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18. November 2017 15:00 Uhr

Pop-CD

Morrissey ist jetzt der Alexander Gauland des britischen Pop

Die Frage stellt sich gerade: Lässt sich Kunst auch goutieren, wenn sich ihr Schöpfer menschlich oder politisch disqualifiziert? So zum Beispiel 80erIndie-Held Morrissey.

  1. „Low In High School“ – das neue Album von Morrissey. Foto: BMG Rights

  2. Morrissey bei einem Konzert in Rom im Jahr 2014. Foto: dpa

Als Sänger der Smiths war Morrissey in den 80ern ein Indie-Dandy. Verwirrte Sensibelchen verehrten ihn, weil er in ihrem Namen auf das Recht des Unverstandenseins pochte. Wie kein anderer fasste er Herzeleid und selbstgerechten Zorn auf die Welt in Worte, die gleichermaßen originell, fein-ironisch und so, so treffend waren, hach.

Der Oscar Wilde von einst ist heute ein Alexander Gauland des Pop, der Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien schätzt. Auf seinem neuen Album "Low In High School" redet der 58-Jährige dem Brexit das Wort, geißelt die Medien und Politiker sowieso. Dieser Furor hat die sauertöpfische Wehleidigkeit weggefegt, die sein Spätwerk lange prägte. Melodien und Texte sind so pointiert und leichtfüßig überzwerch wie lange nicht, die Musik voller Energie und Einfälle. Viele tolle Songs also, manche zählen zu den besten seiner Solokarriere. Aber alter Held hin oder her – so richtig gut fühlt sich das Zuhören nicht an.

Morrissey: Low in High School (BMG).

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Autor: Peter Disch