nach außen öffnen. Es seien Begegnungen von Jung und Alt mit dem benachbarten Kindergarten vorgesehen, zudem könnten Kontakte durch das neue Kultur- und Vereinshaus entstehen, das auf dem Stubenareal geplant ist, sagt Sackmann. Auch der Verein "Haus Lukas" will sich weiter einbringen und ehrenamtlich Angebote für die Bewohner anbieten.

Damit der Neubau errichtet werden kann, musste das bisherige Pfarrhaus der Lukasgemeinde abgerissen werden. Deshalb ist im "Haus Lukas" auch eine große Pfarrerswohnung vorgesehen, die nach Bedarf in zwei kleinere unterteilt werden kann. Falls ein Pfarrer mit großer Familie einziehe, könne er die gesamte Fläche nutzen, erklärt Günter Hammer, Pressesprecher der evangelischen Kirche Freiburg. Andernfalls werde die zweite Einheit vermietet. Ob der neue Pfarrer der Lukaskirche ins "Haus Lukas" einziehen werde, sei derzeit noch unklar, so Hammer. Pfarrer Jeremias Gollnau ist seit Juni dieses Jahres offiziell im Amt, zuvor leistete er an der Lukaskirche bereits seinen Probedienst ab. Er wohnt im Moment mit seiner Familie im alten Pfarrhaus der Melanchthonkirche im Stadtteil Haslach. Dort befindet sich auch das Pfarrbüro der Lukaskirche. Denn die Gemeinde gehört inzwischen zum Pfarramt Südwest.

Der Bauverein rechnet für das "Haus Lukas" mit einer Bauzeit von 20 Monaten – einziehen könnten die neuen Bewohner also im Frühsommer 2020. Das ist deutlich später als ursprünglich geplant – 2015 war der Bauverein noch von einer Fertigstellung im Frühjahr 2017 ausgegangen. "Da waren wir etwas zu optimistisch", erklärt Bauvereinsvorstand Jörg Straub. Die Abstimmungsprozesse zwischen den Projektpartnern seien sehr komplex gewesen. Zudem musste der Bauverein beim ursprünglichen Planungsentwurf noch einmal nachbessern. Das zunächst geplante Gebäude hatte der Bauverwaltung zu kompakt gewirkt. Außerdem forderte das Rathaus statt eines Flachdachs ein Satteldach.