Den Spaß wiederfinden

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Do, 10. Januar 2019

Mountainbike

Mountainbikerin Adelheid Morath orientiert sich nach einem "Katastrophenjahr" mit Stürzen und Knochenbrüchen neu.

MOUNTAINBIKE. Nach nur einem Jahr bei der Schweizer Equipe jb Brunex Felt hat Adelheid Morath erneut das Team gewechselt. Nach einem Seuchenjahr fährt die von Freiburg nach Stegen gezogene Mountainbikerin jetzt für das kleine KS-Trek-Team, das ihre Freundin Katrin Schwing betreibt. Gemeinsam mit der Südafrikanerin Candice Lill will Morath im März das MTB-Etappenrennen Cape Epic bestreiten. Auch Martin Gluth hat seinen Rennstall gewechselt.

In Adelheid Moraths Stimme ist Aufregung spürbar, als sie über ihre Pläne für die kommende Saison berichtet. "Alles super gut", sagt sie. "Nur ein bisschen viel", sei es gewesen in den vergangenen Monaten: Studium zur Ernährungsberaterin, der Umzug mit ihrem Freund Sam Baeten und der Teamwechsel nach nur einem Jahr und die Verarbeitung einer unglücklichen Saison, die die aus St. Märgen stammende Morath hinter sich hat.

Sie nennt es "ein Katastrophenjahr". Kahnbeinbruch, Schlüsselbeinbruch und bei der Weltmeisterschaft ein Sturz, der sie in der ersten Runde mit demoliertem Bike zur Aufgabe zwang. "Es ist so viel passiert, dem Team habe ich nichts gebracht und ich habe überlegt, ob ich aufhören soll. Mental war das alles sehr schwer wegzustecken." Sie wollte den Leistungssport beenden, weil die Schmerzen und Enttäuschungen den Spaß am Mountainbiken verdrängten. Inzwischen hört sich das wieder anders an. "Ich habe den Spaß wiedergefunden und glaube, dass ich an 2017 anknüpfen und dieses schwarze Jahr vergessen machen kann."

Den ersten Schritt tat sie noch 2018, als sie Ende Oktober gemeinsam mit Candice Lill das dreitägige Wine2Whales in Südafrika gewann. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon mit ihrer langjährigen Freundin Katrin Schwing im Gespräch. Die ehemalige Nationalfahrerin und Ex-Marathonmeisterin aus Mosbach lebt inzwischen in Freiburg und arbeitet als Landestrainerin im Nachwuchsbereich. Über viele Jahre betrieb sie ein eigenes kleines, aber feines Team (Trek-Domatec). Die hier geknüpften Verbindungen aktivierte sie nun für Adelheid Morath. "Ich habe zu Adelheid gesagt: Ein professionelles Team kann ich dir nicht bieten, aber wenn es dir hilft, dann versuche ich was auf die Beine zu stellen", sagt Katrin Schwing. "Ich habe dann bei den Sponsoren nachgehakt, damit sie die Birne für das Training und den Sport frei hat." Ein Freundschaftsdienst. "Wir trainieren viel zusammen, Katrin unterstützt mich und motiviert mich. Die Unterstützung von Trek Europa ist da, vom Verband und der Sportfördergruppe der Bundeswehr auch. Es sind Leute, die an mich glauben, das gibt mir Rückendeckung", erzählt Morath.

Auch Martin Gluth hat sein Team gewechselt

"Im Moment hat sich alles zum Positiven gewandt, Adel hat wieder Bock und sieht ein Ziel. Was mich am meisten freut, ist, dass Kraft und Wille wieder da sind. Und von der Leistung her, ganz ehrlich: Adel ist sehr fit", sagt Katrin Schwing. Auch fahrtechnisch sei sie gar nicht so schwach, wie es den Anschein hat. "Sie ist im Rennen einen Tick zu lieb, die anderen halten vor dem Downhill rein. Wenn du Stürze und Verletzungen hast, hältst du dich automatisch mehr zurück."

Die Unterstützung durch das Team besteht für Adelheid Morath vor allem im Material und dessen Wartung. Bei den Weltcups wird sie vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) betreut. Trainiert wird sie weiter vom Kirchzartener Bernd Ebler. "Das läuft gut, Bernd ist eine wichtige Entscheidungshilfe", sagt die 34-Jährige. Das Etappenrennen Cape Epic wird das erste Saisonhighlight für Adelheid Morath sein. Der erste Weltcup steht am 17. Mai in Albstadt auf dem Programm.

Auch Martin Gluth hat die Farben gewechselt. Der Freiburger, vier Jahre lang für das britische Team OMX-Team unterwegs, hat beim Team Superior XC einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben. Die Equipe ging aus dem bisherigen Focus-Team hervor, wurde aber mit der tschechischen Bike-Marke neu formiert.

"Es waren vier coole Jahre bei OMX, und ich bin sehr daran gewachsen", sagt Gluth. "Jetzt kann ich einen Schritt nach vorne machen. Ich freue mich auf ein Team, das mit seinen Fahrern in den vergangenen Jahren viele Erfolge gefeiert hat und gut aufgestellt ist. Zwei Jahre Sicherheit zu haben, motiviert mich zusätzlich", erklärt der Freiburger. Sein Ziel für 2019 sei es, sich konstant in Richtung Top 25 der Welt zu bewegen. Seinen Saisonauftakt bestreitet der 27-Jährige Ende Februar auf Zypern.