Mozart erfüllt die Stadtkirche

Walter Haug

Von Walter Haug

Di, 22. Juli 2014

Ettenheim

Begeisterndes Konzert mit dem Heilig-Kreuz-Kirchenchor.

ETTENHEIM. An die 90 Sängerinnen und Sänger und ein Orchester im Altarraum der Stadtkirche St. Bartholomäus – das Bild am Samstagabend versprach ein großes Konzert. Bernhard Schmidt, Leiter des Heilig-Kreuz-Kirchenchors Münchweier und des Kammerchors Cantemus Gundelfingen, hatte im BZ-Interview am Freitag nicht zu viel versprochen. Die Krönungsmesse in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart ist ein gewaltiges Werk, und gewaltig war auch seine Umsetzung durch die beiden Chöre unter der Begleitung des Freiburger Barockorchesters.

Das musikalische Ereignis hatte viele Zuhörer in die Stadtkirche gelockt. Bernhard Schmidt, musikalischer Leiter der Gesamtaufführung, sprach ein Grußwort zur Eröffnung und gab Erläuterungen zu Mozarts Meisterwerk. Die Reihenfolge der Werke orientierte sich am Ablauf eines Gottesdienstes im Salzburger Dom zur Zeit Mozarts. Zur Einstimmung spielte das Barockorchester eine Kirchensonate in C-Dur. Das Kyrie erklang wie ein gewaltiger Schrei zum Himmel um das Erbarmen Gottes. Das Sopran- und Tenorsolo wiederholte die Bitte um Erbarmen stellvertretend für jeden einzelnen Gottesdienstbesucher. Einem solchen schönen, kunstvollen und erhebenden Gebet konnte sich jeder anschließen und Gottes Wohlgefallen finden.

Im Gloria erklang der Jubel der Völkerscharen zum prächtigen Gotteslob, nicht nur hier auf der Erde, sondern auch im Himmel. Konnte Mozart so Herrliches komponieren, weil er vom Himmel inspiriert war? Ein Chor und ein Orchester müssen wiedergeben können, was der Komponist aufgeschrieben hat. Viele Stimmen im Chor und als Solisten und die perfekt spielenden Instrumentalisten bescherten den Zuhörern nicht nur ein Musikerlebnis, sie haben sie auch spirituell bereichert. "Laudate Dominum" – ein Sopransolo mit Orchester und Chor inszenierte ein Stück Himmel, ein Jenseits des Irdischen.

Nach der Epistelsonate folgt in der Liturgie das Credo, einer der theologischen und musikalischen Höhepunkte der Eucharistiefeier. Was für Mozart besonders wichtige Aussagen waren, das ließ er von Solisten vortragen: "Et incarnatus est…", "Crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato", "et resurrexit tertia die." Dies war Mozarts Glaubensbekenntnis, das er musikalisch heraushob. Die Motette "Exsultate, jubilate", ein feierliches Marienlob wurde überzeugend vorgetragen von der Sopransolistin Agnes Knoop. Mit dem Sanctus und Benedictus wird zur Wandlung hingeführt. Die Solisten, der Chor und das Orchester bereiten auf den heiligsten Akt der Messe vor, dem "Mysterium fidei".

Dann die letzten Sätze des Hochgebetes. Das Sanctus ist für jeden Chor wegen seiner Brillanz immer ein beliebter Höhepunkt. Danach klingt die Messe nur noch aus. Zur Kommunion beschenkt er die Gemeinde mit dem "Ave Verum", dem schönsten bekannten Marienlob. Eine Kirchensonate bildet als Postludium das Finale, bei das Ensemble noch einmal alles aufbot.

Die Zuhörer waren begeistert und spendeten dem Ensemble stehend lang anhaltenden Applaus. Der Sprecher des Kirchenchors Münchweier, Andreas Schnebelt, sprach das Schlusswort und bedankte sich bei allen Beteiligten.

Als Solisten wirkten mit: Agnes Knoop, Sopran. Sie studierte bis 2012 Opern- und Konzertgesang in Leipzig und Freiburg. Tobias Knaus, Alt, erhielt in Basel seine Ausbildung zum Counter-Tenor. Richard Resch, Tenor, sang bei den Regensburger Domspatzen und absolvierte seine Gesangsausbildung in Augsburg. Jan Sauer, Bass, studierte Konzertgesang an der Musikhochschule Freiburg.